KIRCHLAUTER

Gemeinsam Gutes tun macht Spaß

Im Rahmen der BDKJ-Aktion „72 Stunden“ wurde der Garten des Seniorenzentrums St. Elisabeth in Ebern angelegt. Foto: Fotos (2): IHADG

Smartphonesüchtig, egoistisch, für nichts zu begeistern – an kritischen Stimmen über die sogenannte Jugend von heute mangelt es nicht. Doch viele junge Leute beweisen das Gegenteil. Die „I Have A Dream Group (IHADG)“ aus den Haßbergen ist ein Paradebeispiel für soziales Engagement der ganz jungen Generation 3.0.

In der Hauptstraße von Kirchlauter (Lkr. Haßberge) haben die „Dreamer“ ihr Vereinsdomizil. Ein ehemaliger Geschäftsraum, vom Besitzer kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Einrichtung haben sie geschenkt bekommen oder aus Preisgeldern finanziert. Im Vorraum stapeln sich Kartons mit Spielsachen und anderen Sachspenden. Auf einem Flohmarkt sollen sie für den guten Zweck verkauft werden. „Das ist mal ein bisschen eine andere Aktion“, sagt Katharina Hofmann (23).

Ein Stand auf dem Flohmarkt fehlt noch im breiten Spektrum der Projekte und Aktionen der IHADG.

Unter dem Motto „Tore für Toleranz“ beispielsweise hat die Gruppe ein deutschlandweites Fußballturnier organisiert, im Rahmen der Aktion „72 Stunden“ des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) den Garten eines Seniorenheims neu gestaltet. Bei „Pfandtastisch helfen“ geht es darum, Pfandbons im Supermarkt zu spenden. Dieses Projekt hat die Gruppe nach eigenem Bekunden in den Landkreis geholt. Überhaupt ist die IHADG sehr gut vernetzt mit anderen regionalen wie überregionalen Benefizaktionen und -initiativen.

Über 17 500 Euro haben die „Dreamer“ bislang für den guten Zweck gesammelt. Zu den festen Adressaten der Spenden gehören das SOS-Kinderdorf Oberpfalz und ein Patenkind in Burundi. Etwas anders ist das Engagement vor Ort ausgerichtet: die IHADG organisiert den Kinderfasching in Kirchlauter, unterstützt von der Theatergruppe – und hilft umgekehrt ganz praktisch bei deren Veranstaltungen mit, oder auch beim Kindergartenfest.

„Wir wollen durch unsere Aktionen das Leben der Menschen ein bisschen besser machen, die Welt ein Stückchen besser machen.“ So beschreibt Katharinas Schwester Franziska (20) die Vision. Naiv? Weltfremd? Das gerade nicht: Mit professionellem Anspruch setzen die „Träumer“, die Martin Luther King zum Vorbild haben, ihre Ideen um. Die sehr gut gestaltete Homepage und die strukturierte Organisation mit Leitern für die Projekte und für verschiedene Arbeitsbereiche, von der PR über die Technik bis zu den Finanzen, sprechen für sich.

Die jungen Leute möchten ernst genommen und nicht herablassend behandelt werden, nur weil sie eben noch jung sind. „Wir wollen zeigen, dass wir mitreden können“ bringt es Katharina Hofmann auf den Punkt. Sie und ihre Schwester verweisen auf die gesammelte Erfahrung, auf die Fortbildungen und die verschiedenen Begabungen. „Wir versuchen, jeden da einzusetzen, wo er seine Stärken hat und wie er sich einbringen möchte.“

Mit der von einem Telekommunikationsanbieter gesponserten Aktion „Gesichter des Ehrenamts“ will die IHADG zeigen, dass sich auch andere junge Leute in Vereinen sowie im sozialen und kirchlichen Bereich engagieren. Ihre Premiere erlebten die Videoclips mit Vertretern verschiedener Gruppen auf der ersten Ehrenamtsmesse des Landkreises Haßberge vergangenen Oktober. Die „Dreamer“ drehen nicht nur die Videos, sondern sie waren bei dieser Messe als Kooperationspartner mit im Boot.

Mehrere Auszeichnungen bestätigen den Weg der IHADG – unter anderem der Deutsche Bürgerpreis 2014 mit dem zweiten Platz in der Kategorie U21. Einer Herausforderung jeder Jugendarbeit muss sich aber auch diese Gruppe stellen: Viele ziehen weg, des Studiums oder der Ausbildung wegen. Initiator und Vorsitzender Dominik Baum (23) ist einer von ihnen. Er agiert jetzt von Kempten aus.„Wir müssen Jugendliche nachziehen“, sagt Katharina Hofmann, „sonst wird es eine Erwachsenengruppe.“ Aktuell hat der Verein etwa 25 Mitglieder, hauptsächlich aus dem Landkreis Haßberge.

Neue Interessenten können bei den offenen Treffen vorbeischauen oder am besten gleich bei einer Aktion mitmachen. Gemeinsam mit Gleichgesinnten etwas anzupacken und Gutes zu tun macht „echt viel Spaß“, wissen die beiden Hofmann-Schwestern aus eigener Erfahrung. Und: „Man sieht am Ende des Tages, was man erreicht hat“, sagt Franziska, nicht zuletzt mit Blick auf die jeweils gesammelten Spenden. Auch Nike Kutzner (17) gefällt es, dass „viele mitmachen und man am Ende das große Ganze sieht“. Sie ist eines der Mitglieder, die nicht dem zehnköpfigen Rat angehören und vereinsintern „Dreamer“ genannt werden.

Soziales Engagement von Jugendlichen im ländlichen Raum – damit wollte Dominik Baum vor fünf Jahren zunächst mal eine Lücke füllen: „Wenn das soziale und kulturelle Leben im ländlichen Raum fast ausschließlich vom Ehrenamt abhängt und zeitgleich die Vereine feststellen, dass der Nachwuchs ausbleibt, ist es an der Zeit den Spieß herumzudrehen und die Jugend zu fragen, was sie begeistert und aus diesen Erkenntnissen ein neues Hobby zu kreieren“, meint er.

In der Vereinslandschaft von Kirchlauter und Umgebung gab es wenig Angebote für Mädchen und nichts im sozialen Bereich. Als Mitglied des Pfarrgemeinderats und ehemaliger Oberministrant suchte und fand Baum in anderen „Oberminis“ die ersten Mitstreiter. Mit der Vereinsgründung 2013 hat sich die IHADG von den kirchlichen Strukturen gelöst. Die Gruppe will offen für alle sein, auch für diejenigen, die mit Kirche nicht (mehr) so viel am Hut haben. Rein gesellige Treffen gibt es auch: Einmal im Jahr unternehmen die „Dreamer“ etwas miteinander, und bei der Weihnachtsfeier bleibt die Arbeit außen vor. „Das ist dann wie eine ganz normale Jugendgruppe“, sagt Katharina Hofmann.

Katharina Hofmann, Nike Kutzner und Franziska Hofmann (von links) sichten einen Karton mit Sachspenden. Foto: Beate Dahinten
Bei der Verleihung des deutschen Bürgerpreises 2014

Rückblick

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