ERMERSHAUSEN

Gemeinsam ins schnelle Internet

Breitband kommt voran: Um einen schnellen Anschluss zu erhalten, will Ermershausen mit Maroldsweisach kooperieren. Foto: Daniel Reinhardt, dpa

Schnell sein ist die Devise für alle, die im Internet unterwegs sein wollen oder müssen. Schnell sein heißt es auch für die bayerischen Kommunen, die ihren Bürgern dabei helfen möchten, in den Genuss von schnellem Internet zu kommen. Bedingt durch das geänderte Förderprogramm der Staatsregierung für den Breitbandausbau ist mit einem großen Andrang bei der Ausschreibung zu rechnen.

Wegen der gebotenen Eile kam der Gemeinderat Ermershausen mitten in der Ferienzeit zusammen. Anlass für die Sitzung am Mittwoch: die Kooperation mit dem Markt Maroldsweisach beim Breitbandausbau. Die beiden Nachbargemeinden wollen Vorreiter sein bei der interkommunalen Zusammenarbeit, die vom Staat mit 50 000 Euro zusätzlich belohnt wird. Der Gemeinderat Maroldsweisach hatte bereits Ende Juli zugestimmt und vergangene Woche die Bekanntmachung zum Auswahlverfahren online gestellt. Im Ermershäuser Rathaus gab's nun ebenfalls grünes Licht.

Wie's weitergeht, erläuterte Andreas Dellert, Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Hofheim, bei der Sitzung. Demnach haben die Firmen, die schnelles Internet anbieten, jetzt die Möglichkeit, sich zu bewerben und ein Angebot abzugeben. Aus diesen Bewerbern wird dann eine Auswahl getroffen. Die so genannte Wirtschaftlichkeitslücke ist dabei ein Kriterium: der Unterschied zwischen den Kosten des Ausbaus und den Einnahmen, die die Anbieter erwarten. Diese Lücke wird von den Kommunen finanziert, die dafür wiederum die staatliche Förderung bekommen. Ein anderes Kriterium ist „der früheste Zeitpunkt der Inbetriebnahme“, so Dellert, also die Frage, wie schnell das schnelle Internet genutzt werden kann. Dellert schätzt, dass diese Markterkundung bis Ende September abgeschlossen ist. Die Entscheidung werde dann der Gemeinderat treffen, sagte er am Donnerstag gegenüber dieser Zeitung.

Optionen offen halten

Das gemeinsame Erschließungsgebiet, das aus drei Teilgebieten besteht, könnte sich den Worten von Dellert zufolge doppelt bezahlt machen: Neben dem Bonus bei der Förderung seien für ein größeres Gebiet möglicherweise günstigere Angebote zu erwarten. Sollte das nicht so sein und ein Anbieter das Gebiet Ermershausen allein wirtschaftlicher ausbauen können, sei das nach wie vor auch eine Möglichkeit. Das bestätigte Bürgermeister Günter Pfeiffer: „Wir vergeben uns nichts, wir halten uns alle Optionen offen.“ Der Gemeinderat habe seine Absicht zur Zusammenarbeit erklärt, sagte Dellert auf Anfrage. Ob sie zustande komme, müsse die Ausschreibung zeigen. Wenn nicht, gebe es keine zusätzliche Förderung. Die Zugehörigkeit zur Gemeindeallianz Hofheimer Land allein reiche noch nicht aus, um in den Genuss des Förderbonus zu kommen, stellte Dellert klar. Und ihm sei nicht bekannt, dass weitere Erschließungsgebiete im Bereich der Gemeindallianz respektive der VG zusammengelegt werden sollen. Die Gebiete der anderen Kommunen seien an sich relativ groß. Das Auswahlverfahren soll ab kommender Woche gestartet werden.

Festgelegt worden waren die Ausbaubereiche aufgrund des Bedarfs von Gewerbetreibenden, der noch im Rahmen des vorherigen Förderprogramms ermittelt worden war. Je nach gemeldetem Bedarf sollen dort 30 bis 50 Mbit/s zur Verfügung stehen, wie Dellert erläuterte. Davon profitierten dann auch die umliegenden Haushalte.

In den Ortschaften werden die Glasfaserkabel bis zu den Kabelverzweigern führen. Danach nehmen die Signale den Weg über die vorhandenen Kupferleitungen und verlieren etwas an Geschwindigkeit. Aber es kämen immer noch recht hohe Bandbreiten in den Haushalten an, betonte Dellert. Die Funklösung, die vor einigen Jahren eingerichtet wurde, bleibe von dem Glasfaserausbau unberührt und könne weiterhin genutzt werden.

Fördergebiete umgestalten

Auf Landkreisebene sind die Kommunen beim Förderfortschritt unterschiedlich weit, wie ein Blick auf die Internetseite breitband.zukunft-hassberge.de zeigt. Die meisten haben bereits die Bekanntmachung zum Auswahlverfahren veröffentlicht. Den Weg einer interkommunalen Zusammenarbeit haben auch die Kommunen der VG Ebern eingeschlagen. Und laut Michael Brehm vom Landratsamt Haßberge ist es nicht ausgeschlossen, dass weitere Erschließungsgebiete zusammengelegt werden. Aufgrund des neuen Förderprogramms „versuchen wir, das eine oder andere Fördergebiet umzugestalten“, sagte Brehm. Der nächste Zielpunkt aus Sicht des Landkreises ist das Frühjahr: „Bis April sollen alle Kommunen ihre Förderbescheide in der Hand haben.“

Eng verknüpft mit dem Thema DSL-Ausbau ist im Haßbergoberland der geplante Radweg zwischen Eichelsdorf und Ermershausen. Beim Bau dieses Radweges sollen Leerrohre und – wenn es optimal läuft – auch schon Glasfaserkabel mitverlegt werden. Der Radweg befindet sich nach wie vor in der Planungsphase, laut Andreas Dellert laufen noch einige Abstimmungsgespräche mit Trägern öffentlicher Belange. Die Arbeiten sollen im nächsten Frühjahr beginnen, „heuer werden wir es nicht mehr schaffen“.

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