KREUZTHAL

Genau vor 100 Jahren erblickte Maria Hehn das Licht der Welt

Maria Hehn wird am 22. November 100 Jahre alt. Foto: René Ruprecht

Genau vor 100 Jahren, am 22. November 1919, erblickte Maria Hehn das Licht der Welt. Einer Welt, die damals in Deutschland noch gezeichnet war von den Nachwirkungen des Ersten Weltkrieges.

Zu diesem seltenen Geburtstagsjubiläum können neben ihren Kindern sieben Enkelkinder und zehn Urenkel ihrer Groß- und Urgroßmutter gratulierten. Sicher werden sich am Jubeltag die Nachbarn und zahlreiche Einwohner und Freunde aus Kreuzthal die Türklinke in die Hand geben. Zum Gratulieren haben sich auch der Riedbacher Bürgermeister Bernd Fischer und von der Pfarreiengemeinschaft Aidhausen-Riedbach Pfarrer Jaroslaw Woch schon angesagt.

Die Jubilarin kann auf ein sehr bewegtes Leben zurückblicken. Als Maria Zierhut wurde sie am 22. November 1919 in Neuern im Böhmerwald geboren und wuchs zusammen mit zwei Brüdern und zwei Schwestern auf. Ihr Vater Ferdinand betrieb in der alten Heimat in Neuern eine damals gut gehende Wagnerei. Er war auch Innungsobermeister in seinem Handwerk. Ihr älterer Bruder Anton erlernte als Betriebsnachfolger den Wagnereiberuf. Mutter Barbara war gelernte Schneiderin und kümmerte sich neben der Haushaltsführung für die Großfamilie auch um die Erziehung der Kinder.

Es lebten im Heimatort damals in der alten Heimat vorwiegend nur deutsche Familien, erinnert sich die Jubilarin. Es gab da nur zwei bis drei tschechische Familien, so ihre Erinnerung. Bis vor drei Jahren besuchte sie noch regelmäßig ihren Geburtsort.

Als Zehnjährige spielte sie damals in Theaterstücken mit, die ein ortsansässiger Autor für die Laienbühne schrieb. Da wäre sie damals später gerne Schauspielerin geworden, so ihr Wunschgedanke als Schulmädchen. Sogar in Prag gab es eine Theateraufführung, an die sich Maria Hehn noch heute mit Stolz gut erinnern kann. Die lobenswerte Zeitungsnotiz von damals kann sie heute noch sogar auswendig aufsagen.

Nach der Schulzeit lernte sie wie ihre Mutter von Grund auf das Schneiderhandwerk. Es sollte später nach der Vertreibung in der schlechten Nachkriegszeit in der neuen Heimat für ein gutes Zubrot sorgen. Ihre gesamte Familie mit Onkel und Tanten wurden aus ihrer Heimat vertrieben. Nach langer Odyssee durch einige Durchgangslager in der Tschechei kam dann im Viehwaggon die Familie mit Verwandten schließlich im damaligen Landkreis Haßfurt an. In Ebelsbach fanden dort die Heimatvertriebenen fürs Erste eine Bleibe im Barackenlager des ehemaligen Reichsarbeitsdienstes. Weiter ging es für die insgesamt zehn Verwandten dann 1946 nach Kreuzthal. Im Forsthaus der Universitätsforstverwaltung stellte man für die Familie einige Zimmer als erste Unterkunft zur Verfügung. Dort lernte Maria auch ihren späteren Ehemann Hugo Hehn kennen, er arbeitete als Holzhauer im Universitätsforst.

Damals, so kurz nach dem Krieg, war es für die Heimatvertriebenen nicht einfach, in ihrer neuen Heimat Fuß zu fassen. Man wurde manchmal verächtlich als Flüchtling tituliert. Ihr Vater Ferdinand hatte es als gelernter Wagnermeister einfacher. Der damalige Nachkriegsbürgermeister von Humprechtshausen (Kreuzthal war einst Ortsteil von Humprechtshausen) half ihm auf dem Weg zur Selbstständigkeit. Mit ihrem Bruder Anton eröffnete der Vater in Kreuzthal eine kleine Wagnerei, die Anton später übernahm und dann nach seiner Hochzeit nach Hoppachshof verlegte.

Neben der Erziehung der Kinder Günter, Renate und Peter half die Jubilarin in der kleinen Landwirtschaft ihrer Schwiegereltern Gertraud und Ludwig Hehn tatkräftig mit. Zusätzlich zu ihrer Arbeit in Haus und Hof kümmerte sie sich später um die Pflege ihrer Eltern und dazu noch die Versorgung der Schwiegereltern.

Ihr zehn Jahre jüngerer Mann Hugo verstarb bereits vor sieben Jahren.

Vor 20 Jahren war das Wohnhaus umgebaut worden, damit Tochter Renate ihre Eltern betreuen konnte. Ihre beiden Kinder, der Sohn und die Tochter, leben jetzt in Forchheim. Mit zunehmendem Alter verschlechterte sich im Verlauf der Jahre bei der Jubilarin das Seh- und Hörvermögen, aber geistig ist sie noch voll auf der Höhe.

Mit der Planung der großen Geburtstagsfeier wurde schon einige Monate im Voraus begonnen. Mit Hilfe ihrer Tochter Renate stellte sie bei der Vorbereitung die Gästeliste für das große Geburtstagsfest in der Feuerwehrhalle für über 100 geladene Gäste aus nah und fern zusammen.

Die Jubilarin möchte keine großen Geschenke zum Geburtstag, lieber sollen die Gratulanten etwas beisteuern für die gemeinsame Festtafel am Samstag. Es wurden die besten Torten- und Kuchenbäckerinnen aus Kreuzthal sozusagen verpflichtet sowie für den Kartoffelsalat und das Salatbuffet. (uk)

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