GLEISENAU

Gleisenau: Welche Ideen die neue Pfarrerin hat

Sarah Schimmel ist die neue Pfarrerin für die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Gleisenau, die mit 23 Orten vom östlichen Unterfranken bis hinüber nach Oberfranken reicht.
Sarah Schimmel ist die neue Pfarrerin für die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Gleisenau, die mit 23 Orten vom östlichen Unterfranken bis hinüber nach Oberfranken reicht. Foto: Günther Geiling

Gleisenau Die evangelische Kirchengemeinde Gleisenau darf sich über die schnelle Wiederbesetzung der Pfarrstelle freuen. Seit 1. September ist Sarah Schimmel neue Pfarrerin. Am Sonntag, 29. September, um 10 Uhr findet ihre feierliche Ordination durch Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner im Rahmen eines Festgottesdienstes in Gleisenau statt. Anschließend sind alle Gemeindemitglieder zu einem Empfang in die Remise des Schlosses eingeladen. Sarah Schimmel ist die Nachfolgerin von Pfarrer Volkmar Gregori, der im Mai in seinen Ruhestand ging. Diese Redaktion hat sich mit der neuen Geistlichen unterhalten.

Frage: Sie haben sich für die Kirchengemeinde Gleisenau entschieden, die mit 23 Ortschaften und rund 1800 Mitgliedern in einem vorwiegend katholischen Gebiet nahezu einer Diaspora gleicht. Welchen ersten Eindruck haben Sie von Gleisenau und ihrer Pfarrstelle?

Sarah Schimmel: Wir haben es, denke ich, sehr gut getroffen, weil mein Mann und ich von den Menschen, mit denen wir bisher zusammentrafen, sehr willkommen geheißen wurden. Es ist meine erste Pfarrstelle, ich bin hier die nächsten drei Jahre auf Probe. Natürlich ist die Kirchengemeinde durch ihre große Fläche eine Herausforderung, es kommt sicher viel Neues auf mich zu.

Die Gemeindemitglieder und auch unsere Leser sind sehr gespannt auf die neue Pfarrerin. Vielleicht können Sie uns auch etwas aus Ihrem persönlichen Leben und ihrer Familie erzählen?

Schimmel: Während meiner Kindheit lebte ich mit meinen Eltern und zwei Schwestern im Fichtelgebirge, später ging ich in Bayreuth in die Schule. Nach dem Abitur verschlug es mich ein Jahr nach Australien, danach ging ich das Studium der Religions- und Wirtschaftswissenschaften an. Ich war also nicht von Beginn an auf den Priesterberuf ausgerichtet. Dies war ein längerer Entscheidungsprozess, denn es ist ja kein normaler Beruf, sondern eine Berufung, die das ganze Leben beeinflusst. Bei meinem Theologiestudium in Neuendettelsau und Leipzig hatte ich engagierte Dozenten, die theologisch fundiertes Wissen mit Offenheit für andere verbanden und ich mich damals schon sehr in der Kinder- und Jugendarbeit engagierte.

Frau Schimmel, was hat Sie dann aber bewogen, Pfarrerin zu werden?

Schimmel: Entschieden habe ich mich für diesen Beruf, weil es wohl keinen anderen gibt, in dem man so viel mit Menschen zu tun hat, angefangen von der Geburt und Taufe über die Jugendarbeit und die Mitarbeit im Kirchenvorstand bis hin zur Beerdigung.

Welche Vision haben Sie von Kirche und Gemeinde in der heutigen Zeit mit der mehr Kirchenaustritten und zurückgehenden Kirchenbesuchern?

Schimmel: Ich denke die Menschen sind immer noch auf der Suche nach Gott und dem Glauben. Die Botschaft der Kirche ist nicht veraltet. Die Botschaft des Evangeliums hat sich auch nicht verändert, aber es kommt darauf an, wie man sie mit den Leuten kommuniziert. Das ist unsere Aufgabe. Das Leben der Botschaft betrifft alle. Gott und das Christentum bieten für viele Dinge Antworten. Man muss sie nur so gestalten, dass sie für den Menschen in seine Welt passen.

Was ist Ihnen wichtig an ihrer Aufgabe als Seelsorgerin, in welchen Bereichen möchten Sie Schwerpunkte setzen?

Schimmel: Meine Aufgabe ist es erst einmal zu schauen, was da ist und was sich die Leute wünschen. Für ganz wichtig erachte ich den Gottesdienst und die Kasualien (Taufe, Hochzeit, Beerdigung). Mit ihnen erreiche ich die Menschen, die mit der Kirche noch was zu tun haben wollen, aber auch andere. Der Gottesdienst ist das Zentrum der Gemeinde – aber auch mit neuen Formen und nicht nur auf den Sonntagmorgen beschränkt. Die Seelsorge ist mir ein weiteres Anliegen. Kinder- und Jugendarbeit halte ich für essenziell.

Was wünschen Sie sich von Ihren zukünftigen Gemeindegliedern?

Schimmel: Dass sie offen und auch mit allen Anliegen auf mich zukommen, dabei aber auch offen für Neues sind. Ich bin jung und flexibel und möchte für jeden ansprechbar sein.

In den letzten Jahren hat es immer wieder im Bereich der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden Ansätze für eine gute Ökumene gegeben. Wie stehen Sie dazu?

Schimmel: Eine ökumenische Zusammenarbeit halte ich für eminent wichtig und war auch schon mit Pfarrer Dr. Mathias Rusin und Diakon Joachim Stapf zusammen. Meine erste Amtshandlung war die ökumenische Feier zur Einweihung der Feuerwehrleiter. Ich hoffe, dass die gute Zusammenarbeit weitergeht, zumal die Bevölkerung so vermischt ist und alle Christen offen aufeinander zugehen sollten.

In Ihrem ersten Grußwort oder Brief an die Gemeinde haben Sie von einem Koffer erzählt, den Sie vollgepackt haben für Ihren Dienst als Pfarrerin in Gleisenau. Können Sie uns verraten, was da drin alles enthalten war oder ist?

Schimmel: Damit meinte ich die Grundlagen für Gottesdienst, Seelsorge, Schule und Kirchengemeinde. Darin ist zum Beispiel auch ein „Tauf-Erinnerungsprojekt“, das interessante Möglichkeiten für die Arbeit mit Kindern bietet. Für mich gibt es aber sicher noch andere Herausforderungen, aber bei ihrer Lösung kann ich auf vielem anderen aufbauen.

Mit Ihrer neuen Aufgabe wird viel auf Sie einstürzen und da ist es wichtig, dass man neben seinen Gottesdiensten, Beanspruchungen und vielen Terminen auch abschalten und zur Ruhe finden kann. Wodurch gelingt Ihnen dies und was machen Sie in Ihrer Freizeit gerne?

Schimmel: Mein Mann Richard und ich werden vor allem mit Wandern in nächster Zeit erkunden, wo wir gelandet sind. Ich persönlich kann in der Natur und im Wald gut abschalten; hier fühlt man sich der Schöpfung Gottes nahe. Weitere Hobbies sind das Nähen. Eine ganz neue Erfahrung bietet mir der schöne Garten, wo schon eine Hängematte bereit hängt, um darin vielleicht auch einmal einen guten Krimi zu lesen.

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