Haßfurt

Goldene Hochzeit im Hause Obert in Haßfurt

Horst und Aysel Obert beweisen, dass unterschiedliche Kulturkreise vereinbar sind. Seit 50 Jahren ist das Haßfurter Ehepaar glücklich verheiratet. Zum Ehrentag gratulierte Haßfurts Bürgermeister Günther Werner nachträglich. Foto: Christiane Reuther

Christentum und Islam - die beiden Kulturkreise gelten oftmals als unvereinbar. Das Gegenteil beweist das Haßfurter Ehepaar Horst und Aysel Obert, die seit 50 Jahren glücklich verheiratet sind. Vor Kurzem feierten sie das Fest der Goldenen Hochzeit in der Türkei. Am Samstag fand die nachträgliche Feier in Deutschland statt.

"Moslem und Christ - und das im Dorf, das war vor 50 Jahren das Gespräch schlechthin", erinnert sich Horst Obert, der in Langenprozelten bei Gemünden aufgewachsen ist. "Jeder muss beide Seiten akzeptieren, dann klappt es", verrät der 80-jährige Jubilar das Geheimrezept für das Eheglück. Angebahnt hat sich dieses bei einem Besuch des Bruders von Horst Obert in Frankfurt am Main. Dort weilte die aus Izmir stammende Aysel bei ihrer griechischen Freundin. Und die war wiederum die Freundin des  Bruders von Horst.

In Langenprozelten geheiratet

Die Hochzeit fand am 16. Januar 1970 in Langenprozelten in der katholischen Kirche statt, da die Braut gerne in Weiß heiraten wollte. Sie musste allerdings einwilligen, dass die Kinder im katholischen Glauben erzogen werden. Hineingeboren in eine multikulturelle Familie sagen die beiden Töchter: "Wir sind religiös tolerant aufgewachsen." Auch die fünf Enkelkinder lieben das internationale Flair.

Die berufliche Laufbahn des Jubilars begann mit einer kaufmännischen Lehre in einer Zigarrenfabrik. Die konnte er wegen der Insolvenz der Firma nicht beenden und er begann eine Ausbildung zum Binnenschiffer. Mit 23 Jahren erwarb er das Patent zum Schiffsführer und war auf den europäischen Schifffahrtsstraßen unterwegs, davon 16 Jahre unter eigener Regie. Die ersten Jahre lebte die junge Familie auf dem Schiff.

1970 Umzug nach Haßfurt

In den 1970er Jahren siedelten sich die Oberts zunächst in einer Mietswohnung in Haßfurt an und zogen zehn Jahre später ins eigene Heim. Bis zum Eintritt in die Rente arbeitete der Jubilar als Schiffsführer bei der Eltmanner Firma Hauck. Bei den Sonntagskeglern knüpfte er soziale Kontakte und war 16 Jahre lang Vorstand. Bei der Haßfurter Tafel engagierte er sich acht Jahre lang im Ehrenamt.

Auch seine Frau Aysel engagiert sich ehrenamtlich bei der Tafel, beim Freundeskreis Asyl und bei der Caritas. Die 77-jährige Jubilarin erinnert sich an die Zeit, als sie mit 23 Jahren abenteuerlustig und ganz alleine von der Türkei aus als Gastarbeiterin nach Deutschland aufgebrochen war. Sie arbeitete in einer Porzellanfabrik in Selb, bei Fichtel und Sachs in Schweinfurt und bei der Firma Braun in Frankfurt. "Mein Herz schlägt für beide Länder", sagte die Jubilarin. Deshalb führten die Familienurlaube stets an die Ägäis. Heute noch legen Horst und Aysel Obert die 3000 Kilometer regelmäßig mit dem Auto dorthin zurück. Haßfurts Bürgermeister Günther Werner gratulierte nachträglich zum Ehrentag.

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