HAßFURT

"Gras" war im Ausschnitt versteckt

Eigentlich gab es schon ein Urteil in dem Fall. Doch weil er sich nicht an seine Auflagen hielt, musste der Angeklagte erneut vor Gericht erscheinen.

Weil er im Verdacht stand, Rauschgift an Minderjährige weitergegeben zu haben, musste sich ein 41-jähriger Hartz-IV-Empfänger aus Oberfranken am Mittwoch bereits zum zweiten Mal vor dem Schöffengericht in Haßfurt verantworten. Polizeibeamte hatten zudem 3,1 Gramm Marihuana, 1,9 Gramm Haschisch und einen Schlagring in der Wohnung des Mannes gefunden, dem eine Freiheitsstrafe von einem Jahr drohte.

Cannabis auf dem Boden

Während des Zeiler Weinfests 2015 rauchte der Angeklagte zusammen mit zwei damals minderjährigen Mädchen auf einem Spielplatz einen Joint. Passanten wurden durch den Geruch darauf aufmerksam und verständigten anwesende Polizeibeamte. Bei der Durchsuchung war der Angeklagte nach Angaben des ermittelnden Beamten aggressiv und unkooperativ.

Der Mann kramte in seiner Hosentasche. Wenig später lag ein Tütchen Cannabis auf dem Boden. Der Beamte vermutete, dass es aus der Tasche des Angeklagten gefallen war, konnte es aber nicht beweisen.

Um Kopf und Kragen geredet

Der Angeklagte ließ durch seinen Anwalt verlauten, dass eine weitere junge Frau das Rauschgift mitgebracht habe. Wer den Joint gedreht habe, wisse er nicht mehr. Die Drogen, die in der anschließenden Wohnungsdurchsuchung gefunden wurden, seien gestreckt, zwei Jahre alt und unbrauchbar gewesen. Dass er einen Schlagring besitzt, habe er gar nicht gewusst.

Die heute 20-jährige, die das Rauschgift mitgebracht haben soll, redete sich bei der ersten Verhandlung im vergangenen Jahr im Zeugenstand um Kopf und Kragen. Sie gab zu, das „Gras“ mitgebracht zu haben. Sie habe es in ihrem Ausschnitt versteckt. „Wir haben Alkohol getrunken und dann auf dem Spielplatz gekifft. Was Jugendliche halt so machen“, sagte sie und belastete sich mit ihrer Aussage selbst.

Da der Angeklagte zum Tatzeitpunkt nur einen Eintrag wegen eines Verkehrsdelikts hatte, stellte das Gericht das Verfahren vor einem Jahr ein. Als Auflage sollte er 50 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten. Doch das tat er nicht, weshalb er nun erneut auf der Anklagebank Platz nehmen musste.

Angeklagter im Teufelskreis

Vor Gericht sagte der Arbeitslose, dass er psychisch und körperlich nicht in der Lage gewesen sei, die Arbeitsstunden zu leisten. Er habe sich bei einem Unfall den Arm gebrochen und drei Monate im Bett gelegen. Da er seine Wohnung verlor, sei er zu seiner Mutter gezogen. Die habe einen Schlaganfall erlitten und sei seitdem gelähmt.

„Ich befinde mich in einem Teufelskreis“ klagte er und bat darum, nicht verurteilt zu werden, um seinen Führerschein wieder machen zu können, ohne den er keine Arbeit finden würde.

Auf diese Bitte reagierte die Vorsitzende leicht säuerlich. Der Angeklagte habe seine Chance nicht genutzt. Anschreiben des Gerichts seien mehrfach unbeantwortet geblieben. Da sich der Vorwurf der Weitergabe von Drogen an Minderjährige nicht beweisen ließ, forderte die Staatsanwältin für den unerlaubten Drogen- und Waffenbesitz eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je zehn Euro. Eine vom Verteidiger geforderte Verfahrenseinstellung lehnt sie ab.

Der Anwalt warf ein, dass sein Mandant einen Schicksalsschlag nach dem anderen erleben musste. Er habe mit seiner „Vogel-Strauß-Politik“ den Kopf in den Sand gesteckt. Eine Geldstrafe von maximal 400 Euro sei ausreichend. Dies sah das Schöffengericht ebenso und folgte dem Antrag. Arbeitsstunden muss der Mann nun nicht mehr leisten. Dafür kommen neben der Geldstrafe Anwalts- und Verfahrenskosten hinzu. Das Urteil ist rechtskräftig.

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