WONFURT

Graue Schwaden über Loacker beunruhigen Anwohner

Mit etwas Mühe zu erkennen: Aus beiden Abluftkaminen auf dem Loacker-Dach steigen am Mittwochabend grau-weiße Schwaden. Ob Staub oder Rauch – das war am Donnerstag unklar. Das Foto hat ein Wülflinger über den Main hinweg per Teleobjektiv geschossen.
Mit etwas Mühe zu erkennen: Aus beiden Abluftkaminen auf dem Loacker-Dach steigen am Mittwochabend grau-weiße Schwaden. Ob Staub oder Rauch – das war am Donnerstag unklar. Das Foto hat ein Wülflinger über den Main hinweg per Teleobjektiv geschossen. Foto: Jens Heiduk

Mindestens eine halbe Stunde lang sind am Mittwochabend aus zwei Abluftkaminen des Loacker-Betriebsgebäudes in Wonfurt Schwaden gezogen. Dies berichten Zeugen des Vorfalls, der sich gegen 19.30 Uhr ereignet haben soll und der in Wonfurt und Nachbargemeinden etliche Bürger aufgeschreckt hat. In Wülflingen hat ein Bürger zur Kamera gegriffen und die Situation, die sich ihm auf den anderen Mainseite bot, mit Teleobjektiv fotografiert: Auf seinem Bild (auf dieser Seite) ist halbwegs deutlich zu erkennen, wie zwei weiß-graue Emissionssäulen aus den Schloten steigen und Richtung Haßfurt ziehen.

Der Wonfurter Gemeinderat Karl Hellwig, selbst Zeuge des Vorfalls, erläuterte am Donnerstag, was den Vorfall besonders brisant macht: Aus besagten Abluftkaminen dürfte nie etwas Sichtbares austreten. Eingebaute Luftfilter müssten zuverlässig verhindern, dass es zu Austritten kommt. Er vermutet, dass es sich dabei um keine Rauch-, sondern um Staubwolken handelte, in der Menge von mehreren Kilogramm. Wegen Staubverfrachtungen steht das Recyclingunternehmen seit einem Jahr in heftiger Kritik. Anwohner und die Bürgerinitiative (BI) „Lebenswertes Wonfurt“ werfen Loacker vor, seit Jahren Giftstoffe auszustoßen.

Nach Angaben von Hellwig, der am Mittwochabend neben Vertretern der BI und Anwohnern selbst bei Loacker vor Ort, konnte der zuständige Betriebsleiter den beobachteten Ausstoß der grau-weißen Schwaden nicht erklären. Im Betrieb hätten keine Warnsensoren eine Störung angezeigt, hätte dieser erklärt. In der Konzernzentrale von Loacker war am Donnerstag zu erfahren, dass es sich definitiv um keinen Staubaustritt gehandelt habe: „Die Anlagen liefen ganz normal“, sagte Deutschland-Verantwortlicher Gerhard Nettinger. Es seien zu diesem Zeitpunkt auch keine Filter gereinigt worden, wobei Ablagerungen hätten aufgewirbelt werden können.

Ausstoß aus Loacker-Abluftkamin - Am Mittwochabend, 18. Juli 2012, sind laut Augenzeugenberichten ist etwa eine halbe Stunde lang Rauch bzw. Staub aus den beiden Abluftkaminen auf dem Hallendach des Recyclingbetriebs Loacker in Wonfurt (Lkr. Haßberge) aufgestiegen. Auf dem Video ist der Austritt zu sehen.

„Es muss Rauch gewesen sein, der kurzzeitig aufgestiegen ist“, beharrte Nettinger, trotz des Hinweises, dass mehrere Augenzeugen die aufsteigenden Schwaden eine gute halbe Stunde lang beobachtet haben. Nettingers Erklärung: Eventuell habe sich in einer Schrottmühle Material gestaut und erhitzt, was zu Qualm geführt habe. Die Mitarbeiter seien erst auf den Vorfall aufmerksam geworden, als die Feuerwehr vor der Tür stand.

Warum die Was-auch-immer-Schwaden laut Zeugen just in dem Moment abgerissen sein sollen, als in Wonfurt die Feuerwehrsirenen heulten, wusste Nettinger nicht zu begründen. Die Feuerwehr überprüfte nach Nettingers Angaben den Abluftkamin und stellte dort eine Temperatur von 40 Grad fest, was völlig normal sei.

„Die Feuerwehr ging von einem Fehlalarm aus.“ Am Donnerstag hätten Mitarbeiter die Schrottmühle geöffnet und im Innern ebenfalls keine Spuren, wie Ruß, festgestellt, die auf ein Feuer hingedeutet hätten. Nach Auskunft von Kreisbrandrat Ralf Dressel waren die Feuerwehren aus Wonfurt, Steinsfeld und Haßfurt am Mittwochabend zu Loacker ausgerückt. Ein Bürger hatte bei der Polizei in Haßfurt angerufen, die Alarm ausgelöst hat. Er bestätigt: „Wir haben bei Loacker keine Anzeichen für einen Brand festgestellt.“ Auch die Brandmeldeanlage sei nicht – wie bei den Schwelbränden in der Vergangenheit – angesprungen.

Das Landratsamt Haßberge war noch am Mittwochabend von Bürgern auf den Vorfall aufmerksam gemacht worden, per E-Mail, die auch Bilder von den aufsteigenden Schwaden enthielten.

Dies bestätigte stellvertretender Pressesprecher Thomas Albert. Am Mittwoch um 17 Uhr, so berichtet er, sei noch ein Mitarbeiter der Behörde bei Loacker gewesen, der nichts Auffälliges festgestellt hat. Was kurze Zeit später zu den sichtbaren Emissionen geführt hat, sei noch unklar, werde jedoch vom Landratsamt untersucht. Sobald ein Ergebnis vorliegt, werde dieses bekannt gegeben, versprach Albert.

BI-Sprecher Peter Werner sieht mit dem neuerlichen Vorfall bestätigt, was die BI seit langem vermutet: Aus den Abluftkaminen bei Loacker treten regelmäßig Stäube aus und die eingebauten Luftfilter reichen nicht aus. Ratsmitglied Hellwig forderte Loacker auf, dem Wonfurter Gemeinderat in dessen Sitzung am Montag, 23. Juli, den Vorfall zu erklären. Er werde in der Sitzung fordern, den Betrieb zu schließen, bis alles geklärt und der Betrieb eingehaust ist.

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