LAS VEGAS/BREITBRUNN

Größtes Rockabilly-Festival: Marc Valentine rockt Las Vegas

Beim dreitätigen Rockabilly-Festival „Let?s Get Wild” in Ebelsbach im vergangenen Jahr stand Marc Valentine aus Breitbrunn als Moderator auf und als Backstagemanager hinter der Bühne. Foto: René Ruprecht

Am Donnerstag hat die 21. Auflage des weltgrößten Rockabilly-Festivals „Viva Las Vegas“ (VLV) in der Wüste von Nevada begonnen. Bis in die frühen Montagsstunden stehen an vier Tagen im Casinohotel „The Orleans“ in Las Vegas Burlesque- und Vintage-Fashion-Shows, Tanz- und Pin-Up-Wettbewerbe (Jiving), Poolpartys sowie die „Massive Car Show“ mit Oldtimern der Baujahre bis 1964 auf dem Programm. Vor allem aber legen unzählige DJs originale Schallplatten der 50er und 60er Jahre auf und über 100 Bands aus aller Welt lassen es krachen.

Zu dem besonderen Rock?n'Roll-Event in die „Stadt der Sünde“ kommen über 30 000 Besucher aus allen Kontinenten. Mittendrin statt nur dabei ist der 28-jähriger Marc Valentine aus Breitbrunn. Der in der weltweiten Rockabilly-Szene bekannte Sänger von „Marc & the Wild Ones“ aus Kirchlauter steht auf der Bühne am Mikrofon sowie mit seinen Vinyls und Kopfhörer als DJ an den Plattentellern.

„Ich war auf fast jedem großen Festival in Europa, aber das ist einfach nicht zu vergleichen. Es ist so anders, in so vielen Arten. Nirgendwo spielen so viele Bands, vor allem die größten Bands der Szene wie auch Altstars, wie Little Richard und Chuck Berry. Die Größenordnung ist überwältigend, die ist einzigartig in der Rockabillyszene.“

Marc war im vergangenen Jahr erstmals Gast bei der 20. Jubiläumsausgabe von VLV. Er sagt: „Es ist einfach nur genial, weil man neben vielen Bühnen und Tanzflächen Dutzende Restaurants und Supermärkte im Hotel hat. Man muss quasi nicht raus gehen. Auch für die Mädels, die sich mehrmals am Tag umziehen, ist es ein Riesenvorteil, einfach in den Aufzug zu steigen.“

Zweisprachig aufgewachsen

Marc kam am 31. Oktober 1989 im US-Militärkrankenhaus Heidelberg zur Welt. Seine Mutter Manuela (geborene Schramm) aus Breitbrunn lernte in einer Schweinfurter Diskothek seinen Vater James kennen. Zwei Jahre nach der Geburt zog Familie Valentine in den US-Bundesstaat North Carolina, weil Marcs Vater dort stationiert wurde. Ein Jahr später kam Bruder Kevin zur Welt. Beide Söhne wuchsen zweisprachig auf und besitzen die doppelte Staatsbürgerschaft. 1994 kehrte die fränkisch-amerikanische Familie in die Haßberge zurück, Mutter Manuela hatte Heimweh.

Für Marcs Vater war es kein Problem, er verließ das Militär und musste und wollte, um eine Arbeit in seiner neuen Heimat zu finden, die deutsche Sprache lernen. „Ich kann immer noch sehr gut Englisch sprechen, aber es ist ein wenig schade, dass mein Vater Deutsch sprechen musste, weil sonst könnte ich die Sprache mehr als perfekt.“ Für Marc ist Familie das Wichtigste im Leben. Mit seiner Freundin Ana aus Portugal, auch Sängerin, ging 2015 ein Traum in Erfüllung, Sohn Dean kam zur Welt.

Den ersten Kontakt zur Rock?n'Roll-Musik verdankt der „amerikanische Franke“ seinem Opa James Gordon Valentine, der Johnny Cash liebte und modernen Country von Garth Brooks und vom Duo „Brooks and Dunn“. Sein Dad hörte ACDC und Ossy Osborne. Wenn nicht „gerade irgendwelche Batman-Cartoons im TV gelaufen sind, dann lief eben Country und Rock auf der Anlage“, sagt der Breitbrunner.

Marc selbst hörte in seiner Jugend New Metal von „Linkin Park“ und „The Offspring“. Mit 14 Jahren begann Marc – „just for Fun“ – als Sänger in der Neubrunner Punkrockband „Potatoes“ zu spielen. Wenige Jahre später ergänzte Marc als zweiter Sänger die Neubrunner Punkband „Fuckin Chords“.

Marc glaubt spätestens seit dem 12. August 2009 an ein Leben nach dem Tod. Während einer Bandprobe erhielt Marc durch einen Kurzschluss einen extremen Elektroschock und verlor das Bewusstsein: „Ich kann mich an gut zwei Wochen, die ich davor erlebt habe, kaum erinnern. Für mich war die Bewusstlosigkeit wie ein jahrelanger Traum, in dem mein amerikanischer Opa erschien.“

Bandcontest in Belgien

In seiner bis dato vorletzten Band aus Kirchlauter, „Psycho City Suckers“, die der Richtung Neo-Rockabilly um die Vorbilder „Tiger Army“ und „Stray Cats“ zuzuordnen ist, stand Marc am Mikrofon. Seine aktuelle Rockabilly-Band „Marc & the Wild Ones“ wurde im Jahr 2010 geboren. Ein gewonnener Bandcontest in Belgien bestätigte die Rockabilly-Umorientierung.

Auslöser war eine CD von Omar Romera aus den USA, der vergangenes Jahr auf dem Festival „Get Rhythm Go Wild“ in Ebelsbach gespielt hat: „Dieser Punkrock gemischt mit authentischer 50er-Jahre-Mucke hat mich einfach nur zum Staunen gebracht, die ich in der Art machen wollte“. Es folgte das erste Album mit überwiegend eigenen Songs, und von da an begann Marcs Interesse, Platten aus den 50ern und 60ern zu sammeln und sie aufzulegen. „Mich hat schon immer der Sound von Schallplatten dank meines Vaters und Opas fasziniert. Und die DJ-Musik auf all den Partys und Festivals fand ich schon immer cool.“ Wie wie viel seine teuerste Single gekostet hat, möchte Marc nicht verraten, weil „wenn es mein Vater oder meine Freundin liest, dann gibt es sicherlich viel Ärger“, sagt der lächelnde Sammler.

„Ich freue mich auf meinen Auftritt und auf das Auflegen in Vegas“, sagt er. Für das mehrmalige Auflegen hat Marc circa 180 Singles im Gepäck. Außerdem hofft er, dass er „den Leuten eine schöne Zeit bescheren kann“. Der Allrounder kündigt auch als Moderator auf Festivals Bands an und betreut als Backstagemanager seine Musikerkollegen.

Höhepunkte beim VLV sind für Marc die Auftritte der Altstars Jerry Lee Lewis und Duane Eddy sowie von seinem früheren Vorbild, „Stray Cats“. Nicht zu vergessen der Gig von „Hot Boogie Chillun“ mit Sänger und Gründungsmitglied Sascha Vollmer aus Deutschland, der nach 13 Jahren Pause wegen seiner Neugründung von „The Boss Hoss“ eine exklusive Show in den USA bietet: „Hot Boogie Chillun hat uns vor allem beim Songschreiben besonders inspiriert. Ich glaube, dass acht von zehn Zuhörer nicht wissen, dass Sänger Sascha ein Sänger von The Boss Hoss ist.“

Burritos und Naschereien

Ein nicht musikalisches Highlight ist für Marc die amerikanische und mexikanische Küche, mit zahlreichen Burger- und Burrito-Variationen sowie die süße Schlemmerkost in den USA. Da „wird sich die Waage in Franken wieder sehr freuen.“

Nanu, Telefonhörer statt Kopfhörer? Ja, das ist in der Rockabillyszene üblich. Foto: René Ruprecht
Kleine und große Kostbarkeiten in Form von schwarzen Scheiben mit einem Loch in der Mitte: Eine originale Single aus der Sammlung von DJ Marc Valentine. Foto: René Ruprecht

Schlagworte

  • Kirchlauter
  • René Ruprecht
  • AC/DC
  • Burlesque
  • Chuck Berry
  • Doppelte Staatsbürgerschaft
  • Duane Eddy
  • Jerry Lee Lewis
  • Johnny Cash
  • Kunst- und Kulturfestivals
  • Linkin Park
  • Little Richard
  • Mexikanische Küche
  • Nu Metal
  • Punkrock-Gruppen
  • Religiöse Verfehlungen und Sünden
  • Schallplatten
  • Träume
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!