Bamberg

Großes Saubermachen im Bamberger Dom

Ulrich Först, Leiter der Dombauhütte, erklärt, warum das Hauptschiff des Domes eingerüstet ist. Foto: Marion Krüger-Hundrup

Renovierung: Derzeit ist das Hauptschiff der Bamberger Kathedrale eingerüstet. Trotzdem bleibt sie für (Gottesdienst-) Besucher geöffnet, die eingeschränkte Sicht und gestörte Ästhetik in Kauf nehmen müssen. Es hätte auch ganz anders kommen können für die vielen Besucher, die in den Bamberger Dom strömen, in das Zentrum des Weltkulturerbes. Ihnen hätte es nämlich so ergehen können wie den Eichstättern: Deren Kathedrale bleibt wegen umfassender Sanierungsmaßnahmen für zwei Jahre komplett geschlossen.

„Es war unser Hauptanliegen, den Dom nicht zu schließen“, sagt denn auch Domkapitular Norbert Jung, der summus custos der Bamberger Bischofskirche gegenüber dieser Redaktion. Das Metropolitankapitel als Eigentümer des Domes habe die jetzigen Renovierungsarbeiten bewusst in der touristenarmen Jahreszeit in Auftrag gegeben. Und sei dankbar, dass die Fachleute „powern, um das Hauptschiff so schnell wie möglich freizubekommen“.

Imposant sieht das Stahlgerüst schon aus, das sich vom Kaisergrab bis zur Orgel erstreckt. Siebentausend Kubikmeter misst der eingerüstete Raum zwischen zwei Jochen: „Das entspricht sieben Einfamilienhäusern“, macht Jürgen König die Dimension dieser Maßnahme deutlich.

Der Leitende Baudirektor des Staatlichen Bauamts Bamberg, das für den Freistaat Bayern die Baulast für die Gebäudehülle des Domes trägt, rückt die laufenden Arbeiten ins rechte Licht: „Wir sind in Prophylaxe und nicht Schäden hinterher.“ So seien nicht etwa Putzbrocken vom Gewölbe gefallen wie in der St. Michaels-Kirche. Doch die „kontinuierliche Betreuung und Sicherung eines einmaligen Bauwerks ist eine Herausforderung“, weiß Jürgen König nur zu gut. Dabei packt ihn „Ehrfurcht vor dem sakralen Raum“, in dem Gottesdienste gefeiert werden und in dem Jesus Christus einen Wirkungsort hat.

Ulrich Först, Leiter der Staatlichen Dombauhütte, nickt zustimmend. Der Fachmann, der nach eigenen Worten jeden Stein des Domes kennt, spricht auch von Respekt, den er vor der Bauleistung und Handwerkskunst der früheren Kollegen empfindet. Und Hüttenmeister Först berichtet von den derzeitigen Arbeiten, die dem Unterhalt und dem Erhalt der Substanz dienen.

So werden nun die Wandflächen von Heizungsstaub, Kerzenruß, Spinnweben befreit. Das geschieht mit einem fein dosierten Staubsauger, während filigrane Bereiche mit Pinsel und Reinigungsschwämmchen gesäubert werden. Dabei kommen auch hohl liegende Putzstellen zur Nachbesserung: „Die Gewölbeflächen werden nächste Woche engmaschig abgeklopft“, erklärt Ulrich Först das Procedere.

„Es war unser Hauptanliegen, den Dom nicht zu schließen.“
Norbert Jung, Domkapitular

Jürgen König, der Dombauhüttenmeister und Christoph Rohde, Sachgebietsleiter im Bauamt, sind sich darüber im Klaren, dass zu diesem Zeitpunkt keine endgültige Voraussage über die Verweildauer des Gerüstes möglich ist: „Wir wissen nicht, was uns an der Decke erwartet.“ Auf jeden Fall werde „so zügig wie möglich in zwei Schichten bis 21 Uhr gearbeitet“, bringen die drei Männer die Herausforderung auf den Punkt. Und die lautet, bei „laufendem Betrieb bis zum großen Konzert am 25. März die Orgel frei von Gerüsten zu bekommen“. Dann solle auch der jetzt eingehauste „Bamberger Reiter“ von seiner Schutzhülle befreit werden. Und zu den feierlichen Ostergottesdiensten werde es auch wieder mehr Besucherplätze geben, deren Sicht nicht mehr eingeschränkt ist.

Das Gerüst wird dann weiter wandern zur Altarinsel. „Dieses Jahr werden wir dort fertig“, versichert Ulrich Först, verweist aber noch auf die Apsis im Westchor, die ebenfalls an die Reihe kommen soll.

„Es wird auch künftig keine Phasen ohne Gerüst am Dom geben“, prophezeit Bauamtsdirektor König. Die meisten Bamberger kennen „ihren“ Dom schon jetzt nur mit eingerüsteten Türmen. Und in den vergangenen Jahren waren die „traditionellen und modernen Arbeitsverfahren“ in den Seitenschiffen, in der Vierung und im Ostchor augenfällig. Dabei wurde auch die gesamte Elektrik und Beleuchtung erneuert.

Für die Innenmaßnahmen, die keinen denkmalpflegerischen Aufwand bedeuten, muss das Erzbistum Bamberg die Kostenpflicht übernehmen. Domkapitular Norbert Jung führt für die aktuellen Arbeiten inklusive Lichtkonzept rund zwei Millionen Euro an, die ausgegeben werden.

Drei Dome – ein Grundstein
Als Heinrich II. im Jahr 1007 die Gründung des Bistums Bamberg erreichte, war der Grundstein für den Dom bereits gelegt. Bis zur Fertigstellung der Mutterkirche für das neue Bistum dauerte es bis 1012: Am 6. Mai wurde der Heinrichs-Dom geweiht. 1081 beschädigte ein Brand diese dreischiffige Säulenbasilika. Erst unter Bischof Otto I. (1102-1139) gelang eine umfangreiche Erneuerung. Doch auch der Otto-Dom wurde durch Feuer verwüstet. Unter Bischof Ekbert von Andechs-Meranien (1203-1237) entstand ein Neubau mit größeren Ausmaßen: der heutige Dom. An den ursprünglichen, vor über 1000 Jahren geweihten Dom erinnert nur noch Weniges, vor allem die Reste der ehemaligen Westkrypta in der heutigen Bischofsgrablege.
Im Staatlichen Bauamt Bamberg (von links): Christoph Rohde, Ulrich Först und Jürgen König erkunden einen Grundriss des Domes. Foto: Marion Krüger-Hundrup

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