Guten Morgen: Aschenkreuz und Kaufrausch

Guten Morgen: Aschenkreuz und Kaufrausch       -  _

Willkommen in der Fastenzeit, die heuer kurioserweise mit dem Valentinstag beginnt. Der Tag der Verliebten und Liebenden fällt auf Aschermittwoch. Da kommt einem das uralte Karnevalslied (es feiert heuer 65. Geburtstag) von Jupp Schmitz und Hans Jonen in den Sinn: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei, die Schwüre von Treue sie brechen entzwei. Von all deinen Küssen darf ich nichts mehr wissen. Wie schön es auch sei dann ist alles vorbei.“

Aber so schlimm muss es nicht kommen, die wahre Liebe darf und soll selbstverständlich auch die kommenden Wochen der Entbehrungen überstehen – sofern die Menschen überhaupt Verzicht üben können oder wollen.

Die Fastenzeit: Sie ist für Christen die vierzigtägige Vorbereitung auf das Hochfest Ostern. Nach christlicher Überzeugung gelingt diese Konzentration auf Tod und Auferstehung Jesu am besten durch Fasten und Beten. Wobei – wie Geistliche betonen – das Fasten nicht aufs Essen beschränkt ist.

Vielmehr gilt der Oberbegriff „bewusster Verzicht“ zum Beispiel auch für Computerspiele, Rauchen oder Autofahren – mithin überall, wo es durchaus angeraten ist, die eigenen Gewohnheiten kritisch zu hinterfragen und auszuprobieren: Geht es auch ohne oder zumindest mit weniger?

Auch wer nicht an Gott oder die Kirche glaubt, entdeckt in der Forderung nach (vorübergehender) Bescheidenheit den reizvollen Widerspruch zu unserer Konsumwelt. Auf der einen Seite die Werbung, die uns täglich eintrichtert, dass für uns nichts zu schade ist und wir doch bloß keinen Verzicht üben sollen. Wozu morgen kaufen, was ich heute genießen kann? Das Leben – ein Kaufrausch! Auf der anderen Seite der Ruf nach Mäßigung. Dieser Widerspruch verdichtet sich herrlich im Valentins-Aschermittwoch: Die Asche ist Sinnbild der Buße und der Demut, der Tag der Liebe in den Augen vieler hingegen Symbol für blanken Konsumterror, sprich Kaufzwang. Dieses Paradoxon muss ein jeder für sich selbst auflösen.

Ob der einzelne nun Verzicht übt oder nicht – am Ende der Fastenzeit wäre es ein Gewinn für uns alle, wenn es wieder viel mehr Menschen erkannt hätten, in welcher Luxus- und Überflussgesellschaft wir doch leben.

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