HAßFURT

Guten Morgen: Eine weitere Peinlichkeit

Ein Botschafter ist ein Diplomat. Eigentlich sagt schon diese Bezeichnung, dass jemand, der diesen Posten übernimmt, ein gewisses Gespür für Diplomatie haben sollte. Klar, wenn ein Land einen neuen Botschafter entsendet, dann ist das üblicherweise ein Parteifreund oder Gesinnungsgenosse des Regierungschefs. Doch er hat üblicherweise nicht die Aufgabe, an seinem Bestimmungsort Parteipolitik zu machen und sich in innere Angelegenheiten seines Gastlandes einzumischen. Vielmehr sollte er dazu beitragen, zwischen seinem Heimatland und dem Land, in dem er sich aufhält, zu vermitteln. Vor allem sollte er, wenn die Auffassungen von Politik in den beiden Ländern auseinandergehen, bei seinen Gastgebern für Verständnis für seine Heimat werben.

So weit die Theorie. In der Praxis gelingt das dem einen besser, dem anderen schlechter. Aber wundert es noch irgendjemanden, dass ausgerechnet der Vertreter, den die US-Regierung unter Präsident Donald Trump nach Deutschland geschickt hat, das perfekte Beispiel dafür ist, wie Diplomatie nicht funktionieren sollte? Nicht nur, dass sich Trump, seit er im Amt ist, fast überall auf der Welt aufführt wie ein Elefant im Porzellanladen; wer dem Präsidenten zu vernünftig, zu diplomatisch, zu wenig radikal ist, der muss gehen.

Dabei haben andere, wesentlich vernünftigere Politiker als Trump vorgemacht, wie es funktionieren kann. Sein Vorgänger Barack Obama suchte immer auch den Ausgleich mit dem politischen Gegner. Trumps parteiinterner Gegner John McCain hatte nach seiner eigenen Wahlniederlage gegen Obama seine Anhänger aufgefordert, nun den gewählten Präsidenten zu unterstützen. Und auch Angela Merkel hat nach der letzten Bundestagswahl Größe bewiesen, als sie sich parteiinterne Gegner als Minister in die Regierung holte.

Trump dagegen will überall kleine Trumps sitzen haben: Nach Möglichkeit genauso extrem in ihren Ansichten und genauso laut und polternd wie er. Egal, ob ein solches Benehmen ihre Aufgabe ist oder nicht. Und so gelang es auch Richard Grenell, dem neue US-Botschafter in Deutschland, schon nach kürzester Zeit, für Kopfschütteln zu sorgen: Er gab der rechtspopulistischen Plattform „Breitbart“ ein Interview, in dem er sagte, er wolle die konservativen Kräfte in Europa stärken.

Ein US-Botschafter in Europa will also in die europäische Politik eingreifen und sie im Sinne seines Dienstherren beeinflussen? Dafür bekam Grenell eine ganze Menge berechtigte Kritik von deutschen Politikern. Besonders hart formulierte es SPD-Politiker Martin Schulz. „Grenell benimmt sich nicht wie ein Diplomat, sondern wie ein rechtsextremer Kolonialoffizier“, zitiert die Deutsche Presseagentur den ehemaligen Kanzlerkandidaten.

Dem Verständnis zwischen den Nationen schadet Grenells Verhalten. Damit passt er recht gut ins Umfeld von Donald Trump. Wohin er damit allerdings nicht passt, ist eine Botschaft. Schon gar nicht in Zeiten, in denen es eigentlich darauf ankäme, dass die verschiedenen Nationen zusammenarbeiten.

Eigentlich sollte die Welt aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben. Doch die letzte Generation, die den Zweiten Weltkrieg und seine Schrecken noch bewusst miterlebt hat, ist gerade am Aussterben. Mit ihr scheinen auch die Erinnerungen zu verblassen und die Warnungen zu verhallen, was passieren kann, wenn Länder immer mehr auf Konfrontationskurs gehen und wenn radikale Kräfte ein Land regieren. Der undiplomatische Diplomat Grenell ist ein weiteres Symptom dieser weltweiten traurigen Entwicklung. Und eine weitere Peinlichkeit der Trump-Regierung.

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