HASSFURT

Guten Morgen: Es geht um Menschenleben

Der „Fall Susanna“ sorgt für einige Kontroversen. Zunächst einmal grob die Fakten: Eine 14-Jährige wurde vergewaltigt und ermordet, ein 20-jähriger Flüchtling geriet unter Tatverdacht, mittlerweile hat er die Tat gestanden. Und wie schon bei den Ereignissen in der Silvesternacht 2015/16 in Köln zeigt sich an den Reaktionen: Moderate Stimmen gehen unter, während radikale Meinungen das Bild in der Öffentlichkeit prägen. Da sind auf der einen Seite die, die schreien: „Da seht ihr's! Wir hatten euch gewarnt.“ Oder auch einfach der allseits beliebte Spruch: „Danke, Merkel!“ Die AfD provoziert mit einer Schweigeminute für das Opfer – als ob Politiker für jeden Menschen im Bundestag aufstehen würden, der von einem deutschen Täter ermordet wird.

Auf der anderen Seite sind viele Menschen sehr schnell dabei, darauf hinzuweisen, dass es ja auch deutsche Verbrecher gibt. Deutsche Mörder, deutsche Vergewaltiger. Wer in diesem Zusammenhang die Frage aufwirft, ob das islamische Frauenbild doch eine Rolle spielt, gilt schnell als rechtslastig. Gut, genaugenommen gibt es kein „islamisches Frauenbild“, denn der Islam wird, wie viele andere Religionen auch, von verschiedenen Gläubigen sehr unterschiedlich ausgelegt. Eine von allen Muslimen anerkannte Person, die eine Deutungshoheit über den Koran hat, gibt es nicht. Dennoch wäre es falsch, nicht auch einmal einen kritischen Blick auf die Haltung der Asylbewerber zu den Menschenrechten zu werfen. Sie mögen nichts dafür können, dass sie aus Ländern kommen, in denen manche Menschenrechte noch nicht so selbstverständlich sind wie in Westeuropa – von der Akzeptanz gegenüber Anders- und Ungläubigen über die Akzeptanz von Homosexualität bis hin zur Gleichberechtigung von Mann und Frau. Wir sollten sie auch nicht dafür bestrafen, wo sie herkommen und mit welcher Erziehung sie aufgewachsen sind. Aber wir sollten hinschauen, Fragen stellen und Menschenrechtsverletzungen nicht entschuldigen.

Leider ist es kaum noch möglich, die Situation differenziert zu betrachten. Es scheint fast, es gebe es eine Seite, die eine „rosarote Brille“ aufgesetzt hat, nicht akzeptiert, dass auch unter den Flüchtlingen nicht jeder ein guter Mensch ist und jeden, der kritische Fragen stellt, in eine rechte Ecke stellt. Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die eine „braune Brille“ tragen und in jedem Verbrechen, das von einem Flüchtling begangen wird, einen Grund für die Ablehnung sämtlicher Asylbewerber sehen – selbst derer, die gut integriert sind, die Werte der Menschlichkeit hoch halten, arbeiten wollen und selbst vor der radikalen Religionsausübung geflüchtet sind, mit der sie nun in einen Topf geworfen werden.

Vielleicht haben auch wir Journalisten nicht immer alles richtig gemacht. Sicher wäre es ein Fehler gewesen, AfD und Pegida nach dem Mund zu schreiben, aber vielleicht haben wir auch ein bisschen Vertrauen verspielt, indem wir moderate, reflektierte und begründete Islamkritik zu lange nicht beachtet haben – aus Angst, Applaus von der falschen Seite zu bekommen und ausgerechnet die Kräfte zu stärken, die wir selbst für gefährlich halten.

Vielleicht sollten wir uns grundsätzlich auf ein paar Punkte einigen: Wenn ein Mitglied einer Gruppe eine Straftat begeht, ist das kein Grund für ein Urteil gegen die ganze Gruppe. Wenn mehrere Mitglieder der gleichen Gruppe die gleiche Straftat begehen, muss es erlaubt sein, Zusammenhänge zu untersuchen, ohne als Feind dieser Gruppe abgestempelt zu werden. Lasst uns alle mal auf die Bremse treten und Fakten über Gefühle stellen – zumindest, wenn Menschenleben davon abhängen!

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