Haßfurt

Guten Morgen: Nikolaus Datenklaus

Der Datenschutz treibt immer skurrilere Blüten. Wer für Kinder den Nikolaus spielt, muss erst mal eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. Geht das zu weit?

Der Liebe Gott sieht alles. Und alles, was der Liebe Gott und seine Engel sehen, steht am Nikolaustag in einem goldenen Buch. Aus diesem kann dann der berühmte Bischof, wenn er die Kinder besucht, vorlesen, was sie in diesem Jahr richtig oder falsch gemacht haben.

Der Nikolaus, beziehungsweise jedes seiner tausend Doubles, die jedes Jahr zum 6. Dezember unterwegs sind, weiß also alles über die Kleinen. Das Problem ist nur: Die Nikoläuse dürfen das, was sie wissen, eigentlich gar nicht wissen - zumindest, wenn es nach den Datenschutzgesetzen geht.

Nur so erklärt sich wohl die Verpflichtungserklärung, die ein ehrenamtlicher Caritas-Mitarbeiter (dessen Namen wir selbstverständlich aus Datenschutzgründen nicht nennen) nun unterschreiben soll. In zwei Kindergärten (die wir natürlich ebenfalls aus Datenschutzgründen nicht nennen) tritt er als heiliger Nikolaus auf. Deshalb soll er nun im Voraus unterschreiben, dass er sich verpflichtet, "alle personenbezogenen Angaben, die ich aufgrund meines Ehrenamtes erhalte oder die mir im Zusammenhang mit meinem Ehrenamt zur Kenntnis gelangen", vertraulich zu behandeln. Und zwar nicht nur nach Beendigung seiner Tätigkeit, sondern bereits währenddessen.

Nun gut, dass der nette Onkel, der im Kindergarten den Nikolaus gespielt hat, nicht am nächsten Tag im Dorf rumrennen sollte, um zu verkünden, dass der kleine Markus die Mädchen immer an den Haaren zieht und die kleine Angie sich im Auto nicht anschnallen will, versteht sich irgendwie von selbst. Aber wie soll das bitte während der Tätigkeit funktionieren? Das würde ja heißen, dass St. Nikolaus nicht vor den anderen Kindern oder den Kindergärtnerinnen, Kindergärtnern und Kindergärtnerinnineusen sämtlicher Geschlechter (wir wollen ja politisch Korrekt bleiben) das Sündenregister der Kleinen verlesen darf.

Muss sich der Bischof mit dem Rauschebart also mit jedem Kind zu einem Privatgespräch in einen Schallschutzraum zurückziehen? In dem Fall würde wohl bald eine andere Behörde vor der Tür stehen und Sorgen anmelden, die weit schlimmer wären als dass Klein-Eva erfahren könnte, dass Klein-Martin seinen Teller nicht leer isst.

Oder müssen die Kinder vielleicht bald vor dem Nikolausbesuch eine Nummer ziehen? Man stelle sich vor, wie St. Nikolaus feierlich verliest: "21 sitzt so still in seiner Ecke, 22 klaut allen anderen die Stifte, 23 reißt dreckige Witze, 25 und 26 mobben 27, 27 mobbt zurück und 29 nervt mit seinen besserwisserischen Sprüchen." Na, verwirrt? Tja, so ist der Advent 2018. Schöne Bescherung, DSGVO.

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