HAßFURT

Guten Morgen: Warten wir erst einmal ab!

Noch ist sie gar nicht Staatsministerin für Digitales im Kanzleramt, doch bereits jetzt hagelt es in sozialen Netzwerken bissige Kommentare gegen Dorothee Bär. Da sieht sich gar mancher Kritiker gemüßigt, der Ebelsbacher CSU-Politikerin jegliche fachliche und politische Kompetenz abzusprechen. Oder aber ihr Ressort – Ministerin ohne Ministerium – als zahnlos hinzustellen.

Erste Umfragen...

„Spiegel online“ hat bereits am Dienstag eine Umfrage gestartet: „Wird Dorothee Bär die Digitalisierung Deutschlands voranbringen?“ Am frühen Abend hatten an die 4000 User geantwortet. Rund zwei Drittel der Teilnehmer waren der Meinung: Nein, dazu hat sie als Staatsministerin zu wenig Einfluss.

Da fragt man sich: Gab es nicht mal die 100-Tage-im-Amt-Regelung, die besagt, dass ein Mandatsträger das erste Vierteljahr vor heftigem Beschuss verschont bleibt, damit er in Ruhe in eben dieses Amt finden und selbigem einen ersten Profilschliff geben kann? In diesem Falle nicht, kontern Bärs Kritiker: Erstens gilt die Zurückhaltung nur für die politische Konkurrenz und die Medien. Und zweitens: Wer als Staatssekretärin das schnelle Internet und den Breitbandausbau nicht entscheidend vorangebracht hat, werde das als Digitalministerin auch nicht schaffen. Wer Bär verteidigt, argumentiert mit der mickrigen Ausstattung, die das Verkehrsministerium bis dato für das Thema Bits und Bytes hatte und dem Kuddelmuddel, das die Länder mit ihren unterschiedlichen Vorstellungen angerichtet haben.

Junge Frau und alte Männer

Vor allem aber dürfte Dorothee Bär damit zu kämpfen gehabt haben, dass viele Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft noch immer nicht begriffen haben, welche Bedeutung das Zukunftsthema Digitalisierung für unser Land hat: Macher, die erstens in der Regel älter sind als die 39-Jährige und zweitens: Männer. (wie übrigens auch die meisten Kritiker im Netz). Und die allzu oft keine Lust hatten, sich von einer jungen Frau Nachhilfe beispielsweise in „Industrie 4.0“ geben zu lassen.

Ich erinnere mich an eine Konferenz zur Digitalisierung im ländlichen Raum, die Bär 2015 in Haßfurt einberufen hatte mit Wissenschaftlern und Vertretern etwa von Facebook und Twitter. Damals bewies die CSU-Politikerin, dass sie in Sachen Digitalisierung nicht nur am Puls der Zeit, sondern auch der mitteleuropäischen Winter(schlaf-)zeit weit voraus ist. Nur leider waren es viele Haßbergler nicht, gerade die Beteiligung der heimischen Wirtschaft war beschämend. Inzwischen dürfte auch die Bundeskanzlerin begriffen haben, dass sie sich am Erfolg der digitalen Transformation messen lassen muss. Daher ist zu erwarten, dass sie ihrer Staatsministerin, wenngleich kein eigenes Ministerium, so doch volle Unterstützung gewährt. Statt vorauseilende Kritik zu üben scheint es also angebracht, mit Geduld abzuwarten, wie Bär ihr Amt als Digitalministerin ausgestalten wird.

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