HOFHEIM

HCC-Fasching: Lehrstücke im guten Humor

Die Akteure des Hofheimer Karnevals verlegten ihre Gaudi in die Schule. Sketche, Tänze und Büttenreden verdienten Bestnoten.
„Hey was geht ab?“: Für ihren Showtanz „Auf dem Pausenhof ist was los“ erhielt die Jugendgarde tosenden Applaus. Foto: Ralf Naumann

Welcher Lehrerspruch fällt, wenn ein Schüler bei einer Abfrage rein gar nichts weiß? Richtig: „Setzen Sechs!“ Dieses Motto haben sich die Mitglieder beim Hofheimer Carnevalsclub (HCC) für ihre Prunksitzungen auserwählt. Dabei haben die aktiven und passiven Akteure im großen „Klassenzimmer“ im Haus des Gastes doch alles richtig gemacht: fetzige Tänze, Ohrwurm-Lieder, zweideutige Büttenreden, urkomische Mimik und Gestik verpackt in bestem Unterricht. Das Urteil war jedenfalls eindeutig: „Bitte hierbleiben, Note Eins mit Stern“.

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HCC Prunksitzung Teil 1

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Dieser Meinung waren nicht nur das Prinzenpaar Katharina I. und Andreas I. sowie Präsident Horst Dinkel von der seit Jahren befreundeten Schweinfurter Faschingsgesellschaft „Es-Ka-Ge“, oder Paul Brod (Gesellschaftspräsident), Michael Cramer (Sitzungspräsident) und weitere Gäste des Arnsteiner Karnevalvereins. Alle Narren waren begeistert vom ersten von insgesamt zwei außergewöhnlichen Schultagen des HCC. Präsident Jürgen „Homer“ Peter, diesmal als „HCD“ (Hofheimer Karnevaldirektor) im Einsatz, und, nach einer wohlverdienten Pause, Daniel Fischer vom Elferrat hatten als Schulleiter alles im Griff und gaben eine glänzende Figur ab. Ihre Schüler machten es ihnen allerdings leicht. Denn für alle Darbietungen kam nur das Urteil „sehr gut“ infrage.

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HCC Prunksitzung Teil 2

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Dass die Tanzgruppen, wie die Jugendgarde, die Große Garde oder die Männergarde, jährlich ihre Leistungen bringen und die „Erlaubnis zum Vorrücken“ haben, ist bekannt. Ebenso erledigte Funkenmariechen Ann-Katrin Heusinger ihren mit Spannung erwarteten Auftritt mit Bravour, sodass ihre „Privatlehrerin“, Trainerin Melanie Saal, keinen Grund zur Beanstandung hatte. Nicht zu vergessen die kleine Knöpfchengarde, die sich – noch bevor die erste Stunde begonnen hatte – schon wieder mit den Ferien beschäftigte. Auch die neue Hofheimer Sambagruppe „Bateria Caliente“ sorgte dank lautstarker Rhythmen für echte Sommer-Gefühle.

Deutschunterricht – voll korrekt

Die Prunksitzung hatte, was eine gute Lehranstalt betrifft, noch viel mehr zu bieten. Unter anderem leicht verständlichen Deutschunterricht für türkische Mitbürger. Das bewies die sprachgewandte Lehrerin Tanja Michalke ihren Schülern Orhan (Axel Klimach), Murat (Alex Welz), Gülay (Christina Mühl) und Hülya (Michaela Schobert) eindrucksvoll. Es heißt nämlich nicht „Ich bin der Orhan“, sondern „Alder, bin isch der Orhan“. Alles klar?

Wie sich ein guter Stundenplan im Jahr 2014 zusammensetzt, was er beinhalten muss und was nicht, zeigten kurz zuvor Carolin „Schakeline“ Neumeier, Kilian „Fritzchen“ Heusinger und Streberin Ann-Katrin Heusinger. Klassenlehrer Dominik Schüll war wegen der Leistungsbereitschaft der drei Vorzeigeschüler jedoch nicht begeistert. Zu guter Letzt gab's die bei vielen Schülern unbeliebte Elternsprechstunde. Lehrer Jürgen Peter alias Herr Recht konnte Herrn Goy (Alexander Bergmann) aber viel Interessantes über seinen nicht so hell erleuchteten Sohn Roy erzählen.

Ganz nach dem neuen Motto „Reden ist Silber, Singen ist Gold“ stellten die kleine Sandra Walter und ihr Klassenkamerad Christian Hömer reihenweise Fragen, teils ohne zu verschnaufen: „Warum ist der Kühlschrank kalt?“ und „Warum haben manche Pickel am Popo und ich im Gesicht?“. „Kinder wollen ja so viel wissen, fragen kann man nie genug, nur durch Fragen wird man klug“, freute sich ihr Lehrer Axel Neumeier. Dumm nur, dass er keinen blassen Schimmer hatte.

Apropos Singen: Neumeier und Hömer beschäftigten sich musikalisch mit den Vorzügen der Rasur bei einem Mann – nicht im Gesicht, sondern eine ganze Etage tiefer. Zusammen mit Sandra Walter und Arno Stretz unternahmen sie als „Prinzen“ einen Unterrichtsgang durchs schöne Hofheim. In Erinnerung blieben ihnen vor allem die zahlreichen Baustellen inklusive des Kreisels mit dem schönen Namen „Ei-Ring“. Was der Altbürgermeister wohl dazu sagt? Das jetzige Staatsoberhaupt – oder sollte es bei der offiziellen Begrüßung von Bürgermeister Wolfgang Borst doch Stadtoberhaupt heißen? – ließ sich die Chance nicht entgehen, und stieg in die Bütt. „Der Bürgermeister hier oben, der kommt doch bloß, um sich selbst zu loben“, bewies er bereits in seiner Einleitung Humor. „Wenn ihr das denkt, dann denkt ihr richtig. Denn wer hier oben steht – der nimmt sich meistens wichtig.“

Der Kommunalpolitiker ging selbstverständlich auf den (Kr)Eisel ein. Ebenso auf die Vereine, auf die Stadtratswahlen im März oder die „Megabaustelle“ Freibad, das jetzt zu einem Ganz-Jahres-Bad werden soll. Die Sache komme nun „langsam ins Lot, denn Landkreis, Regierung und Ministerium sitzen jetzt mit im Boot“, machte Borst deutlich und fügte hinzu: „Eine Vorzeigelösung für den Freistaat Bayern, das ist der Anspruch der Planung. Deshalb steht das Ministerium dahinter, und viele Leute mit Ahnung.“ Und was den Kanal betrifft, hätten sich Stadtrat, Verwaltung und er selbst eine Eins verdient. „1,3 Millionen sollte die Rechnung für unsere Bürger ausmachen, doch wir optimierten den Bauablauf und hatten deshalb gut lachen. 200 000 Euro konnten wird dadurch für unsere Bürger einsparen. Die Bescheide werden erträglich – darüber war man sich schnell im Klaren.“

Tolle Rede-Beiträge hatten noch BND-Agent Jörg Stein in seiner politischen Bütt sowie Oberstudienrätin Liselotte Kleinlich (Newcomerin Christina Mühl aus Rügheim) in der von Axel Neumeier verfassten Motto-Bütt. Natürlich war auch bei ihr der Kreisverkehr beziehungsweise der Ei-Konstrukteur eines der zahlreichen Themen. „Für ihn war es zu komplex. Deswegen: Setzen Sechs!“

Die Gastgruppen am Samstagabend, die beliebten und immer wieder brillanten „Dreamboys“ des Dramatischen Vereins aus Niederwerrn, sowie die Showtanzgruppe aus Arnstein mit einem Einblick in „Las Vegas“ sowie Sandra Walter, Axel Neumeier und Christian Hömer mit ihrer Starparade setzten dem Bilderbuch-Unterricht im Haus der Gastes letztlich das i-Tüpfelchen auf. Wie schön kann Schule doch sein . . .

Die Geehrten und Akteure

Bronzene HCC-Ehrennadel: Maike Höhn-Schüssler, Alina Michel, Isabella Hahn, Sophie Hümpfner, Calista Calhoun (alle Knöpfchengarde). HCC-Ehrennadel: Christina Scheb (fünf Jahre Jugendgarde). Silberne HCC-Ehrennadel: Anna Baumgärtner (zehn Jahre Große Garde). HCC-Verdienstorden: „Till von Franken“-Träger, Gesellschafts- und Ehrenpräsident Heinrich Brückner.

Sonstige Ehrung: Jürgen Peter (15 Jahre Männergarde).

Die Namen der Mitwirkenden:

Knöpfchengarde: Levin Baumeister, Nele Michalke, Anna Just, Alina Michel, Maike Höhn-Schüssler, Fabienne Schüll, Calista Calhoun, Isabella Hahn, Stefanie Lorenz, Leonie Heusel, Julie Richter, Klara Vincent, Johanna Wettengel, Sophie Hümpfner, Klara Krines und Sarah Götz. Trainerinnen: Tamara Baumeister, Sandra Simm und Christine Preu.

Jugendgarde: Helena Obermeyer, Ann-Katrin Heusinger, Marie Höfler, Carolin Neumeier, Lara Baumeister, Paul Michalke, Ronja Rubenbauer, Anne Höfler, Isabell Räpple, Luna Willner, Anna Rösch, Alena Hirschlein, Hannah Riemer, Robin Ott, Christina Scheb und Sina Hennig. Trainerinnen: Anna Baumgärtner und Katharina Hau.

Große Garde: Melanie Saal, Anna Baumgärtner, Cornelia Brandner, Katharina Hau, Lisa Hoh, Anna Hoh, Viktoria Kessel, Sophia Schmitt, Jennifer Saal, Michelle Hesse und Julia Obholz. Trainerinnen: Melanie Saal.

Männergarde: Richard Fischer, Alexander Luca, Stefan Hellfeier, Markus Hellfeier, Patrick Dauelsberg, Daniel Bulheller, Andreas Brandner, Maximilian Häfner, Jürgen Peter und Jose Angel Mendoza. Trainerinnen: Sophia Schmitt und Michaela Schobert.

Showtanz: Melanie Saal, Sophia Waller, Cornelia Brandner, Michelle Hesse, Julia Obholz, Christine Preu, Katharina Hau, Viktoria Kessel, Sophia Schmitt, Michaela Schobert, Tamara Baumeister, Anna Hoh, Lisa Hoh, Kathrin Schüll, Richard Fischer und Jose Angel Medoza. Trainer: Daniela Götz und Walter Schmitz.

Sketche: Carolin Neumeier, Dominik Schüll, Kilian Heusinger, Ann-Katrin Heusinger, Tanja Michalke, Alex Welz, Michaela Schobert, Christina Mühl, Axel Klimach, Jürgen Peter, Alexander Bergmann und Alexandra Neumeier.

Sambagruppe „Bateria Caliente“: Max Barthelmeß, Melanie Klauer, Melanie Saal, Waldemar Knaus, Toni Urbanski, Simon Wildanger, Dominik Schüll, Simon Hochrein und Marco Sennfelder. Leitung: Christian Sennfelder und Bastian Klauer.

ACDC lässt grüßen: Ronja Rubenbauer von der Jugendgarde beim Luftgitarren-Event auf dem Pausenhof.
Deutschunterricht: Für (von links) Orhan (Axel Klimach), Murat (Alex Welch), Gülay (Christina Mühl) und Hülya (Michaela Schobert) war der Sprachkurs für türkische Mitbürger ein voll Erfolg.

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