EBELSBACH

Hart, aber fair: Bär & Co. üben schon mal für Jamaika

Screenshot von der ARD-Sendung 'Hart aber fair' vom 25.09.2017; Dorothee Bär (CSU)
Screenshot von der ARD-Sendung "Hart aber fair" vom 25.09.2017; Dorothee Bär (CSU) Foto: Screenshot Hart aber fair

Jamaika soll es richten. Bei „Hart, aber fair“ begegneten sich die Vertreter von Union, FDP und Grünen am Montagabend schon mal sehr fair – und respektvoll. Wahlkampf-Rhetorik hatte während der Livesendung weitgehend ausgedient. Mit dabei die Unterfränkin Dorothee Bär. Die CSU-Politikerin vertrat die stärkste Fraktion eines möglichen schwarz-gelb-grünen Regierungsbündnisses.

Ob es dazu kommt, ist offen. Der Wille, es im Interesse des Landes miteinander zu versuchen, war indes deutlich spürbar. Neuwahlen seien keine Alternative, hieß es unisono. Bär betonte, dass es für Koalitionen auch Vertrauen zwischen den handelnden Personen bedarf. Zwischen ihr, dem Grünen Robert Habeck und dem Liberalen Alexander Graf Lambsdorff scheint es jedenfalls eine Gesprächsgrundlage zu geben.

Kritik an der SPD

Gleichzeitig kritisierte die Verkehrsstaatssekretärin die SPD, weil diese noch am Wahlabend jeglicher Sondierung eine Absage erteilte und in die Opposition will. Eine Entscheidung, für die SPD-Frau Katarina Barley, die Noch-Familienministerin, bei den anderen Gesprächsteilnehmern wie dem Politologen Werner Patzelt und Ex-ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender viel Verständnis erntete.

Niemand könne von der SPD verlangen, „politischen Selbstmord“ zu begehen, nur damit es eine Regierung gibt.

„Die gerupfte Kanzlerin“ hatte Moderator Frank Plasberg die Diskussionsrunde betitelt. Bär wehrte sich dagegen, die Wahlniederlage der Union an Angela Merkel oder Horst Seehofer festzumachen. Es gehe den Wählern um Inhalte, nicht um Personen. Die Probleme seien oft sehr individuell, etwa in sozialen Fragen, gab die Verkehrsstaatssekretärin zu bedenken. Darauf müsse sich die politische Kommunikation offenbar erst noch richtig einstellen. Habek ergänzte, Unbehagen mit der Flüchtlingspolitik sei für viele Menschen vielleicht der Auslöser gewesen, AfD zu wählen. Das Misstrauen gegen das politische System sitze aber tiefer. Es gelte, „politisch Heimatlose“, die sich nicht mehr gehört fühlen, wieder zurückzugewinnen. Keine leichte Aufgabe, war man sich einig.

Provokationen vermieden

Bär vermied es, No-Go's für eine Koalition zu formulieren, auch die umstrittene CSU-Forderung nach einer Obergrenze bei der Flüchtlingsaufnahme erwähnte sie nicht. Auch Lambsdorff und Habek, der in Schleswig-Holstein bereits mit einer Jamaika-Koalition regiert, verzichteten auf Provokationen. Allerdings war auch nur wenig von möglichen Kompromisslinien bei strittigen Themen wie Klimaschutz, innerer Sicherheit oder einem Einwanderungsgesetz zu hören. Es werden „harte Gespräche“, prophezeite FDP-Mann Lambsdorff.

Einig waren sich die Noch-Koalitionäre Bär und Barley in ihrer Kritik an den Medien, allen voran am öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Journalisten hätten die AfD erst „groß“ gemacht, weil sie jede Provokation ihrer Protagonisten zum Thema einer Talkshow gemacht hätten statt mehr über Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Bildung oder Rente zu reden. Bär warf den Sendern vor, AfD-Politiker einzuladen, um höhere Einschaltquoten zu erzielen. Plasberg und Brender wiesen dies als „Quatsch“ zurück. Man müsse über Themen wie Flüchtlinge Islam und die Ängste der Menschen reden, weil sie viele beschäftigen. Täte man dies nicht, „würde man uns ein Schweigekartell vorwerfen“, so Brender.

Am Ende sollten die Diskussionsteilnehmer ein Wort an die Wähler richten. Politologe Patzelt warb dafür, sich für die Meinungsbildung in der Politik wenigstens soviel Zeit wie für den Autokauf zu nehmen. Dorothee Bär zitierte den Sozialdemokraten Friedrich Ebert: „Demokratie braucht Demokraten.“

Rückblick

  1. Das große Scheitern
  2. Ernst wird es, wenn Steinmeier die Kanzlerwahl startet
  3. Trauma von 2013 wirkt noch nach
  4. Mit Schulz in mögliche Neuwahlen?
  5. CSU steht vor der Seehofer-Zerreißprobe
  6. Klaus Ernst (Die Linke): Für Neuwahlen und Plebiszite
  7. Bernd Rützel (SPD): Weiter Nein zu Schwarz-Rot
  8. Stamm: „Seehofer unverzichtbar“
  9. Bär: „Viel Arbeit für den Papierkorb“
  10. Rottmann: „Jamaika-Scheitern ist schlecht fürs Land“
  11. Unterfränkischer FDP-Chef: „Scheitern war nie auszuschließen“
  12. +++ LIVE +++: Wie geht es nach dem Jamaika-Aus weiter?
  13. Wenn es Mainfranken nach Jamaika zieht
  14. Bundestag so groß wie nie zuvor
  15. Protest gegen AfD-Wähler: Rentner reagiert gelassen auf Kommentare
  16. Ein Rentner schämt sich für die AfD-Wähler in seiner Stadt
  17. Bisherige AfD-Chefin Frauke Petry vollzieht Parteiaustritt
  18. Wer in der AfD-Fraktion sitzt
  19. MdB Hoffmann fordert Seehofer-Rücktritt
  20. Ein teurer, aufgeblähter Bundestag mit 709 Abgeordneten
  21. Frauke Petrys Abgang mit Ansage
  22. Seehofer: Rücktrittsforderungen auch in Unterfranken
  23. Bofinger: AfD-Wähler nicht vorrangig aus ärmsten Schichten
  24. Hart, aber fair: Bär & Co. üben schon mal für Jamaika
  25. Bremst Merkel ihren Einsatz für Europa?
  26. Frauke Petry sorgt für Eklat
  27. Standpunkt: Der AfD droht die Spaltung
  28. Vorsichtige Schritte in die Zukunft
  29. Die SPD leckt ihre Wunden
  30. Rücktrittsforderungen an Seehofer sind bisher nur Einzelmeinungen
  31. Leitartikel Seehofers Existenzfrage
  32. Bundestagswahl: Tops und Flops in Main-Spessart
  33. Wahlanalyse: Mit der AfD haben Würzburgs Wähler wenig am Hut
  34. Wo die AfD in Unterfranken besonders gepunktet hat
  35. Grünen-Kandidatin Rottmann spricht von einem „großen Erfolg“
  36. Unterfränkische Wahlbilanz: Die Alten bleiben, Neue kommen
  37. Zufriedenheit bei AfD-Kandidat
  38. Das große Comeback der Liberalen
  39. Merkel, die Vierte - aber wie geht es dann weiter?
  40. Trotz Verlusten: Merkel bleibt Kanzlerin
  41. Schulz stimmt SPD auf Opposition ein
  42. Schockstarre bei der CSU
  43. "Die Volksparteien müssen ihre Strategien ändern"
  44. Schockstarre bei der Würzburger CSU
  45. Grüne: Gewinne für Partei und Martin Heilig
  46. Diese Wahl wird Deutschland verändern
  47. Der Herr der Hochrechnungen
  48. Servus, Bundestag!
  49. Gerät unsere Welt aus den Fugen?
  50. Was Sie noch über die Wahl wissen sollten

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Ebelsbach
  • Michael Czygan
  • Alexander Graf Lambsdorff
  • Alternative für Deutschland
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel
  • Bundestagswahl 2017
  • Bären
  • Dorothee Bär
  • FDP
  • Frank Plasberg
  • Horst Seehofer
  • Nikolaus Brender
  • Reichspräsident Friedrich Ebert
  • Robert Habeck
  • SPD
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
8 8
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!