Haßfurt

Haßbergkreis: SPD-Kreistagsfraktion auf Spur des Verpackungsmülls

Vor dem angelieferten Wertstoffhaufen erläutert Geschäftsführer Stefan Böhme (links), was alles an „Störstoffen“ enthalten ist. Mitunter kommen sogar Skier über die Großbehälter auf den Abladeplatz vor der Sortieranlage. Mit auf dem Bild Dominik Eichhorn vom Entsorgungsbetrieb Eichhorn. Foto: Paul Hümmer

Was wird aus den Dingen, die in der Gelben Tonne landen? Dieser Frage ging die SPD-Kreistagsfraktion nach, begleitet vom Abfuhr-Unternehmer Dominik Eichhorn und weiteren SPD-Kommunalpolitikern. Fraktionsvorsitzender Jürgen Hennemann hatte die Fahrt zur Sortieranlage der Firma Böhme in Rehau organisiert, heißt es in einer Pressemitteilung.

Dort wartete Geschäftsführer Stefan Böhme auf die Gruppe, der nicht nur durch den Sortierbetrieb führte, sondern auch Hintergrundwissen zum Wiederaufbereitungsprozess lieferte. Circa 80 Prozent der erfassten Menge im Haßbergkreis gehen nach Rehau, 20 Prozent nach Waldürn im Odenwald.

Jeder Abfall werde nach dem Abholen gewogen. Schon da, spätestens ab Eingang in der Sortieranlage, ist das Material im System registriert und muss in allen weitern Schritten nachgewiesen werden, erklärt Böhme.

Müll kommt nicht sortenrein zur Sortieranlage

Sortenrein ist aber längst nicht alles, was zur Sortieranlage kommt. Stefan Böhme zeigte Skier, große Netze und Folien aus der Landwirtschaft, Essensreste, Spielzeug, Bleche, Autoreifen und Felgen, auch schon mal Geldbeutel. In der Gelben Tonne landet vieles, was nicht hineingehört. „Ungefähr 40 bis 50 Prozent sind andere Materialien als Verpackung“, sagt Böhme.

Beeindruckt zeigten sich die Teilnehmer von den Infrarot-Trennern: Über Bändern registriert der Computer, wie die Materialien das Licht reflektieren und steuert Luftdüsen an, die Holz, Metalle und die unterschiedlichen Kunststoffarten auf unterschiedliche Bänder blasen.

Es sei schwierig, so Böhme, die sortierten Kunststoffe in die Weiterverwertung zu bringen. Es gäbe zu wenige Anwendungsmöglichkeiten. Einige hätten sich bewährt, wie Leitpfosten und Bänke aus Recyclingkunststoff. Gut nachgefragt werden auch Kunststoffgitter zum Verlegen von Plattenbelägen im Freien, die für eine Wasserversickerung sorgen. „Weitere Produkte fehlen aber noch.“

Probleme macht zusammengeknüllte Alufolie

Metall wird erst aussortiert, wenn die Störstoffe schon weg sind. Ein magnetisches Förderband zieht Blechdosen an und transportiert sie zu einer Presse. Die Metallblöcke gehen an die Lechstahlwerke in die Hochöfen zur Herstellung von Stahl. Das Aluminium wird im Nichteisenabtrenner mit Wirbelstrom vom Kunststoff getrennt. „Problem sind hier immer zusammengeknüllte Alufolien, die die Maschine nicht aussortieren kann, oder mit Alu bedampfte Folien, die zu wenig Aluanteil aufweisen“, sagt Böhme. Trotz aller eingesetzten Technik und Sortierung landet etwa die Hälfte der angelieferten Stoffe in der Verbrennung.

Das interessierte die Kreisräte Paul Hümmer, Helmut Dietz und Jürgen Hennemann besonders. Sie hatten sich für den Beibehalt der Wertstoffhöhe im Landkreis Haßberge eingesetzt, weil dort die Wertstoffe sehr sortenrein erfasst wurden und direkt in entsprechende Verwertungswege gegeben werden konnten.

Dass die Bürger ans Mülltrennen gewöhnt sind, sei ein Vorteil für ihn, sagt Böhme. „Es landen weit weniger Störstoffe in der Gelben Tonne, wenn man aus einem System der Wertstoffhöfe kommt.“ Manchmal könne er anhand des angelieferten Materials sagen, aus welchem Landkreis es komme. „Dort wo permanent Aufklärungsarbeit durch den Abfallwirtschaftsbetrieb und die Kommunen betrieben wird, sind die Fehlwürfe und Restmüll in den Gelben Tonnen weniger.“

Verbraucher ist gefragt

Das bestätigte Kreisrat Paul Hümmer, der bedauerte, dass im Landkreis weniger Personal für die Information zur Verfügung steht. Konrad Spiegel aus Hofheim ergänzte, dass aufgeklärt werden müsse, was Probleme bei der Weiterverarbeitung der Wertstoffe verursacht, damit die Stoffe gar nicht erst in die Gelbe Tonne gelangen.

Für Stefan Böhme ist das Erfassungssystem zweitrangig, wie er sagte. Das größere Problem sei, dass das Duale System Deutschland auch Verpackungen zulasse, die sich gar nicht wiederaufbereiten lassen: Steingutflaschen zum Beispiel, die die Sortieranlagen beschädigen können. Hier könne der Kreistag eingreifen, denn der entscheide letztlich, was in die Gelbe Tonne darf.

Bei anderen Themen ist der Gesetzgeber gefragt: Die Menüschalen von Fertiggerichten und Fleischprodukten lassen sich nicht wiederverwerten. Manchmal können auch die Verbraucher beitragen: So sollten zum Beispiel die Papp-Ummantelungen und der Aludeckel vom Joghurtbecher entfernt werden, bevor die Kunststoffbecher und die Alustücke in der Gelben Tonne landen. Der Pappemantel kommt ins Altpapier. So kann alles recycelt werden.

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