Haßfurt

Haßfurt: Wählergemeinschaft startet durch - sogar Losglück

Die Wählergemeinschaft Haßfurt ist als klarer Gewinner aus der Stadtratswahl hervorgegangen. Die Partei des Bürgermeisters hatte nun auch im Losverfahren noch Glück.
Bürgermeister Günther Werner hat nicht nur seinen Amtssessel im Haßfurter Rathaus mit überraschend deutlicher Mehrheit von über 59 Prozent der Stimmen gegen Volker Ortloff (CSU) und Stephan Schneider (SPD) verteidigt, auch seine Wählergemeinschaft konnte acht Sitze im Stadtrat erringen.
Bürgermeister Günther Werner hat nicht nur seinen Amtssessel im Haßfurter Rathaus mit überraschend deutlicher Mehrheit von über 59 Prozent der Stimmen gegen Volker Ortloff (CSU) und Stephan Schneider (SPD) verteidigt, auch seine Wählergemeinschaft konnte acht Sitze im Stadtrat erringen. Foto: René Ruprecht

Für die Wählergemeinschaft hängt in Haßfurt der Himmel voller Geigen. Sie konnte nicht nur ihren Bürgermeister gleich im ersten Wahlgang mit der absoluten Mehrheit von über 59 Prozent im Amt behalten. Sie konnte auch den Wähler überzeugen. Nach Auszählung der Stimmen hatte die WG 751 Kreuzchen mehr bekommen als der schärfste Rivale, die CSU. Die Prozente der Parteien rechtfertigten nach geltendem Wahlrecht nur die Vergabe von 23 der 24 Stadtratssitze eindeutig. Der letzte Sitz musste gelost werden zwischen Kathrin Glaubrecht von den Grünen und Eva Biertempfel von der Wählergemeinschaft. Und auch hier war das Schicksal der WG hold und schenkte ihr den achten Sitz im Gremium.

Damit ist die Wählergemeinschaft nun die stärkste Fraktion im Haßfurter Stadtrat mit acht Sitzen - plus Bürgermeister -, wenn man die zwei Mandate der Jungen Liste nicht zu den sieben der CSU dazurechnet. Bei der Sozialdemokratischen Partei ist alles beim Alten geblieben. Sowohl die Zahl der Sitze mit vier als auch die Namen der roten Räte. Alles neu dagegen bei den Grünen, die nicht nur ihre Sitzzahl um 50 Prozent auf drei steigern konnten, auch alle drei Ratsmitglieder sind erstmals in diesem Gremium vertreten.

"Ich freue mich, dass ich das Erbe meiner Tante Sigrid Lohs antreten kann."
Felix Zösch, künftiger Stadtrat

Auch eine Portion Nostalgie wird Anfang Mai in der konstituierenden Sitzung in den Sitzungssaal im Haßfurter Rathaus einziehen. Gleich drei Neulinge sind die Nachkommen etablierter früherer Stadträtinnen und Stadträte. "Ich freue mich, dass ich das Erbe meiner Tante Sigrid Lohs antreten kann", sagt das frischgebackene Ratsmitglied Felix Zösch von den Grünen im Gespräch mit dieser Redaktion. Er will die im Januar 2018 im Alter von 64 Jahren verstorbene CSU-Politikerin "im Stadtrat mitvertreten". SPD-Wurzeln hat dagegen die Grüne Neu-Stadträtin Kim Davey. Ihre Großmutter Hildegard Meier-Siebert gehörte lange Jahre dem Haßfurter Stadtrat an. Ein echtes Original nicht nur im Haßfurter Rat war der CSU'ler Wilhelm Jüngling. Ab Mai wird seine Enkelin Eva Biertempfel für die Wählergemeinschaft im Sitzungssaal Platz nehmen.

Enttäuschung bei der CSU

Dort wird sie als Neuling auf viele altgediente Politiker treffen. Einer von ihnen ist der bisherige Fraktionssprecher der CSU, Norbert Geier. Der zeigt sich über den Ausgang der Wahl enttäuscht. Zum einen weil es der CSU nicht gelungen ist, den Amtsinhaber durch den CSU-Kandidaten Volker Ortloff zu ersetzen. Zum anderen weil seine Partei einen Sitz im Gremium verloren hat. "Aber der Wählerwille muss akzeptiert werden", so Norbert Geier im Gespräch mit dieser Redaktion. Und deshalb habe er Günther Werner auch gleich zur gewonnenen Wahl gratuliert. Seine Befürchtung, dass im Stadtrat überwiegend Neulinge sitzen könnten, habe sich "zum Glück", so Geier, nicht bewahrheitet. "Die erfahrenen  Leute sind wieder drin." So könne der neue Stadtrat "relativ schnell wichtige Themen wie zum Beispiel Smart City angehen". Es sei wichtig, nun konsequent diese Themen umzusetzen. In dem Zusammenhang kritisierte Geier die Altstadtsatzung, die es bislang unmöglich mache, auf den Dächern der Altstadt Photovoltaikanlagen zu installieren.

Enttäuschung bei der SPD

Mindestens ebenso enttäuscht wie Norbert Geier ist Manfred Stühler von der SPD. Nicht weil er es nicht geschafft hätte, der Grandseigneur der Haßfurter Sozialdemokratie sitzt wieder im Stadtparlament, aber sein Bürgermeisterkandidat Stephan Schneider hat verloren und "unsere vermeintlichen Zugpferde", da nimmt er sich gar nicht aus, "haben nicht gezogen". Womit er meint, dass die altgedienten Stadträte der SPD, alle vier sind unverändert wiedergewählt worden, nicht genügend Stimmen aquiriert haben, um der Partei mehr Sitze zu beschaffen. Lediglich Jürgen Baum mit seinen 2089 Stimmen könne man bei der SPD als Gewinner der Wahl bezeichnen, so Stühler.

Stühler wäre nicht Stühler, würde er nicht auch ein wenig poltern. "Ich war enttäuscht über die Übermittlung der Ergebnisse im Internet", schimpft das SPD-Urgestein. "Eine einzige Katastrophe. Wahrscheinlich weil alles über das Landratsamt lief und der Server das nicht gepackt hat." Auch die Zukunft hat das erfahrene Ratsmitglied bereits im Auge. "Es sind ja viele Maßnahmen bereits vorgegeben, die erforderlichen Mittel sind in den Haushalten schon eingestellt oder vornotiert." Für die erste Hälfte der neuen Amtsperiode sei der Stadtrat quasi schon mit Bauvorhaben ausgelastet.

Zufriedene Grüne

Die Liste der Zufriedenen führt dagegen Felix Zösch an. Der Sohn des Stadtwerkchefs und selbst in der Projektabteilung des Werks für Elektromobilität zuständig, hätte sich zwar noch mehr gefreut, wenn Kathrin Glaubrecht im Losverfahren gewonnen und damit einen vierten Ratssitz für die Grünen bekommen hätte, aber er ist auch schon mit der Steigerung der grünen Präsenz im Gremium um 50 Prozent auf drei Sitze zufrieden. "Ich persönlich habe mich sehr gefreut", so Zösch, "zum ersten Mal in den Stadtrat zu kommen. Und ich freue mich auch auf die Arbeit im Stadtrat." Er sei überrascht, so viele Stimmen bekommen zu haben, sehe das aber auch als Ansporn für die anstehenden Aufgaben.

"Hauptthema wird sein, uns für Fragen des Klimawandels und baurechtliche Sachen einzusetzen. Ich persönlich kann mich gut in den Bereich Green Smart City einbringen, da ich hier eine Menge Knowhow mitbringe. Auf jeden Fall wollen wir die Altstadtsatzung diskutieren und eventuell aufweichen." Zwar sei Denkmalschutz wichtig und sollte auch nicht außer Acht gelassen werden, aber es sollte möglich sein, von Fall zu Fall zu entscheiden, ob nicht eine Photovoltaikanlage auf ein Dach in der Altstadt gebaut werden könnte." Das gelte es nun "vernünftig zu diskutieren".

"Man muss sich künftig anstrengen, um Mehrheiten zu finden, es gibt keine Alleingänge mehr."
Michael Zehe, Stadtrat

"Natürlich erfreut über das Ergebnis", war die gelassene Reaktion von Stadtrat Michael Zehe von der Wählergemeinschaft. Angefangen von der klaren Titelverteidigung des WG-Bürgermeisters bis zur Erringung von sieben Stadtratsmandaten und letztlich auch noch Glück im Losverfahren. Die Wählergemeinschaft kann so künftig auf acht Sitze im Stadtrat plus Bürgermeister verweisen. "Man muss sich künftig anstrengen, um Mehrheiten zu finden, es  gibt keine Alleingänge mehr", freut sich Zehe. "Das ist gut für die Demokratie."

Freuen auf die Zusammenarbeit

Die nächsten Ziele der Stadt lägen klar im Bereich Smart City. Er persönlich hofft auf eine Umsetzung intelligenter Verkehrsleitsysteme. Zunächst in kleinen Schritten müsse das Konzept der Smart City umgesetzt werden. Zum Beispiel könnte am Schwimmbad der potenzielle Besucher vorher darüber informiert werden, ob gerade viel Betrieb sei oder wenig Leute das Bad frequentierten. Die Erledigung von Amtsgängen am Computer gehöre mit zu diesen kleinen Schritten. "Da steckt vieles noch in den Kinderschuhen", sagt Michael Zehe, der sich aber schon "darauf freut, mit den neuen Kollegen aus allen Fraktionen im neuen Stadtrat fruchtbar zusammenzuarbeiten".

Der neue Stadtrat von Haßfurt
CSU (7 Sitze): 1. Volker Ortloff 4269 Stimmen; 2. Michael Schlegelmilch 3238; 3. Jürgen Kehrlein 2714; 4. Norbert Geier 2660; 5. Claudia Glückert 2614; 6. Klaus Hammelbacher 2207; 7. Ilker Martin Özalp 1803.
Wählergemeinschaft (8 Sitze): 1. Berthold Albert 4874 Stimmen; 2. Michael Zehe 4153; 3. Jürgen Bätz 2241; 4. Anja Gaukler 1887; 5. Michael Spies 1625; 6. Hashem Farmand 1597; 7. Willibald Geuppert 1527; 8. Eva Biertempfel 1478.
SPD (4 Sitze): Stephan Schneider 3714 Stimmen; 2. Jürgen Baum 2089; 3. Manfred Stühler 1332; 4. Reiner Greich 1245.
Grüne (4 Sitze): 1. Felix Zösch 1814 Stimmen; 2. Peter Giessegi 1639; 3. Kim Davey 1505.
Junge Liste (2 Sitze): 1. Sven Schnös 2273 Stimmen; 2. Adrian Ort 1312.

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