Hilfe, die das Herz berührt

Hofheim Es sollte ein Abend der vollen Spendenkassen werden: Der stimmgewaltige Gospelchor "The Voice of Glory" aus Oberlauringen unterstützte das ehrenvolle Projekt des Gambianer Mediziners Dr. Musa Touray. Die gelungene Veranstaltung im evangelischen Gotteshaus der Stadt Hofheim geriet zu einem fulminanten Gesangsabend.
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Schon beim Betreten der Kirche wird einem klar, hier gibt es heute fast keinen Platz mehr. Längst sind die Bankreihen gefüllt, Stühle werden in Windeseile herbei geschafft, jeder soll diesen Abschluss des Sonntags im Sitzen genießen können.

Dieser Abend wurde von Brigitte Schmitt ins Leben gerufen, sie hielt sich aber den Abend über dezent im Hintergrund. Schließlich wollte man das Krankenhaus in Gambia, das Gesundheitszentrum Bijilo Medical Center in den Mittelpunkt stellen. Christa Haas eröffnete den Abend, begrüßte mit kurzen Worten die Gäste - der Chor zog singend zum Altarraum - allesamt in prächtigen Gewändern.

Nach einigen Spirituals stellte Touray das Projekt in Gambia mit einem kleinen Diavortrag vor. Er informierte über den Werdegang des Medical Centers - vom Grundstück, dass von der Regierung bereitgestellt wurde, bis hin zum Bezug des ersten Bauabschnittes. Wie er erfreut berichtete, wurden viele Arbeiten ehrenamtlich und von befreundeten Handwerkern aus dem Raum Unterfranken und Einheimischen durchgeführt. "Um unsere Wasserversorgung brauche ich mir keine Sorgen zu machen, das ist alles beste deutsche Technik."

Er selbst pendelt nun ständig zwischen seinem Arbeitsplatz in der Schweiz und Gambia hin und her. Anstrengend, aber eine Aufgabe, die ihm viel Freude macht. Bereits am ersten Praxis-Tag zeigte sich, wie dringend medizinische Versorgung in diesem kleinen Land mit rund 1,5 Millionen Einwohnern gebraucht wird. "Das Wartezimmer war immer voll", so Touray. Gerade in den ländlichen Gegenden, in denen sich viele noch nicht einmal eine medizinische Grundversorgung leisten können, ist dieses Medical Center auf fruchtbaren Boden gefallen.

Diese Freude, schwächeren Mitgliedern der Gesellschaft zu helfen, ist ansteckend, wie auch Dr. Jakob Oczko aus Würzburg erfahren hatte. Er war selbst mehrere Monate in Bijilo, hatte dort im Praxisalltag viel ehrliche Zuwendung der Patienten erfahren. "Manche schenkten uns eine Frucht aus Dankbarkeit", einer, wie er erzählte, tief empfundene Dankbarkeit, die das eigene Herz anrührt. "So was ist in unserer westlichen Zivilisation nicht mehr erlebbar."

Ähnlich positive Erfahrungen hatten auch der Oberlauringer Zimmermann Günter Marquardt und seine Lebensgefährtin Barbara Kaufmann gesammelt. Sie hatten mitgeholfen, das Krankenhaus zu errichten, waren verantwortlich für Fenster und Türen. Die Sanitäranlagen wurden fachgerecht von Bernhard Hub und Jürgen Schmitt installiert. Die Gambier waren stets fleißig und hilfsbereit, es entstanden sehr schnell große Freundschaften.

Nach oft bis zu zwölf Arbeitsstunden pro Tag bei über 40 Grad im Schatten fanden die Helfer und ihre neuen Freunde dennoch Platz für fröhliche Feierabendstunden.

All diese farbenfrohen Erzählungen aus einem vielen Menschen unbekannten Teil Afrikas ergänzte der Gospelchor unter der Leitung von Michaela Lynes in musikalischer Weise perfekt.

Klassiker wie "Amen", "the whole World in his Hands" und vielen mehr regten zum Mitsingen und -klatschen an. David Lynes, Ehemann der Chorleiterin, begeisterte überdies ein ums andere Mal mit gekonnter Vorsänger-Stimme. Mit einer irischen Einlage - begleitet auf zwei Gitarren - stellten die Musiker ihre Vielseitigkeit unter Beweis. Stimmiger Satzgesang, dazu ausgefeilte Gitarren-Arrangements ließen das Auditorium staunen und genießen.

Am Ende wollte es gar keiner wahrhaben - dieser wundervolle Abend sollte zu Ende gehen. Nach begeisterten stehenden Ovationen mit Gänsehaut-Garantie gaben die gut aufgelegten Sänger noch einige Zugaben. Das dabei die Spenden nicht vergessen werden, bat eine von der guten Resonanz sichtlich überwältigte Lynes: "Wir freuen uns über jeden Cent für dieses Projekt, ein 'leises Flattern' ist uns natürlich am liebsten."

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