Hofheim

Hofheim: Eine Stadt im Bann der Passionsspiele

Die Leidensgeschichte Jesu hat immer wieder fromme Menschen zur Wiedergabe dieser Passion veranlasst. In Hofheim gab es 1926 und 1951 beeindruckende Aufführungen.
Es gibt noch ältere Hofheimer, die sich an diese Aufführung erinnern: Die Kreuzigungsszene bei den Passionsspielen in Hofheim Februar 1951.
Es gibt noch ältere Hofheimer, die sich an diese Aufführung erinnern: Die Kreuzigungsszene bei den Passionsspielen in Hofheim Februar 1951. Foto: Repro Werner Mock

Der geräumige Weissenseel-Saal war bei jeder der drei Aufführungen im März 1926 bis auf den letzten Platz besetzt. Weihevolle Stimmung ergriff die Zuschauer, als sich der Vorhang öffnete und sie dadurch in die Leidenswoche des Heilands versetzt wurden. In zehn Aufzügen mit stilechten Kostümen und Gesang wurde die tieferschütternde Handlung dargestellt, bis zum Schluss am Ostermorgen der auferstandene Heiland die Aufführung krönte. Die Hofheimer Laienschauspieler verkörperten ihre Rollen in solch ehrwürdigem Ernst, dass es das Publikum vor allem beim Kreuzweg und bei der Kreuzigung zu Tränen rührte, so der damalige Bericht des "Boten vom Haßgau".

Fast einhundert Jahre liegen diese Passionsspiele in Hofheim zurück: Im Jahr 1926 sind hier links Max Wagenhäuser und rechts Ludwig Schamberger zu sehen.
Fast einhundert Jahre liegen diese Passionsspiele in Hofheim zurück: Im Jahr 1926 sind hier links Max Wagenhäuser und rechts Ludwig Schamberger zu sehen. Foto: Repro Werner Mock

Neu gegossen aus dem Erlös dieser Passionsspiele wurden die Glocken für die Kreuzkapelle, die zwei Jahre später, am Sonntag, 22. April 1928, von Stadtpfarrer Heinrich Schwab die kirchliche Weihe erhielten.

Im Jahr 1951 stand die Haßgau-Metropole Hofheim zum zweiten Mal im Bann der Passionsspiele. Dem heute in Königsberg lebenden Hans Stark sind die Vorbereitungen noch gut im Gedächtnis: "Der Firmeninhaber Max Leuner, in dessen Kolonialwarengeschäft der Kartenvorverkauf stattfand, beauftragte mich, mit einem seiner Lastkraftwagen nach Karlstadt zu fahren, um von dort die für die Vorstellung  notwendigen Requisiten zu holen. Auf der Fahrt begleitete und unterstützte mich dabei mein Freund Siegfried Seufert."

Beim letzten Abendmahl sind hier 1951 unter anderem zu erkennen: Jesusdarsteller Georg Rathgeber (Mitte), rechts daneben Arthur Wüchner, stehend mit erhobener Hand Hans Hempfling und 3. von rechts Walter Strauß.
Beim letzten Abendmahl sind hier 1951 unter anderem zu erkennen: Jesusdarsteller Georg Rathgeber (Mitte), rechts daneben Arthur Wüchner, stehend mit erhobener Hand Hans Hempfling und 3. von rechts Walter Strauß. Foto: Repro Werner Mock

In insgesamt fünf Aufführungen nahm das gewaltige Drama der Leidensgeschichte Christi die Herzen der Zuschauer gefangen, die aus dem gesamten damaligen Kreisgebiet Hofheim und darüber hinaus aus Haßfurt, Ebern und Königshofen gekommen waren.

Oberammergauer Vorbild

Das nach Oberammergauer Vorbild von Dr. Hermann Dimmler verfasste Passionsspiel in seiner an den biblischen Bericht gebundenen, einfachen und damit packenden Gestaltung wurde zur damaligen Zeit schon über 30 Jahre lang in ganz Deutschland aufgeführt und hatte dank der örtlichen Geistlichkeit auch in Hofheim fünf Aufführungen erlebt.

Alle Besucher waren von der Art der Darstellung zutiefst beeindruckt. Die schlicht dekorierte Bühne, mit der zu jeder Szene gut abgestimmten Beleuchtung und dem punktuellen Scheinwerferlicht, der den Mittelpunkt Jesu stets festhielt, gab der Handlung eine wirksame Untermalung. In ununterbrochener Folge wechselten die verschiedenen Szenen, beginnend mit dem Einzug Jesu in Jerusalem, dem Abendmahl, dem Ölberg, dem Hohen Rat, Jesus vor Pilatus, dem Weg nach Golgotha, der Kreuzigung, bis hin zur Grablegung.

Der Weg zur Kreuzigung bei den Passionsspielen von 1951.
Der Weg zur Kreuzigung bei den Passionsspielen von 1951. Foto: Repro Werner Mock

Die Spielleitung hatte ein Münchner namens Lommatzsch inne. Christus wurde von Otto Schrödl dargestellt und die Rolle des fanatisch eifernden Priesters Sabot verkörperte Josef Reithmeier. "Alle weiteren Gestalten des Spieles waren Hofheimer, die getragen und gefangen von der Größe des Inhalts, nicht spielten, sondern aus innerem Herzen heraus mitwirkten, miterlebten", so der Spielleiter. Aus den fast 80 einheimischen Laienspielern wurden besonders hervorgehoben: Herma Wagenhäuser als Magdalena, Betty Echtler als Claudia,  Elisabeth Arnold als Maria , Georg Rathgeber als Johannes, Eduard Weichmann als Kaiphas, Ludwig Schamberger als Pilatus und Hans Hempfling als Judas.

Die auswärtigen Hauptdarsteller waren sich einig, dass sie selten solch eine derartige Leistung von Laienspielern erlebt hätten und einen Judas, wie er hier gestaltet wurde, überhaupt noch nicht.

Horst Schamberger erinnert sich: "Hans Hempfling hatte die Rolle als Judas so beeindruckend gut  verkörperte, dass ihm angeboten wurde, auch auf einer anderen Bühnen zu spielen. Meinen eigenen Vater erfasste zweimal die Passions-Spielfreude. Er nahm 1926 als römischer Soldat und 1951 in der Rolle des Pilatus teil."  

Eine ganze Heerschar von Darstellern sorgte im Februar vor knapp 70 Jahren für eine beeindruckende Vorstellung.
Eine ganze Heerschar von Darstellern sorgte im Februar vor knapp 70 Jahren für eine beeindruckende Vorstellung. Foto: Repro Werner Mock

"Auch bei uns daheim stand als Gesprächsthema die heiße Phase der Vorbereitung und die Aufführungen der Passionsspiele  an vorderster Stelle, da meine Schwester Gertrud Strauß mit auf der Bühne stand und mein Bruder Walter Strauß einen der Jünger darstellte", so  Elisabeth Regnet.  

Im Gegensatz zu Oberammergau gab es in Hofheim keinen Haar- und Barterlass, der den Schauspielern Monate vor der Aufführung das Schneiden von Haaren und Bärten untersagt. Doch Perücken, Kunstbärte und die liebevoll geschneiderten Kostüme standen den Vorbildern in Oberammergau in nichts nach und verwandelten die Hofheimer Darsteller eindrucksvoll in ihre Rollen.

Die Hofheimer Laienspielgruppe 1926.
Die Hofheimer Laienspielgruppe 1926. Foto: Repro Werner Mock

Alle Besucher waren ergriffen und überwältigt von der Szenerie und dem Kirchenchor (unter Leitung von Lehrer Georg Mohr), der zwischen den einzelnen Szenen Passions-Chorwerke in feinsinniger Einführung mit viel Liebe und Können sang. Jedem, der diese Vorstellung sah, war klar, dass ihm eine Leistung  geboten wurde, wie es Hofheim vorher vermutlich noch nie erlebt hatte.

Das Abendmahl der Hofheimer Laienspielgruppe im Jahr 1926.
Das Abendmahl der Hofheimer Laienspielgruppe im Jahr 1926. Foto: Repro Werner Mock

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Hofheim
  • Werner Mock
  • Bibel
  • Bote vom Haßgau
  • Eucharistie
  • Frömmigkeit
  • Geistliche und Priester
  • Georg Mohr
  • Hans Stark
  • Heinrich
  • Jesus Christus
  • Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen
  • Kirchenchöre
  • Passion
  • Passionsspiele
  • Pfarrer und Pastoren
  • Theater
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!