UNTERSCHLEICHACH (NEWS5)

„Ihr habt ihr Leben beendet“

Angehörige trauern am Tatort um das getötete Mädchen.
Angehörige trauern am Tatort um das getötete Mädchen. Foto: News5

Zahlreiche Teelichter brennen auf dem Holztisch, die Verwandten haben sich im Wohnzimmer versammelt. Auch zwei Tage nach dem unfassbaren Ereignis kann noch niemand begreifen, was in der Silvesternacht geschehen ist. Janina (11) war bei zwei Freunden, durfte erstmals ohne ihre Mutter ins Neue Jahr starten. Um kurz nach Mitternacht ruft sie bei Magdalena Mokris (36) an. „Mama, ich habe sehr viel Spaß. Ich erzähle dir alles morgen beim Frühstück. Ich habe dich lieb.“

Es ist das letzte Mal, dass Magdalena mit ihrer Tochter sprechen wird. Um kurz vor ein Uhr bricht das junge Mädchen, während es freudig draußen herumhüpft, plötzlich bewusstlos zusammen. Rettungskräfte sind schnell vor Ort, bringen die Elfjährige in die Klinik nach Schweinfurt. „Meine Freundin rief mich an und sagte, Janina sei gefallen. Ich dachte noch, dass es nichts Schlimmes sein kann und wenn ich im Krankenhaus bin, dass ich sie in den Arm nehme und ihr sage, dass sie mir nicht solche Angst machen soll“, erinnert sich Magdalena aufgelöst.

Doch im Krankenhaus wird ihr schnell bewusst, dass es sich um keinen harmlosen Sturz handeln konnte. Nach einer über fünfstündigen Not-OP kommt der Arzt zur wartenden Familie und teilt ihr mit, dass man einen Metallsplitter aus dem Kopf entfernt habe und Janina noch um ihr Leben kämpft.

Nach weiteren zwei Stunden, in denen die Mutter sehnsüchtig darauf wartet, ihr Kind endlich sehen zu können, teilt der Arzt ihr mit, dass ihre Tochter verstorben ist.

Ging man zunächst davon aus, dass durch eine Silvesterknaller-Explosion ein Metallsplitter durch die Luft geflogen ist, wird nach der Obduktion deutlich, dass es sich bei dem Geschoss, das Janina traf, um ein Projektil aus einer Kleinkaliberwaffe handelte.

„Ich kann nicht glauben, dass das passiert ist. Ich denke die ganze Zeit, dass Janina gleich heimkommt und mir alles erzählt.“ Doch das einzige, was die Räumlichkeiten füllt, ist Leere und Fassungslosigkeit. Verwandte kümmern sich um Janinas neun Wochen alten Bruder, während Magdalena nach Antworten sucht: „Ich weiß bis heute nicht, was passiert ist. Aber diejenigen, die das waren, sollen wissen, dass sie mir meine Tochter, mein Leben weggenommen haben und ich weiß nicht, wie es weitergehen soll.“ Sie zeigt auf das Bild ihrer Tochter und spricht weinend weiter: „Derjenige soll mein Kind anschauen. Das war meine Janina, die ihr ganzes Leben noch vor sich hatte. Mit einer Spielerei habt ihr ihr Leben beendet und auch meins.“

Ob es wirklich dumme Spielerei war oder ein bewusstes Tötungsdelikt, ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft auf Hochtouren. Mit Spürhunden und Metalldetektoren suchen sie das Gelände mehrfach ab. Ohne neue Ergebnisse. Pausenlos ist man auf der Suche nach Hinweisen, befragt Anwohner, überprüft Nachbarn mit Waffenschein. Im Fokus steht nicht nur die Frage, wer geschossen hat, sondern auch, ob es sich um ein tragisches Unglück oder eine bewusste Tat handelt. Die Polizei ermittelt wegen eines Tötungsdelikts in alle Richtungen.

Die trauernde Mutter – hier in ihrer Wohnung mit einem Bild ihrer getöteten Tochter Janina – hat sich an die Öffentlichkeit gewandt, in der Hoffnung, dass deren Druck den Täter dazu bewegt, sich zu stellen.
Die trauernde Mutter – hier in ihrer Wohnung mit einem Bild ihrer getöteten Tochter Janina – hat sich an die Öffentlichkeit gewandt, in der Hoffnung, dass deren Druck den Täter dazu bewegt, sich zu stellen. Foto: News5

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