HAßFURT

Im Einsatz für einen Schatz der Region

Lisa Badum diskutierte mit rund 45 Interessierten in der Stadthalle Haßfurt über Klimaschutz und über Steigerwald.
Lisa Badum diskutierte mit rund 45 Interessierten in der Stadthalle Haßfurt über Klimaschutz und über Steigerwald. Foto: Felix Schwarz

Die Bundestagsabgeordnete Lisa Badum (Bündnis 90/Die Grünen) aus dem Wahlkreis Bamberg/Forchheim diskutierte mit rund 45 Interessierten im kleinen Saal der Stadthalle Haßfurt über Klimaschutz und insbesondere über den Steigerwald. Den Diskussionsabend moderierte Christoph Appel aus Obertheres, Vorstandsmitglied der Grünen im Landkreis Haßberge.

„Ich komme mir manchmal vor, als würde ich ein Raumschiff betreten, wenn ich von einer Demonstration für Klimaschutz wieder nach Berlin in den Bundestag komme“, sagte die klimapolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag. Von der Begeisterung, die demonstrierende Schüler bei den „Fridays for future“ versprühen, ließe sich vor allem die Bundesregierung kaum anstecken.

Die gebürtige Forchheimerin referierte zunächst über aktuelle Fragen der Klimapolitik, ehe sie auf den Steigerwald zu sprechen kam. Anschließend nahm sie sich der Fragen des Publikums an. „Die Rettung unserer Wälder ist nicht nur ein fränkisches, sondern vor allem ein internationales Thema“, stellte die selbsternannte Klimaretterin heraus.

Der Kampf geht weiter

Für die 35-jährige Badum ist klar, dass der Steigerwald einen genauso hohen Stellenwert genießen sollte wie der Hambacher Forst in Nordrhein-Westfalen. „Das Ziel muss sein, dass der Steigerwald erhalten bleibt“, betonte die Oberfränkin, die seit 2017 über die Liste im Bundestag vertreten ist. „Der Steigerwald ist der Schatz dieser Region“, führte Badum aus. Konkret gehe es um den Schutz von besonders alten und dicken Buchen. Nach Badums Angaben besäßen diese einen Durchmesser von 60 Zentimetern und seien zwischen 150 und 200 Jahren alt.

Rund 7600 solcher Buchen stünden im Ebracher Forst und in der Gefahr, von den Bayerischen Staatsforsten gefällt zu werden. Wie viele Buchen tatsächlich gefährdet sind und ob nicht die Abholzung einzelner Buchen auch sinnvoll sein könnte, ließ Badum offen. Diesbezüglich laufe eine Anfrage der Grünen im Landtag. Für sie stehe fest, dass keine einzige dieser besonders alten und dicken Buchen abgeholzt werden darf. „Wir haben nicht das Recht, diese Bäume umzuhauen.“

Nachdem das Fällen jener Buchen vor vier Jahren eingestellt wurde, nahmen die Staatsforsten die Rodung im vergangenen Jahr wieder auf. Die selbsternannte „Baumumarmerin“ kettete sich deshalb als Protestreaktion zusammen mit anderen Umweltaktivisten im Dezember an Buchen im Ebracher Wald (wir berichteten). Die Abholzungen im Ebracher Forst seien keine Pflegemaßnahmen, sondern ein profitorientierter Skandal. „Zur Not kette ich mich wieder an eine Buche“, versicherte die Oberfränkin.

Die Diskussion um einen möglichen Nationalpark Steigerwald wird seit 2007 geführt, 2014 wollte der ehemalige Landrat des Landkreises Bamberg Günther Denzel den Hohen Buchenen Wald im Ebracher Forst als geschützten Landschaftsbestandteil einstufen lassen. Nach langem Hin und Her konnte sich dieser aber juristisch nicht durchsetzen.

Obwohl sämtliche Rechtswege bereits erschöpft seien, fordert Lisa Badum die Anwesenden auf, weiterzukämpfen. „Der Druck muss von der Bevölkerung kommen. Wir Grüne sind für einen dritten Nationalpark. Der Steigerwald bietet als schützenswerter Buchenwald die idealen Voraussetzungen dafür“, stellte Badum heraus. „Wann, wenn nicht jetzt?“. Ministerpräsident Markus Söder schloss bereits im vergangenen Jahr die Erschließung eines dritten Nationalparks aus. Die Mehrheit im Saal wünscht sich jedoch einen solchen Nationalpark im Steigerwald, vereinzelt gab es bei den Zuhörern dennoch Zweifel, ob es wirklich so viele schützenswerte Buchen dort gibt.

Darüber hinaus sorgten die Klimaschutzpläne der Bundesregierung für ausgiebige Diskussionen. Badum machte klar, dass ihr der von der Kohlekommission forcierte Kohleausstieg bis 2038 nicht schnell genug ginge und milliardenschwere Entschädigungszahlungen an die Betreiber nicht gerechtfertigt seien. „Da das Vorhaben noch nicht ins Gesetz gegossen wurde, muss weiter Druck ausgeübt werden“, forderte Badum.

Doch es gab auch Lob an dem aktuellen Vorhaben von Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Die SPD-Politikern erarbeitete einen Gesetzesentwurf, der vorsieht, jene Ressortetats zu kürzen, die gegen die Einsparziele der Bundesregierung verstoßen. Nichtsdestotrotz müsse der Ausbau der erneuerbaren Energien schneller und druckvoller vonstattengehen. Besonders die 10H-Regelung ist Badum ein Dorn im Auge. Sie zieht eine Regionalquote vor, so dass der Strom auch dort erzeugt wird, wo er auch gebraucht werde.

Das Bahnfahren sei viel zu teuer. Badum begrüßt, dass Ministerpräsident Markus Söder sich zum Ziel nimmt, dies zu ändern. Einen Euro pro Tag, egal wie oft und wie lange, solle der ÖPNV in den Augen Söders dem Bürger kosten. „Der Vorschlag geht in die richtige Richtung, aber Söder agiert noch viel zu zaghaft“, mahnte die Forchheimerin. Unter den Zuhörern befanden sich auch einige Oberthereser, die sich eine Bahnhaltestation in ihrem Dorf wünschen. Christoph Appel versprach, dies zu prüfen. Badum wiederum kündigte an, in einem Jahr wieder zu kommen, um die Fortschritte zu begutachten.

Als finanziellen Anreiz zum Bahnfahren forderte die Bundestagsabgeordnete indes die Befreiung der Ticketpreise von der Mehrwertsteuer und die Einführung einer Kerosin-Steuer auf Flugreisen. Des Weiteren soll eine CO2-Steuer von 40 Euro pro Tonne erhoben und der Emissionshandel auf den Verkehrs- und Gebäudebereich ausgeweitet werden. „Die Zeit drängt, wir müssen umsteigen“, warnte Badum. Dabei könne sich die studierte Politikwissenschaftlerin auch Wasserstofffahrzeuge im ÖPNV vorstellen. Ein Zuhörer kritisierte, dass Elektroautos noch zu teuer seien und man bei Staus auf der Autobahn Probleme mit der Batterie bekommen würde.

„Klimaschutz darf kein Privileg der Gutverdienenden sein“, monierte eine Studentin. „Nachhaltige Produkte müsse man sich auch leisten können“. Genauso auf Zustimmung seitens des Publikums stieß die Einsicht, dass jeder Einzelne bei sich selbst ansetzen müsse, um etwas für den Klimaschutz zu tun.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Haßfurt
  • Bundestagsabgeordnete
  • Bündnis 90/ Die Grünen
  • Deutscher Bundestag
  • Klimaschutz
  • Lisa Badum
  • Markus Söder
  • Nationalparks
  • Svenja Schulze
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
2 2
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!