AUGSFELD

Im Zeichen des Ziegenbocks

Das Augsfelder Gemeindewappen: Die abgebildete Zeichnung ist heraldisch nicht korrekt, da entweder das Schildhaupt auch silbern ausgemalt oder der Bock ebenfalls weiß belassen sein müsste.
Das Augsfelder Gemeindewappen: Die abgebildete Zeichnung ist heraldisch nicht korrekt, da entweder das Schildhaupt auch silbern ausgemalt oder der Bock ebenfalls weiß belassen sein müsste. Foto: Thomas Schindler

Von den zwischen 1972 und 1978 nach Haßfurt eingemeindeten Orten ist Augsfeld der einzige, der ein eigenes Wappen besitzt. Die Annahme des Wappens durch den Gemeinderat war jedoch erst relativ kurz vor dem Eingemeindungstermin (1. Januar 1972) erfolgt, nämlich am 2. Juni 1969. Die Ausführung des Wappens stammt vom Kronacher Heraldiker Karl Haas. Die heraldisch korrekte Beschreibung lautet: „Unter silbernem Schildhaupt in Rot ein aus dem unteren Schildrand wachsender silberner Ziegenbock.“

Die klassische Heraldik verwendet nur wenige Farben, dazu die beiden Metalle Silber und Gold. Diese werden auch oft als Weiß und Gelb wiedergegeben, wenn etwa der Druck mit Silber- und Goldfarbe nicht möglich ist. Die Farbkombination „Rot-Silber“ beziehungsweise „Rot-Weiß“ soll an die frühere Zugehörigkeit Augsfelds zum Hochstift Würzburg erinnern, das die Farben – sowohl in Form des „Frankenrechens“ als auch des „Rennfähnleins“ – in seinem Wappen führte. Auch in das Wappen und die Fahne des heutigen Regierungsbezirks Unterfranken sind diese Farben beziehungsweise Wappenfiguren übernommen worden.

Der Ziegenbock soll auf die Augsfelder Viehzucht hinweisen, die – zumindest noch zu der Zeit, als das Wappen angenommen wurde – recht bedeutend gewesen sein muss. Bis heute wird in Augsfeld alljährlich die „Bockskerwa“ gefeiert, bei der es Bocksbraten zu essen gibt. Der Ursprung dieses heute jeweils am zweiten Sonntag im September stattfindenden Festes wird in der Augsfelder Überlieferung auf die Feiern zur Erinnerung an die Schlacht bei Sedan am 1. und 2. September des Jahres 1870 zurückgeführt, die in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg jeweils am 2. September abgehalten wurden. Im Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) hatte an diesem Tag die französische Armee kapituliert und war zusammen mit ihrem Kaiser Napoléon III. in Gefangenschaft geraten.

Stichpunktmäßige Auswertungen von Anzeigen im „Intelligenzblatt der Stadt Haßfurt“ (1851-1869), dem „Haßfurter Amts- und Anzeigeblatt“ (1870-1878), dem „Haßfurter Tagblatt“ (Jahrgänge 1879 und 1880) sowie in dem ebenfalls beim „Tagblatt“ gedruckten „Amtsblatt des königlichen Bezirksamts Haßfurt“ (1881-1918) lassen jedoch erkennen, dass zwischen der Schlacht und der Augsfelder Traditionsfeier kein direkter Zusammenhang besteht. Denn es gab die Bockskirchweih auf jeden Fall schon einige Jahre vor 1870: Ältestes ermitteltes Datum ist der 24. August 1862. Der Begriff „Kirchweih“ wurde indessen anfangs nicht regelmäßig verwendet. So wurde etwa zum „Bockstich-Fest“ (23.08.1868), zu „Bockstich mit Tanzmusik“ (22.08.1869) oder einfach zum „Bocks-Fest“ (02.09.1877) eingeladen. Dass die letztgenannte Veranstaltung tatsächlich auf den siebten Jahrestag von „Sedan“ fiel, scheint eher Zufall gewesen zu sein. Am gleichen Tag beging der „Veteranen & Kampfgenossen-Verein“ Haßfurt seine Feier des „Sedansfestes“.

Zudem scheint es sich anfangs bei der Bockskirchweih nicht um eine speziell für Augsfeld typische Feier gehandelt zu haben oder das Augsfelder Vorbild fand andernorts Nachahmer. Insbesondere Sylbacher Gastwirte machten in den 1870er Jahren auf ebensolche Veranstaltungen aufmerksam, die meist gegen Ende August und oft auf dem in der Sylbacher Gemarkung gelegenen Bierkeller der Haßfurter Brauerei Amon („Amonshöhe“) stattfanden. Vereinzelt kann man auch Anzeigen für derartige Feste in Krum (19.09.1869), Unterhohenried (29.08. 1875) und Buch (17.09.1876) finden. Haßfurter Wirte priesen damals ebenfalls in der Zeit von Mitte August bis Anfang September wiederholt den bei ihnen erhältlichen Bocksbraten an.

Im Gegensatz zur Bockskirchweih ist das einstige Gemeindewappen im Laufe der Zeit etwas aus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt. Zwischenzeitlich hat der örtliche Fußballverein das Wappen für seine Zwecke adaptiert, indem die rote Farbe durch Blau ersetzt und in das Schildhaupt der Schriftzug „1. FC Augsfeld 1950 e. V.“ eingefügt wurde. Dies hatte jedoch auch zur Folge, dass nun auf manchen Internetseiten das vermeintliche Augsfelder Gemeindewappen in den „bayerischen“ Farben Weiß und Blau sowie ohne Schildhaupt zu sehen ist.

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