RÜGHEIM

Instrumentenkombination verzückt das Publikum in Rügheim

Stanislav Anischenko (Kontrabass) und Andreas Mildner (Harfe) gastierten gemeinsam im Schüttbau in Rügheim. Foto: Roland Seiler

Die Kombination der Instrumente Kontrabass und Harfe ist ganz ungewöhnlich. Eine große Begeisterung der vielfach preisgekrönten Künstler Stanislav Anischenko (Kontrabass) und Andreas Mildner (Harfe) muss dazu geführt haben, dieses Projekt zu verwirklichen. Nur das letzte Stück des Programms ist original für Kontrabass und Harfe komponiert. Und so führte die schöpferische Lust der beiden Musiker dazu, dass in ihrer Bearbeitung die Harfe die Rolle von Cembalo, Klavier und sogar Orchester übernimmt, während der Kontrabass sich als Gambe, Cello und Arpeggione ausgibt. Und diese Liebesverbindung hat sich gelohnt.

Das wurde schon in der Gambensonate von Bach hörbar: äußerst zarte Töne zu Beginn, dann ein Spiel mit den Klanggewichten der beiden Instrumente und schließlich im vierten Satz eine Beinaheexplosion in wahre Bach-Lust.

Dann Schuberts Sonate für Arpeggione und Klavier: Schon ein zeitgenössischer Kritiker bemerkte, dass es ohne diese großartige Komposition Schuberts wohl keine Erinnerung gäbe an den Arpeggione, ein Instrument, das in Größe und Form an ein Cello erinnert, aber sechs Saiten und Bünde hat. Die Wiener nannten es damals„Streichgitarre“.

Anischenko und Mildner musizierten Schubert mit großer Feinfühligkeit, aber gleichzeitig mit einer Sinnlichkeit und Körperlichkeit, die bei Schubert selten zu hören ist.

Das Stück „Col Nidrej“ von Max Bruch – uraufgeführt nach einem Gebet für den Jom Kipur – folgte nach der Pause. Die Tradition der jüdischen Liturgie ist von einer selbstverständlichen Körperlichkeit – anders als die christliche. So kam es in diesem Stück zu einer Hochzeit der Instrumente. Immer wieder war vom Bass auch eine schlanke Cellostimme zu hören. Immer wieder ließ die Harfe in großer Üppigkeit das Orchester vergessen.

Und dann das Stück für Harfe solo des französischen Komponisten Albert Roussel: Die Erwartung auf Virtuosität erfüllte sich auf sehr angenehme Weise. War sie doch nicht wie eine sportliche Leistung ausgestellt: müheloses Spiel mit der Lautstärke, zauberhafte Arpeggios. Mildner konnte alle Register ziehen, um so energetisch zum letzten Stück des Abends überzuleiten: Jean Francaix? 1980 komponiertes „Duo baroqhe“, ein Feuerwerk von Energie, Gesang, Humor. Der Bass war eingeladen, von feinsten Tönen in höchsten Lagen bis ungehemmte Bassfülle alles auszuspielen. Die Harfe konnte sich lustvoll in allen Facetten bewegen.

Ja, es war eine höchst gelungene musikalische Hochzeit. Ein weiteres Geschenk an die zahlreichen Abonnenten der Meisterkonzerte im Schüttbau zu Rügheim, diesem ungewöhnlichen und ungewöhnlich einladenden Konzertsaal. Für die Veranstalter ein Erfolg, der im ländlichen Raum alles andere als selbstverständlich ist.

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