BUNDORF

„Jetzt rede ich“: Der ländliche Raum und seine Probleme

Landrat Wilhelm Schneider stand Rede und Antwort bei der CSU-Veranstaltung „Jetzt rede ich” am Donnerstag in Bundorf. Foto: Beate Dahinten

Der gute Wille war da. Nach der Devise „Jetzt rede ich“ sollten am Donnerstagabend in der Bundorfer Sporthalle die Bürger zu Wort kommen. „Es sollen keine großen Reden geschwungen werden“, hatte der CSU-Ortsverband auf Plakaten und Handzetteln angekündigt. Landrat Wilhelm Schneider, Stimmkreisabgeordneter Steffen Vogel, Bürgermeister Hubert Endres und sein Hofheimer Kollege Wolfgang Borst entschieden spontan, nicht am weißblau bedeckten Tisch auf der Bühne zu sitzen, sondern unten „bei den Leuten“, wie man so schön sagt. Und es fing nicht mit den sonst üblichen Statements an, die erfahrungsgemäß länger dauern als die eigentliche Diskussion.

Ortsvorsitzender Wolfgang Neuhöfer gab gleich den Ring frei für die Fragen der Besucher. Die machten zwar Gebrauch von dieser Möglichkeit, sprachen Themen wie die hausärztliche Versorgung auf dem Land, den Wegfall der Straßenausbaubeitragssatzung oder den Haßfurter Flugplatz an. Aber – um es vorwegzunehmen – es redeten dann doch hauptsächlich die Politiker.

Thema: Mitfahrerbänke

Mit der ersten Frage des Abends – „zur Auflockerung“, wie er selbst sagt – kommentiert Harald Schneider das Thema Mitfahrerbänke: „Warum steht noch keine in Schweinshaupten?“ Hubert Endres und Wolfgang Borst gehen ernsthaft auf die ironisch gemeinte Frage ein. „Ich wollt eigentlich sagen, wir brauchen keine“, lässt sich Schneider zwischendurch vernehmen. Aber vielleicht gerade deshalb nutzt Borst die Gelegenheit, eine Lanze für die viel belächelte Initiative zu brechen. Er bittet darum, ein halbes bis ein dreiviertel Jahr abzuwarten, „bis das Konzept steht“.

Nächstes Thema: Der Vorwurf von Herbert Braunreuther, die Schließung des Hofheimer Krankenhauses sei ein „Bauernopfer“ gewesen, veranlasst Wilhelm Schneider und Steffen Vogel dazu, ausführlich zu widersprechen. „Wir haben uns das lang, lang im Verwaltungsrat überlegt, es ist kein Weg dran vorbeigegangen“, fasst Schneider zusammen.

Den ersten Beifall des Abends gibt‘s für Christian Truchseß Freiherr von Wetzhausen. Er spricht die „ganz großen Belastungen für die Bürger“ infolge der umfangreichen Maßnahmen bei den Wasser- und Abwasseranlagen in der Gemeinde Bundorf an. Und er spricht sich dafür aus, entweder die Auflagen zu lockern – „Hier bei uns gelten die gleichen Auflagen wie in München, das ist total daneben“ – oder die staatliche Förderung für Investitionen in die Daseinsvorsorge zu erhöhen. „100 Prozent Zustimmung“, versichert ihm Steffen Vogel. Wobei er vor allem der Meinung ist, „die Anforderungen an die Wasserqualität nicht laufend zu verschärfen“, weil hohe Auflagen einen hohen Sanierungsaufwand bedeuten.

Die Förderung zu erhöhen, ist Vogels Worten zufolge politisch schwierig zu vermitteln: In den meisten Gebieten Bayerns spielten die Erschließungskosten keine Rolle, dafür seien die Grundstückspreise sehr hoch. Aber das Problem sei erkannt, betont der Abgeordnete. Die neue Härtefallregelung sei ein Einstieg, die Förderung bei Wasser und Abwasser zu verbessern. „Wir bleiben dran und werden eine weitere Erhöhung prüfen und auch, ob Bundorf reinkommt“, verspricht Vogel.

Landleben vs. Stadtleben

Seine Argumentation zu den Unterschieden zwischen einer Großstadt wie München und dem ländlichen Raum hier in Nordbayern kann Cornelia Schwarz überhaupt nicht nachvollziehen. Sie stammt aus Südbayern und hat 2010 mit ihrem Mann ein Haus in seinem Heimatort Bundorf gekauft – ohne zu wissen, was in Sachen Wasser und Abwasser auf sie zukommt. „Jedesmal kommt ein Bescheid, wo‘s dir den Boden unter den Füßen wegzieht“, meldet sie sich zu Wort. Natürlich seien die Immobilienpreise in der Stadt höher, aber dass wisse man ja vorher. Und: „Man kommt auf‘s Land, um günstiger zu leben.“ Steffen Vogel führt daraufhin wieder einmal aus, wie teuer das Leben in München ist, und wie günstig dagegen die Preise für Bauwerber hier in der Region, wo zudem die Lebensqualität höher sei. Cornelia Schwarz macht noch ein paar Versuche, etwas einzuwenden, kommt aber nicht zu Wort. Steffen Vogel spannt den Bogen weiter zur staatlichen Förderung etwa für den Umbau der Bundorfer Sporthalle zum Dorfgemeinschaftshaus und den Breitbandausbau, Stichwort: Höfebonus.

Harald Schneider kommt auf das Thema Wasser und Abwasser zurück. Diesmal ist es ihm sehr ernst. Mit Nachdruck fordert er eine Gleichbehandlung der Grundeigentümer in allen Gemeindeteilen bei den Beiträgen für die Wasserversorgung. Nach der geltenden „Uraltsatzung“, so Schneider, gibt es unterschiedliche Nutzungsfaktoren für die einzelnen Gemeindeteile. Auch dass eine theoretisch nutzbare Geschossfläche zugrunde liegt, würde Schneider gerne geändert sehen. Seine Bitte: Das Ganze „so zu gestalten, dass man keine Ängste hat um die Zukunft“. Bürgermeister Endres zeigt Verständnis, verweist aber auf die gesetzlichen Regelungen, durch die der Gemeinde die Hände gebunden seien.

Nach knapp zwei Stunden ist die Luft raus. Die Nachfrage zum Stand des geplanten Freizeitparks zwischen Bundorf und Neuses handelt Bürgermeister Endres in aller Kürze ab. Es handle sich um ein privates Projekt. Und im Rahmen des Verfahrens zur Änderung des Flächennutzungsplanes habe jeder die Möglichkeit, sich zu informieren und gegebenenfalls Stellung zu nehmen. Mit einem Statement von Landrat Schneider zu einer geplanten Rettungswache für den nördlichen Landkreis klingt der Abend aus.

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