HAßFURT

Job als Mechatroniker: Geistig und körperlich gefordert

Serie „Was würdest Du tun“: Johannes Schmidt arbeitet als Mechatroniker und verdient circa 3470 Euro brutto im Monat. Er liebt seinen Job, wünscht sich aber mehr Wertschätzung der Geschäftsleitung
Spanischer Auszubildender       -  Mechatroniker: Ein anspruchsvoller Beruf zwischen Mechanik und Elektrotechnik. In unsere Serie „Was würdest Du tun“ stellen wir Menschen aus der Region und ihre Berufe vor. Diesmal berichtet ein Mechatroniker über seinen Job in einem Industriebetrieb.
Mechatroniker: Ein anspruchsvoller Beruf zwischen Mechanik und Elektrotechnik. In unsere Serie „Was würdest Du tun“ stellen wir Menschen aus der Region und ihre Berufe vor. Diesmal berichtet ein Mechatroniker über seinen Job in einem Industriebetrieb. Foto: SymbolFranziska Kaufmann/DPA

In unserer Serie „Was würdest du tun?“ stellen wir regelmäßig Menschen aus dem Landkreis Haßberge vor, die erzählen, wie sie arbeiten, was sie verdienen und was sie tun würden, wenn sie nicht arbeiten müssten. Hier berichtet der 21-jährige Johannes Schmidt (Name der Person geändert).

Mein Job

Beruf: Ich arbeite als Mechatroniker in der Instandhaltung eines Großkonzerns. Bei einer Frühschicht beginnt mein Arbeitstag um 5.30 Uhr. Zunächst besprechen in unserem Team, welche Aufgaben anstehen. Meine Arbeit besteht hauptsächlich aus der Wartung und Instandhaltung von Maschinen, wobei die Instandhaltung den größeren Anteil ausmacht.

Es kommt mir so vor, als wären wir eine Phantomabteilung – seit ich da bin, war die Werksleitung noch nie bei uns. Ich finde die Instandhaltung sehr wichtig, jedoch habe ich das Gefühl, dass unsere Arbeit von der Chefetage nicht wirklich wertgeschätzt wird. Wir suchen selbstständig die Teile heraus und machen uns darüber hinaus Gedanken, wie die Produktion besser laufen könnte. Wir machen eigentlich mehr, als wir müssten – leider wird das nicht immer anerkannt. Die Betriebsversammlungen können sehr frustrierend sein. Obwohl wir gute Ergebnisse liefern, fordern sie von uns, bessere Ergebnisse bei gleichem Personalbestand zu erzielen.

Nichtsdestotrotz übe ich meinen Beruf sehr gerne aus. Ob defekte CNC-Fräsmaschinen, Montagelinien oder Sensorleitungen – die Arbeit geht nie aus. Jeden Tag müssen andere Dinge repariert werden. Das bringt unheimlich viel Abwechslung in den Beruf und ich bin geistig stets gefordert. Ich muss jede Menge Wissen schnell abrufen können: Mechanik, Elektronik, Hydraulik sowie Pneumatik, also Druckluft, sind die wichtigsten Wissensbereiche. Zudem behalte ich Luftschläuche, Hydraulikleitungen und Riemen im Auge, da diese besonders verschleißanfällig sind.

Bis ein Instandhalter eingelernt ist, vergehen etwa fünf Jahre. Ich habe meine Ausbildung erst vor Kurzem beendet. Daher bin ich froh, dass ich tolle Arbeitskollegen habe, die mir mit ihrer enormen Erfahrung weiterhelfen können. Während ich noch versuche, eine Fehlermeldung zu verstehen, haben sie bereits die Lösung parat. Oft muss ich auf Maschinen herumklettern und Materialien umherschleppen, gerade im Sommer komme ich körperlich an meine Grenzen. Sich immer wieder neu beweisen zu können und neue Dinge zu lernen, finde ich jedoch super.

Problematisch sind Phasen der Hochkonjunktur, da in dieser Zeit die Maschinen sehr lange am Stück laufen und kaum Wartungen durchgeführt werden. Das rächt sich irgendwann. Die Arbeitsbelastung ist sehr unterschiedlich: Manchmal ist es hektisch, wenn ich von einem Auftrag zum nächsten hetzen muss. Neben Wirtschaftskrisen gibt es aber auch Zeiten, in denen weniger los ist.

Schichtarbeit als großer Nachteil

Einen großen Nachteil hat mein Beruf allerdings: Durch die Schichten muss ich manchmal auf private Treffen oder Feierlichkeiten verzichten. Darüber hinaus werde ich bei der Arbeit oft sehr dreckig, weil die Maschinen unheimlich schmutzig sind.

Industrie 4.0 ist in aller Munde – eine allumfassende Digitalisierung hat sich bei uns allerdings noch nicht durchgesetzt. Automatisierte Maschinen kommen vor allem bei der Lagerung zum Einsatz. Ich habe keine Angst vor Robotern und sehe meinen Beruf auch nicht gefährdet. Mein Ziel ist es, irgendwann meinen Techniker zu machen. In Teilzeit würde das fünf Jahre dauern, in Vollzeit nur zwei Jahre.

Berufsentscheidung: Während der Schulzeit war ich nicht sicher, welcher Beruf zu mir passen würde. Ich wollte vor allem Abwechslung haben. Durch meinen Onkel und meinen Vater bin ich auf die Instandhaltung aufmerksam geworden. Unter anderem habe ich mich bei der Polizei beworben, zum Einstellungstest bin ich allerdings nicht angetreten, weil mir vorher eine Ausbildungsstelle als Mechatroniker angeboten wurde.

Ausbildung: Die Ausbildung hat dreieinhalb Jahre gedauert. In dieser Zeit habe ich verschiedene Bereiche durchlaufen: Montage, Qualitätsmanagement, Kolbenfertigung sowie Gehäusefertigung und Werkzeugvoreinstellung. Nach einem halben Jahr bin ich in der Instandhaltung gelandet, hier hat es mir am besten gefallen. Die Ausbildung hat mir viel Spaß gemacht, das war eine tolle Zeit. Jetzt bin ich aber froh, nicht mehr für Prüfungen lernen zu müssen und nach der Arbeit einfach mal fertig zu sein.

Tipps: In diesem Beruf ist es unheimlich wichtig, ein gewisses Verständnis für Technik zu haben. Lebenslange Lernbereitschaft sowie Mathe- und Physikkenntnisse gehören ebenso dazu. Berufseinsteiger sollten auch grundlegende Englischkenntnisse und Teamgeist mitbringen.

Wöchentliche Arbeitszeit: Meine Arbeitszeit variiert sehr stark, auf dem Papier stehen 35 Wochenstunden. In unserem 17-Schichtmodell gibt es drei Schichten: Die Frühschicht von 5.30 Uhr bis 13.30 Uhr, die Spätschicht von 13.30 Uhr bis 21.30 Uhr und die Nachtschicht von 21.30 Uhr bis 5.30 Uhr. Am Anfang hatte ich Schlafprobleme, aber ich habe mich langsam daran gewöhnt. Ältere Kollegen sind oft nicht mehr so motiviert, weil die Schichten mit der Zeit nerven.

Bedingungsloses Grundeinkommen: Wenn ich ohne Voraussetzungen 1500 Euro netto im Monat erhalten würde, würde ich auf jeden Fall weiter auf die Arbeit gehen. Wenn ich mir das aussuchen könnte, würde ich jedoch nur auf Frühschicht gehen und lediglich 20 Stunden in der Woche arbeiten. Somit hätte ich mehr Freizeit und damit mehr vom Leben. Mehr Zeit zum Entspannen und zum Fußballspielen wäre natürlich super. Drei Schichten gehen langfristig auf die Nerven.

Meine Einnahmen

Bruttoeinkommen: Mein Festgehalt liegt brutto bei 3060 Euro im Monat. Hinzu kommen Schichtzuschläge (sehr unterschiedlich, mindestens 240 Euro monatlich), Leistungsprämien (aktuell circa 171 Euro im Monat) und unregelmäßig verschiedene Leistungszuschläge.

Nettoeinkommen: Mein Nettogehalt beträgt mindestens 2300 Euro, das schwankt aber sehr stark.

Meine Ausgaben

Wohnkosten: Ich wohne bei meinen Eltern, daher fallen keine Wohnkosten an.

Lebensmittel: Für mein Essen in den Mittagspausen gebe ich 75 Euro pro Monat aus.

Handy und Internet: 60 Euro pro Monat entfallen auf meinen Handyvertrag.

Mobilität: Ich zahle circa 70 Euro monatlich für den Sprit, 1000 Euro jährlich für meine Vollkasko-Versicherung und 100 Euro im Jahr für meine Kfz-Steuer.

Versicherungen: Durch meine Grundfähigkeitsversicherung entstehen Kosten von etwa 95 Euro im Monat, durch die Unfallversicherung 90 Euro jährlich und durch die Haftpflichtversicherung 50 Euro im Jahr. Auf meine Rechtschutzversicherung entfallen 65 Euro im Jahr sowie jeweils 150 Euro monatlich auf meinen Anlagefonds und auf Aktien. Auf ein Sparkonto lege ich monatlich 200 Euro.

Kleidung und Körperpflege: Für Kleidung zahle ich durchschnittlich 50 Euro pro Monat. Ich gehe allerdings sehr unregelmäßig einkaufen.

Freizeit: Wenn ich oft feiern gehe, komme ich auf circa 300 Euro im Monat. Ich mag Bowling und Discos. Zudem gehe ich gerne essen. Darüber hinaus gebe ich fürs Fitnessstudio monatlich 33 Euro aus. Der Urlaub hat mich dieses Jahr 3400 Euro gekostet.

So viel bleibt am Ende übrig: Am Ende bleiben mir etwa 725 Euro im Monat.

„Was würdest Du tun?“

In unserer kleinen Serie befragt Felix Schwarz Menschen aus der Region, für welches Geld und unter welchen Umständen sie arbeiten und was sie tun würden, wenn sie nicht auf diese Art des Broterwerbs angewiesen wären.

Die Befragten bleiben auf Wunsch anonym, der Redaktion liegen aber die Namen und Adressen vor. In Teil eins der Serie kam eine Augenoptikerin zu Wort, in Teil zwei hat sich unser Reporter mit einer Ergotherapeutin unterhalten. Dieser folgten die Leiterin eines Kindergartens und ein Zerspanungsmechaniker, ein Polizist und ein Verwaltungsbeamter. Im siebten Teil hat sich Felix Schwarz mit einem Mechatroniker getroffen, der in einem Industrieunternehmen beschäftigt ist.

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