RÜGHEIM/HOFHEIM

Junge Akademikerin schwenkt um: Vom Hörsaal an die Hobelbank

Beruflicher Neustart: Maria Rambacher (25) hat bereits ihren Fremdsprachen-Bachelor. Aber jetzt ihren Traumjob gefunden: Schreinerin.
Maria Rambacher lernt Schreinerin im Betrieb von Wolfgang Gutjahr. Die 25-Jährige hat ihren Bachelor in Englisch und Französisch, sieht ihre berufliche Zukunft aber im Handwerk.
Maria Rambacher lernt Schreinerin im Betrieb von Wolfgang Gutjahr. Die 25-Jährige hat ihren Bachelor in Englisch und Französisch, sieht ihre berufliche Zukunft aber im Handwerk. Foto: Alois Wohlfahrt

Wie sich innerhalb eines Jahres für Maria Rambacher alles verändert hat. Im Februar vergangenen Jahres sah ihre Welt noch ganz anders aus. Studium in Würzburg, in die Uni gehen, im Hörsaal sitzen mit zig Kommilitonen und dann auf die Prüfungen zum Bachelor lernen.

Englisch und Französisch hat die 25-jährige Rügheimerin studiert und die Prüfungen erfolgreich abgeschlossen. Jetzt steht sie in einer Werkhalle am Stadtrand von Hofheim – in Arbeitskluft, Ohrenschützer auf dem Kopf und es riecht nach Holz.

Maria Rambacher lernt Schreinerin im Betrieb von Wolfgang Gutjahr. Die 25-Jährige hat ihren Bachelor in Englisch und Französisch, sieht ihre berufliche Zukunft aber im Handwerk.
Maria Rambacher lernt Schreinerin im Betrieb von Wolfgang Gutjahr. Die 25-Jährige hat ihren Bachelor in Englisch und Französisch, sieht ihre berufliche Zukunft aber im Handwerk. Foto: Alois Wohlfahrt

Und sie ist froh drum, dass es so ist, wie's nun ist. Seit August ist sie Azubi im Hofheimer Schreinerbetrieb von Wolfgang Gutjahr. Angebahnt wurde der Weg zu ihrem Traumjob auch durch ein Projekt der Handwerkskammer für Unterfranken.

Mit Holz hat sie schon früher gerne gearbeitet, zusammen mit ihrem Vater. Aber damals vermutlich nicht im Traum daran gedacht, dass dies einmal ihr Beruf werden würde. Nach dem Abi begann sie ihr Studium, zuerst Lehramt, dann Englisch und Französisch mit dem Bachelor-Abschluss vergangenes Jahr. Dann kam die Überlegung, wie es beruflich weitergehen soll. „Eigentlich bin ich ja ein praktisch veranlagter Mensch“, sagt Maria Rambacher. Und so kam der Kontakt zur Handwerkskammer für Unterfranken zustande.

„Karriereprogramm Handwerk – Vom Campus in den Chefsessel“, heißt das Angebot, das die Handwerkskammer für Unterfranken im Jahr 2012 für Studienabbrecher ins Leben gerufen hat, berichtet Marie Müller. Sie betreut als Karriereberaterin der Handwerkskammer das Projekt in der Region Schweinfurt. 88 Teilnehmer haben in dieser Zeit in Unterfranken den Schritt vom Campus in Handwerksbetriebe gewagt. Lediglich fünf haben die Ausbildung wieder abgebrochen. Zum ersten Mal nimmt an dem Projekt auch jemand teil, der sein Studium nicht abgebrochen hat oder abbrechen musste: Maria Rambacher.

Sie hatte verschiedene Praktika absolviert, war dabei im vergangenen Jahr auch eine Woche in der Schreinerei D.W.G Woodwork von Wolfgang Gutjahr. Hier hat es ihr auf Anhieb „sehr gut gefallen“ und sie wusste sehr schnell, dass sie hier ihre Lehre aufnehmen würde. 17 Mitarbeiter hat der Betrieb von Wolfgang Gutjahr, seit 1978 ist der 56-Jährige Schreiner, zehn Jahre später legte er seine Meisterprüfung ab, vor einem guten Jahrzehnt machte er sich mit der Schreinerei selbstständig.

Schwierige Suche nach Nachwuchs

Geeigneten Nachwuchs zu finden ist in der Branche immer ein Problem. Bei der Nachwuchssuche den Betrieben zu helfen, war der Auslöser, dass das Projekt ins Leben gerufen wurde, so Marie Müller von der Handwerkskammer. Deutschlandweit war die Handwerkskammer von Unterfranken damals die einzige, die ein solches Projekt anbot. Man wollte Betriebe unterstützen, um den Zugang zu Studienabbrechern zu erleichtern, weil ein einzelner Handwerksbetrieb dies so einfach nicht leisten kann. Die Handwerkskammer allerdings kann so gleich für 130 Berufe Werbung machen, so Karriereberaterin Müller.

Einigermaßen überrascht war Gutjahr auf jeden Fall, als Maria Rambacher auf ihn zukam, überrascht, dass jemand Schreiner werden will, der studiert. Und er ergänzt schmunzelnd: nach dem Praktikum sogar positiv überrascht. Oder wie ein Mitarbeiter ihm damals anerkennend sagte: „Sie hat sich gar nicht schlecht angestellt“. Rambacher hatte sich gleich voll eingesetzt, wollte alles wissen, war voll dabei.

Und sie hat etwas voraus, wo es dagegen manchmal bei 16-jährigen Schulabgängern beim Antritt der Lehre hapert: die schulischen Voraussetzungen, so Gutjahr. Zumal mitunter jugendliche Bewerber beim Schreinerhandwerk noch an „Meister Eder und Pumuckl“ denken. Doch hat sich dies in den vergangenen Jahren gebessert, seitdem die meisten Praktika durchlaufen haben.

Anfangs war es eine Umstellung

Das Berufsbild des Schreiners hat sich allein in den vergangenen zehn Jahren gravierend gewandelt. In den Schreinereien hat längst Hightech Einzug gehalten. Die Maschinen hat Rambacher natürlich nicht gekannt, aber PC-Erfahrung aus der Studienzeit mitgebracht und die Einstellung „sich selber etwas beizubringen und sich reinzuhängen“. Trotzdem ist auch immer noch schwere Arbeit zu verrichten. Aber für solche Fälle gibt es auch Hebehilfen.

Dennoch waren die ersten Wochen für Maria Rambacher eine Umstellung. Die körperliche Arbeit, das frühe Aufstehen im Gegensatz zum Uni-Alltag. „Aber man gewöhnt sich schnell dran“, sagt die Rügheimerin lachend, denn im Vergleich zur Studienzeit hat der neue Berufsalltag gleich mehrere Vorzüge: „Wenn Du nach Hause kommst, ist Feierabend“. Zumindest weitgehend, wenn nicht doch noch für die Schule etwas zu lernen ist. Vor allem aber biete ihr das Schreinerhandwerk eines: „Man sieht, was man geschafft hat, du gehst einfach zufrieden heim“.

"Viele hatten Achtung vor diesem Schritt“

Auf Innenausbau hat sich die Firma spezialisiert, so unter anderem für Büros und Praxen. Das Schönste ist für Rambacher dann immer wieder, wenn man nach den vielen Vorarbeiten bei der Kundschaft das fertige Ergebnis sieht, wie sich die Kunden freuen. Und von denen hat sie auch selbst positive Resonanz bekommen, wenn die erfahren, dass sie ja vom Studium ins Handwerk gewechselt ist. Ähnlich „positiv überrascht“ war auch ihr Freundes- und Bekanntenkreis. „Mutig“, war eine der Reaktionen, „und viele hatten Achtung vor diesem Schritt“.

Und sie macht jungen Leuten, die sich mit ähnlichen Gedanken tragen, auch Mut: Einfach einmal ein Praktikum in einem Handwerksberuf wagen, „einfach reinschnuppern, keine Angst haben, obwohl man Abi hat oder ein Studium“, denn auch nach der Ausbildung tun sich viele Möglichkeiten auf. Sie nennt dabei die Meisterausbildung, oder aber auch ein weiteres Studium, Innenarchitektur zum Beispiel, oder Möbeldesign, oder als Berufsschullehrer, oder Holzingenieur, oder, oder, oder, „es gibt einfach so viele Möglichkeiten“, sagt Maria Rambacher lachend.

Dass sie mit dem Schreinerberuf das gefunden hat, was ihr richtig gut liegt, ist vielleicht auch daran zu erkennen, dass sie schon länger nachdenken muss, um die Frage zu beantworten, was ihr an ihrer Arbeit nicht gefällt? „Na ja, das Werkstatt aufräumen. Aber das muss ja auch sein.“

Bereut hat sie ihren Schritt, ins Handwerk umzusteigen, bislang nicht, sagt die Rügheimerin. Denn eines ist für sie besonders wichtig: „Dass ich gerne auf die Arbeit gehe.“ Und das tut sie als angehende Schreinerin.

Weitere Infos zum Karriereprogramm der Handwerkskammer für Unterfranken unter

www.karriereprogramm-handwerk.de

 

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