Sand am Main

Junge Liste präsentiert Idee für ÖPNV im Landkreis Haßberge

Das Zauberwort heißt "On-Demand-Ridepooling". Busse fahren keine festen Linien, sondern kommen auf Anfrage. Kann der öffentliche Verkehr auf dem Land so funktionieren?
Das Konzept "On-Demand-Ridepooling" könnte für den ÖPNV im Landkreis Haßberge eine Lösung sein. Im Landkreis Main-Tauber (unser Bild) wurde diese Idee bereits in die Tat umgesetzt. Foto: Landratsamt

Eine Idee, wie der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) im Landkreis Haßberge umgestellt und attraktiv gestaltet werden kann, stellte am Freitag die Junge Liste (JL) Haßberge bei einer Infoveranstaltung im Hotel-Weingut Goger in Sand vor. Nagelneu ist diese Idee zwar nicht, aber sie hat sich schon bundesweit in vielen Regionen bewährt. Das Zauberwort heißt "On-Demand-Ridepooling" und bedeutet, sich ein Fahrzeug mit Fahrer auf Abruf mit anderen Fahrgästen zu teilen.

Am Beispiel der Berliner Firma door2door verdeutlichte JL-Vorsitzender Julian Müller die Lösungsansätze. Das junge Technologie- und Software-Unternehmen schickt dabei nicht selbst Busse durch die Lande, sondern stellt sein ausgereiftes Programm zur Verfügung. In einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit wird dies auf die Region zugeschnitten, betreut und weiterentwickelt. Door2door ist hierbei das einzige Unternehmen, das sich auf den ländlichen Raum spezialisiert hat und mit dem "Hofer Landbus" oder "FreYfahrt" der Stadt Freyung im Bayerischen Wald schon große Erfolge erzielt hat.

Flexibles System

An einem praktischen Beispiel lässt sich die angedachte Personenbeförderung gut darstellen: Hans möchte von Königsberg nach Haßfurt gefahren werden. Er bucht zur gewünschten Abfahrtszeit ein Shuttle, das ihn in der Regiomontanusstadt abholt. In Oberhohenried steigt Fritz zu, der nach Augsfeld will. In Haßfurt steigt Hans aus, der Bus fährt weiter nach Augsfeld, wo auch die Fahrt von Fritz endet. Dort steigt dann Mathilda zu, die nach Zeil möchte. Dabei sind die Fahrgäste an keinen starren Fahrplan gebunden, sondern können in einem Zeitfenster, zum Beispiel jeden Tag von 6 bis 23 Uhr, ihre Fahrten buchen. Dabei sammeln die Fahrer die Fahrgäste basierend auf dem smarten Routen-Algorithmus ein. Mehrere Fahrgäste werden bedarfsgerecht gebündelt ("gepoolt”). Dabei kann vorgegeben werden, wie groß der maximale Umweg oder die Wartezeit sein soll.

Julian Müller, Vorsitzender der Jungen Liste, stellte bei einer Infoveranstaltung das Konzept "On-Demand-Ridepooling" vor, eine mögliche Lösung für den ÖPNV im Landkreis. Foto: Christian Licha

"Das System ist völlig flexibel und kann nach den Wünschen für unseren Landkreis gestaltet werden", sagte Julian Müller. Die Buchung des Shuttles ist über App, Telefon oder die Homepage möglich, wobei man nie länger als eine halbe Stunde auf die Abfahrt warten muss. Die Abholung kann direkt vor der Haustür erfolgen oder an sogenannten virtuellen Haltestellen, die jeweils nach Bedarf angefahren werden. Der "Hofer Landbus" habe zum Beispiel 182 Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten, die den individuellen Gegebenheiten angepasst sind, erklärte Müller. Nach seiner Einschätzung müssten etwa fünf bis zehn Kleinbusse für den Betrieb im Landkreis Haßberge ausreichen. Ganz wichtig ist es dem JL-Vorsitzenden dabei, dass die örtlichen Bus- und Taxiunternehmen mit eingebunden werden. Das "On-Demand-Ridepooling" soll nämlich keine Konkurrenz zu den Betrieben werden, sondern den ÖPNV intelligent erweitern. Auch die für Haßfurt angedachten Wasserstoffbusse könnten integriert werden. Ebenso müsse man sich Gedanken machen, wie man einen Verkehr über die Landkreisgrenze hinweg mit einbinden will.

Geringe Kosten für die Fahrgäste

Für den Nutzer würden überschaubare Kosten für die Fahrt entstehen. In Hof kostet beispielsweise jede Fahrt drei Euro, egal wie lang die Strecke ist. Schwerbehinderte und sozial Schwache werden dort sogar kostenlos befördert. Das Angebot müsste vom Landkreis subventioniert werden, aber "statt hunderttausende Euro in leere Geisterbusse zu investieren, wäre hier das Geld viel besser und sinnvoller aufgehoben", so Müller. Ebenso müsse abgeklärt werden, welche staatlichen Förderungen möglich sind. Der Landkreis Hof wurde beispielsweise mit über einer halben Million Euro unterstützt.

Die Junge Liste will einen Antrag in den Kreistag einbringen, um ein erstes Gespräch mit den Verantwortlichen von door2door zu suchen. "Natürlich gilt es viele Feinheiten auszuloten, wie das System bei uns funktionieren soll", sagte Müller und wies aber gleichzeitig auf eine relativ kurze Realisierungsdauer von  ungefähr ein bis zwei Jahren hin. Auf ihrer Facebook-Seite erhielt die Junge Liste Haßberge bereits durchweg positive Resonanz auf den Vorschlag.

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