HAßFURT

Junger Mann muss nach Schlag ins Gesicht Geldstrafe zahlen

Verurteilung vor dem Haßfurter Amtsgericht: Jugendrichter Martin Kober wendete das wesentlich schärfere Erwachsenenstrafrecht an.
Weil ein 19-Jähriger betrunken fahren wollte, nahmen ihm seine Freunde den Autoschlüssel weg. Darauf reagierte er mit einem Faustschlag, für den er nun vor Gericht stand. Foto: Daniel Peter

Nachdem er einige Flaschen Bier geleert hatte, setzte sich ein 19-Jähriger am 26. August dieses Jahres kurz nach 23 Uhr hinter das Steuer seines Fahrzeugs und wollte wegfahren. Sein gleichaltriger Kumpel reagierte vorbildlich und zog schnell den Schlüssel aus dem Zündschloss. Darüber war der Angetrunkene derart erbost, dass er dem anderen mit der Faust einen kräftigen Schlag ins Gesicht versetzte. Für diese vorsätzliche Körperverletzung musste er sich nun vor dem Amtsgericht in Haßfurt verantworten. Jugendrichter Martin Kober verhängte nach Erwachsenenstrafrecht eine Geldstrafe von 1750 Euro.

Angeklagter schweigt

Die Tat ereignete sich an einem bekannten Treffpunkt in Ebern. Dort trafen sich an diesem Sommerabend drei Jugendliche, die sich alle in einer beruflichen Ausbildung befinden. Zum Tathergang machte der ohne Rechtsbeistand erschienene Angeklagte keine Angaben. Dies ist in Deutschland sein gutes Recht. Allerdings vergibt er dadurch auch die Chance, eventuell entlastende Gesichtspunkte vorzutragen und dadurch Strafmilderung zu erreichen. Ziemlich teilnahmslos ließ er die Verhandlung über sich ergehen, fast so, als ob er nur Zuhörer wäre.

Das Jugendgericht war bei der Beweisaufnahme auf die Zeugenaussage des Jugendlichen angewiesen, der damals übel zugerichtet wurde. Dieser berichtete, dass der Täter im Laufe des besagten Abends mit zunehmendem Alkoholgenuss immer übellauniger und ausfälliger geworden sei.

Nach kurzer Zeit sei der Beschuldigte in sein Auto gestiegen und habe mit Vollgas eine Runde gedreht. Als er auf dem Parkplatz wieder angehalten habe, liefen der Zeuge und dessen Freund zu dem Alkoholisierten hin und forderten ihn auf, auszusteigen und zu Fuß nach Hause zu laufen. Da der Angeklagte nicht auf sie hören wollte, nahmen ihm die anderen den Autoschlüssel ab – mit den schon beschriebenen Folgen.

Mehrere Jugendstrafen

Da der Geschlagene aus einer geplatzten Oberlippe blutete, rief sein Kumpel die Polizei. Während die Uniformierten schnell für Ordnung sorgten, musste der Verletzte im Ebener Krankenhaus ärztlich behandelt werden. Nachdem in der Ambulanz seine Lippe genäht worden war, konnte er wieder nach Hause gehen. Eine Woche später wurden die Fäden gezogen. Auf Nachfrage der Staatsanwältin schilderte er, dass er einige Tage erhebliche Schmerzen und Probleme beim Essen gehabt habe.

Trotz seines jugendlichen Alters ist der angeschuldigte Auszubildende strafrechtlich gesehen kein unbeschriebenes Blatt. Im Laufe der letzten drei Jahre erhielt er wegen Sachbeschädigung, Körperverletzung und Trunkenheit im Verkehr verschiedene Jugendstrafen. Er hat sogar schon eine Woche im Jugendarrest in Würzburg verbracht.

„Extreme Überreaktion“

Offensichtlich war ihm das keine Lehre, denn trotz schriftlicher Aufforderung erschien er nicht bei Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich. Von daher konnte dieser seine Stellungnahme nur auf ein Gespräch mit dem Angeklagten stützen, das er bereits im Herbst 2017 geführt hatte.

Die damalige Trennung der Eltern, führte der Pädagoge aus, habe dem Jugendlichen schwer zugesetzt und ihn aus dem Gleichgewicht geworfen. Mit Blick auf die Anklage sprach der Fachmann von einer „ex-tremen Überreaktion.“ Er wertete die Tat als jugendtypisch und bescheinigte dem Auszubildenden erhebliche Reiferückstände.

Warnung vom Richter

Der Richterspruch des Vorsitzenden aber beruhte auf dem wesentlich schärferen Erwachsenenstrafrecht. In seiner Urteilsbegründung las Kober dem Verurteilten ordentlich die Leviten. „Für Sie steht viel auf dem Spiel“, sagte er mit warnendem Blick auf den Heranwachsenden. „Der Alkoholkonsum bringt Sie immer wieder in Konflikt mit dem Gesetz. Wenn Sie so weitermachen wie bisher, sitzen Sie in einem Jahr im Knast!“ prophezeite er.

Da weder der Verurteilte noch die Staatsanwaltschaft in Berufung gehen werden, wurde der Urteil noch im Gerichtssaal rechtskräftig. (mwa)

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