SYLBACH

KAB feierte 110-jähriges Bestehen

Die KAB Sylbach feierte ihr 110-jähriges Bestehen mit einem Festgottesdienst in der Kirche in Unterhohenried. Dabei wurden auch langjährige Mitglieder geehrt. Unser Bild zeigt (vorne von links) Pfarrer Stephan Eschenbacher, Reinhold Kram, Hedwig Zech, Irmina Düring, Anton Kram sowie (hinten von links) Diözesansekretär Rudi Reinhart, Karl Kram, Vorsitzenden Hubert Braunreuther und Diözesanpräses Peter Hartlaub. Foto: Ulrike Langer

Mit einem Dankgottesdienst in der Kirche in Unterhohenried feierte die KAB Sylbach ihr 110-jähriges Bestehen. In der Messe, die Pfarrer Stephan Eschenbacher zelebrierte, wurden auch einige langjährige Mitglieder durch Diözesanpräses Peter Hartlaub geehrt.

In seiner Ansprache griff Hartlaub ein Wort von Papst Pius XI. auf, der zu Josef Cardijn, dem Gründer der Internationalen Christlichen Arbeiterjugend, gesagt hatte: „Es ist der Skandal des 19. Jahrhunderts, dass die Kirche die Arbeiter verloren hat.“ Doch, so Hartlaub, der eigentliche Skandal für die Kirche habe nicht im Verlieren der Arbeiter bestanden. Der eigentliche Skandal bestehe darin, dass die Kirche sich, bis auf wenige Ausnahmen, gar nicht um die Verlorenen gekümmert habe.

„Wenn wir also heute dieses Jubiläum feiern, dann feiern wir, dass sich Menschen zusammengeschlossen haben, die sich mit diesem Skandal nicht abfinden wollten. Wir feiern, dass sich Menschen für die arbeitenden Menschen, ihre Sorgen und Nöte eingesetzt haben und sich für Menschlichkeit und Gerechtigkeit in der Arbeitswelt einsetzen.“

Mit Vertrauen in Gott

Dass die KAB Sylbach eigentlich schon am 26. Juli 1908 von Pfarrer und Geistlicher Rat Josef Edelmann sowie Peter Wörtmann, Johann Braunreuther, Karl Lutz und weiteren Männern gegründet wurde, hatte der Vorsitzende Hubert Braunreuther bei seinen Recherchen herausgefunden. Damals nannte sie sich „Katholischer Arbeiterverein“, dessen erster Vorsitzender Josef Braunreuther war. Der Wahlspruch lautete: „Fest Gerüst gebaut, ist auf Gott vertraut.“

Das Vereinsleben hatte Höhen und Tiefen, bis es von 1933 bis 1947 fast zum Erliegen kam. 1949 erfolgte die Wiederbelebung durch Pfarrer Gregor Deppisch und Bürgermeister Andreas von der Saal. Als Vorsitzender fungierte damals Ludwig Kram.

Ebenfalls 1949 wurde der Verein in „Katholisches Werkvolk“ umbenannt, der in den 1950-er Jahren nahezu 100 Mitglieder hatte. Er erhielt 1971 den Namen „Katholische Arbeitnehmerbewegung“, kurz KAB. Deren Mitgliederzahl schrumpfte bis 2015 auf nur mehr 26 Mitglieder.

Kämpfen oder in Würde sterben?

So fand im April 2015 eine Krisensitzung statt, bei der der Diözesansekretär Christopher Issling provokant fragte: „Riskieren wie etwas mit einer Mitgliederwerbung oder wollen wir in Würde sterben?“ Die anschließende Werbeaktion erbrachte schließlich 20 neue Mitglieder, so dass die KAB heute 45 Mitglieder aufweist.

„Wir haben in den vergangenen 110 Jahren die Pfarrgemeinde immer mit Geld- und Sachspenden unterstützt. Das möchten wir auch in Zukunft tun“, so Hubert Braunreuther, der seit immerhin 35 Jahren an der Spitze der KAB steht. Er kündigte an, dass seine Vereinschronik in nächster Zeit in einem Büchlein über die Pfarrei Unterhohenried von Albin Schorn erscheinen wird.

Nach der Messfeier ehrte Peter Hartlaub im Namen der KAB Deutschland Theo Diem für 40-jährige Mitgliedschaft, Hubert Braunreuther für 50-jährige Treue zur KAB sowie Irmina Düring, Rosa Gerber, Hannelore Henneberger, Erika und Erhard Söldner, Hedwig Zech, Anton, Karl und Reinhold Kram für 60 Jahre Zugehörigkeit.

Eine wichtige Stütze der Pfarrei

Anschließend gratulierte auch Pfarrer Eschenbacher der KAB zum Jubiläum. „Verbände haben nicht nur an sich und in sich einen Wert, sie sind auch wichtig Stützen in der Pfarrei. So wie das Evangelium nicht nur ein geistliches Wort ist, sondern auch politisch zu verstehen ist, so sorgt die KAB dafür, dass das Evangelium politisch umgesetzt wird“, sagte er. Auch Bürgermeister Günther Werner lobte die Arbeit der KAB für Kirche, Staat und Gesellschaft. „Das Jubiläum zeigt, dass die KAB Sylbach eine lebendige Gemeinschaft von Christen und Arbeitnehmern war und noch ist. Ihr Engagement ist Ausdruck von Verantwortung, Solidarität und gelebtem christlichen Glauben“, sagte er. Die KAB Sylbach habe immer zur Lösung offener Fragen und arbeitsrechtlicher Probleme beigetragen, damit Verantwortungsbewusstsein und brüderliche Solidarität vor Ort eine Rolle spielten. „Ich danke allen Mitgliedern für ihre Arbeit an ihren Mitmenschen“, so der Bürgermeister, der an den Vorsitzenden eine Geldspende überreichte.

Im Anschluss an den Gottesdienst waren dann alle Besucher zur Feier im evangelischen Gemeindehaus eingeladen.

Die Anekdote am Rande

Bei der Feier zum 110-jährigen Bestehen der KAB Sylbach erzählte der Vorsitzende Hubert Braunreuther eine Geschichte zum Schmunzeln.

So waren 1971 rund 55 Prozent evangelisch und 45 Prozent der Einwohner katholisch. Um den jeweils anderen Teil der Christen zu „ärgern“, nahmen die einen am katholischen Fronleichnamsfeiertag und die anderen am Buß- und Bettag demonstrativ lauter Arbeiten vor.

So schrieb die KAB Sylbach am 17. Januar 1971 einen Brief an die Gemeindeverwaltung und bat zur Verbesserung der Dorfgemeinschaft bezüglich des Arbeitens an den beiden Feiertagen um eine Lösung. Dabei bot sie sich selbst als Vermittler an.

Mit dem Ergebnis: sowohl die katholischen als auch die evangelischen Christen freuten sich ab sofort über einen zusätzlichen „Feiertag“. (ger)

Der Vorsitzende der KAB Sylbach, Hubert Braunreuther, hat eine Vereinschronik verfasst, die in nächster Zeit in einem Buch über die Pfarrei Unterhohenried von Albin Schorn erscheinen wird. Foto: Ulrike Langer

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