RÜGHEIM

Kammermusikalisches Dankeschön

Auf historischem Instrumentarium musizierte das Ensemble „il capriccio” unter dem Titel „Dankgesang” am Sonntag im Schüttbau in Rügheim. Foto: Gudrun Klopf

Unter dem Titel „Dankgesang“ feierte das Ensemble „il capriccio“ mit einem Sonderkonzert im Schüttbau in Rügheim sein 20-jähriges Bestehen. Friedemann Wezel, damals Dozent für Violine an der Berufsfachschule für Musik in Bad Königshofen, gründete im Jahr 1998 mit jungen, engagierten Musikern das Ensemble. Auf den Tag genau vor 15 Jahren habe „il capriccio“ sein erstes Konzert im Schüttbau gegeben, freute sich Barbara Goschenhofer, das Ensemble wieder einmal im Schüttbau begrüßen zu können. Lange Jahre seien die Musiker treue Gäste im Haus gewesen, sei es zu Probentagen, CD-Aufnahmen oder Konzerten.

Mit Schwerpunkt auf dem 17. und 18. Jahrhundert, hat sich das Ensemble mit seinen Programmen ganz der historischen Aufführungspraxis verschrieben. In variabler Besetzung finden die Mitglieder aus dem europäischen Raum – allesamt herausragende Musiker internationaler Ensembles und Berufsorchester – zu gemeinsamen Arbeitsphasen und Auftritten zusammen. Zu dem Konzert im Schüttbau hat Friedemann Wezel, inzwischen Professor an der Musikhochschule Leipzig, Dietlind Mayer an der Violine, Florian Schulte an der Viola und Alessandro Palmiere am Violoncello an seine Seite geholt. Der Titel „Dankgesang“ gelte auch Barbara Goschenhofer, nutzte Wezel die Gelegenheit, sich bei der Vorsitzenden von Kultur e. V. zu bedanken. „Wir sind seit 15 Jahren Teil ihrer Kulturarbeit. Wir sind immer mit offenen Ohren und Armen empfangen worden.“

Der Vater des Streichquartetts

Zum Auftakt erklang mit dem Streichquartett op 77,2 ein Spätwerk von Joseph Haydn. Es sei das letzte von 75 Streichquartetten, das der österreichische Komponist vollendete, so Wezel in seiner Einführung. Als „Vater des Streichquartetts“ brachte Haydn diese Instrumentalkunst zur Blüte und Reife. Sein letztes Streichquartett ist aber keineswegs ein Abgesang. Auch in diesem späten Werk ist Haydns große Schaffensfreude spürbar. Die vier Streicher von „il capriccio“ brachten die Experimentierlust des Komponisten mit filigraner Sensibilität und ausgefeilter Agogik zum Klingen.

Mit dem Mittelsatz des Beethoven-Quartetts Nr. 15, op. 132 präsentierte das Ensemble ein weiteres Spätwerk eines Komponisten. Beethoven versah den dritten Satz des a-Moll-Quartetts mit dem Zusatz „Heiliger Dankgesang eines Genesenden an die Gottheit in lydischer Tonart“. Damit verweist er auf die schwere Erkrankung während der Komposition des Werkes und verleiht seiner Dankbarkeit über seine Genesung Ausdruck – ein Dankgesang mit choralartigen Sequenzen und lange schwebenden Klängen. Energiegeladene Phasen, von Beethoven mit „neue Kraft fühlend“ benannt, und die mit dem Zusatz „mit innigster Empfindung“ bezeichnete dritte Choralstrophe machen das Streichquartett zu einem sehr persönlichen, fast autobiografischen Werk.

Reaktion auf Beethovens Tod

18 Jahre jung war Felix Mendelssohn, als er das Streichquartett a-Moll, op. 13 – das dritte Werk des Konzertabends – als Reaktion auf den Tod Beethovens komponierte. Der früh gereifte Komponist verpackte seine Trauer und Dankbarkeit in ein hochemotionales Tongebilde. Mit einer Fülle von Bezügen und Zitaten aus Beethovens Werken setzte sich der junge Mendelssohn schöpferisch mit dem verehrten Meister auseinander.

Die vier Streicher entlockten ihrem historischem Instrumentarium eine große Bandbreite an Klangfarben – ein ungewohntes Hörerlebnis für die Konzertbesucher. Ein Kaleidoskop musikalischer Vielfältigkeit, gepaart mit großem Einfühlungsvermögen prägte den anspruchsvollen Konzertabend. „Da, wo das Sagbare endet, beginnt solch eine Musik“, so die begeisterte Aussage von Konzertbesucher Heinrich Goschenhofer. „Als Zuhörer glitt man in einen Strom von Emotionen, bei dem man sich zeitweise selbst vergessen konnte.“

Der Applaus bestätigte Goschenhofers Urteil und wurde mit einer Zugabe aus Mendelssohns Quartett in Es-Dur belohnt.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Rügheim
  • Gudrun Klopf
  • Beethoven-Quartette
  • Goschenhof
  • Heinrich
  • Heinrich Goschenhofer
  • Josef Haydn
  • Konzertbesucher
  • Ludwig van Beethoven
  • Rügheim
  • Streichquartette
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!