HAßFURT

Knöllchen und Kinderzimmer

Warum wir das Feuerwerk abschaffen sollten       -  _

Himmel Herrgott, wie kann denn das sein? Die Polizei hat am Ostersonntag ein gutes Dutzend Falschparker am Haßfurter Marktplatz aufgeschrieben. Weil es sich bei den „Sündern“ wohl um die Besucher des höchstösterlichen Festgottesdienstes in der Pfarrkirche handelte, fanden das manche Gläubige recht empörend, schimpften darüber, christliche Werte (welche auch immer) würden hier mit Füßen getreten, und witterten gar die Verfolgung von Kirchgängern.

Die Polizei schickte sich an zu versichern, dass man normalerweise schon ein Auge zudrücke, wenn zu Gottesdienstzeiten Kraut und Rüben geparkt wird, aber spätestens dann Knöllchen verteile, wenn ein Notarztfahrzeug im Einsatz durch im Halteverbot stehende Vehikel behindert werde. Und das war am Ostersonntag eben der Fall. Genau genommen, so sagte es der stellvertretende Haßfurter Polizeichef Kurt Etzel, dürften die Ordnungshüter ja auch keinen Unterschied machen, ob es sich bei den Falschparkern um Kirchgänger, Kinofans oder Kneipenbesucher handelt.

Wenn einerseits die Polizei gerade zu den kirchlichen Hochfesten ein Auge zudrückt, bei denen die regulären Parkplätze ebenso überfüllt sind wie die Kirchbänke, sich andererseits gute Christenmenschen aber bewusst sind, dass es im Grunde keinerlei Rechtfertigung gibt, sie anders zu behandeln als andere Falschparker, dann wäre alles gesagt.

Das Kreuz- und Querparken am österlichen Haßfurter Marktplatz zeigt aber am Beispiel der Kirchgänger auch ein generelles Phänomen unserer Gesellschaft auf: Noch immer glauben viel zu viele Bürger, überall mit ihrem Auto hinfahren zu müssen und dann am besten direkt vor der Türe parken zu dürfen. Was immer ihr Ziel ist, hat gefälligst in drei Metern Entfernung Parkraum für sie vorhanden zu sein.

Freilich hat es auch am Ostersonntag gute Gründe für viele Gläubige gegeben, mit dem Auto zur Auferstehungsfeier zu fahren: Weil die Oma nicht mehr gut laufen kann, weil der Frühstückskaffee so heiß war, dass man andernfalls zu spät gekommen wäre, weil es nun einmal keinen Bus vom Dorf in die Kreisstadt gibt und es zum Radfahren viel zu kalt war. Und so weiter und so fort.

Die Knöllchenaktion vom vergangenen Wochenende sollte aber allen Autofahrern Anlass sein, sich bewusst zu machen, dass es nicht selbstverständlich sein darf, dass immer und überall Platz für ihren fahrbaren Untersatz ist, nur damit sie es bequem haben. Und schon gar nicht dort, wo Wohnraum knapp ist. Man bedenke zum Beispiel: Zwei nebeneinander parkende Pkw verbrauchen einen Platz, der größer ist als die empfohlene Mindestquadratmeterzahl für ein Kinderzimmer.

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