Haßfurt

Kommentar: Die große Corona-Schlacht nicht ohne kleine Häuser

Eigentlich mochte die große Politik die kleinen Krankenhäuser nicht mehr. Dann kam Corona und es zeigte sich, wie wertvoll eine Grundversorgung auf dem Lande sein kann.
Im Kampf gegen das Coronavirus kann auf kein Krankenhaus verzichtet werden, das über eine eigene Intensivstation verfügt.
Im Kampf gegen das Coronavirus kann auf kein Krankenhaus verzichtet werden, das über eine eigene Intensivstation verfügt. Foto: Peter Kneffel

Wie wird die Welt nach Corona sein? Genau weiß das niemand. Aber so viel kann man sagen: anders. Es wird nicht genauso weitergehen wie bisher. Wer jedoch auf die große Einsicht, die weltumspannende Revolution hin zum Guten gehofft haben mag, wird enttäuscht sein. Aber vielleicht mag das Virus auf seiner Bahn des Schreckens und Verderbens doch auch etwas bewirkt haben?

Erinnern wir uns an die Zeit vor der Pandemie. Jedes Jahr neue Schreckensmeldungen über den Fortbestand der Haßberg-Kliniken. Diese und jene Abteilung arbeitet nicht kostendeckend, die Geburtshilfe wird beinahe dichtgemacht. Der Landkreis muss jedes Jahr Millionen von Euro in die Venen des Krankenhauses pumpen, um es am Leben zu erhalten. Gerüchte sehen die Klinik gar an private Interessenten verhökert, die sich die Hände reiben und mit allerlei Blingbling fetten Reibach machen.

Die paar Milliönchen...

Dann kommt Corona. Mit Tausenden von Toten weltweit. Plötzlich lobt jeder das deutsche Gesundheitssystem. Auf einmal ist es ganz toll, in jedem Landkreis ein Krankenhaus zu haben, in dem unter anderem sogar Intensivbetten zur Verfügung stehen. Das jährliche Defizit der kleinen Kliniken, das durch Vorhaltung dieser Behandlungskapazitäten für Coronakranke noch weiter steigen dürfte, weil manch andere Behandlung ausfiel, spielt nun plötzlich keine Rolle mehr. Angesichts der Milliarden- bzw. Billionensummen, die vom Staat und der EU in die Bewältigung der Krise gesteckt werden, würden die paar Milliönchen ja auch geradezu lächerlich wirken. Nicht so aber im Haßberge-Kreis-Haushalt. 

Vielleicht wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, um einmal über eine andere Art der Krankenhaus-Finanzierung nachzudenken? Speziell die kleinen Krankenhäuser auf dem Land nehmen die gesundheitliche Grundversorgung der Bevölkerung wahr.  Durch politische Errungenschaften wie Fallpauschalen wurden sie jedoch selber an den Tropf öffentlicher Töpfe gefesselt. Und eigentlich hatte die große Politik mit den unersetzlichen kleinen Häusern gar nichts Großes mehr im Sinn.

Betten in Hülle und Fülle?

Jetzt, da das Virus aus China seinen Siegeszug um die Welt angetreten hat, können wir in Deutschland und Bayern leicht von oben herab auf die arg gebeutelten Nachbarn in Spanien und Italien hinunterblicken. Und nicht ohne Stolz und Überheblichkeit von den Vorzügen des eigenen Systems schwärmen, gar den Freunden huldvoll ein paar Betten anbieten. Wir haben ja genug davon. Wir hatten aber einmal mehr - und wenn die Pandemie nicht gekommen wäre, wohl bald deutlich weniger. Immerhin wurden auch in Unterfranken zur Vorsorge schon einmal Hotelbetten von der Regierung geordert für den Fall, dass die angeordneten Maßnahmen nicht den gewünschten Effekt zeitigten und zusätzliche Betten benötigt würden. Zum Glück wurden sie - bislang - nicht gebraucht.

Eines Tages...

Eines Tages wird es ein Serum gegen Corona geben. Es wird uns aber nicht gelingen, das Virus  auszurotten. Wir werden damit leben müssen wie mit einer Influenza oder Masern. Wir sollten aber vorbereitet sein. Denn Corona ist nicht das erste Virus, das seine vernichtende Reise um die Welt angetreten hat, und es wird auch nicht das letzte gewesen sein. Es wird sich noch auszahlen, wenn wir nicht nur auf ein paar große Metropolkliniken setzen, sondern auch künftig auf dem Land auf ein funktionierendes Gesundheitssystem zurückgreifen können.

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