Haßfurt

Kommentar: Erschreckende Klischees bei Asylentscheidungen

Wer Asyl bekommen will, muss hohe Hürden überwinden. Die Praxis, wie darüber entschieden wird, offenbart oft auch die Abgründe unserer eigenen Gesellschaft.
Dem Fußball wird oft ein Problem mit Homophobie vorgeworfen. Allerdings gibt es auch immer mehr Gegenbeispiele. Beim TV Haßfurt hat der schwule Flüchtling Prince Otsibu eine 'Ersatzfamilie' gefunden. Weniger Glück hat er dagegen mit den Behörden, die über seinen Aufenthalt entscheiden.
Dem Fußball wird oft ein Problem mit Homophobie vorgeworfen. Allerdings gibt es auch immer mehr Gegenbeispiele. Beim TV Haßfurt hat der schwule Flüchtling Prince Otsibu eine "Ersatzfamilie" gefunden. Weniger Glück hat er dagegen mit den Behörden, die über seinen Aufenthalt entscheiden. Foto: SimonStacpoole

Wer in Deutschland Asyl bekommen will, der muss nachweisen, dass er in seinem Heimatland kein menschenwürdiges Leben führen könnte. Das ist klar und das ist auch richtig so. Gerade für Menschen, die geflohen sind, weil sie in der Heimat wegen ihrer Homosexualität verfolgt wurden, stellt das eine große Schwierigkeit dar: Wie soll man denn bitte "beweisen", zu welchem Geschlecht man sich sexuell hingezogen fühlt?

Dass Behörden dabei kritisch sein müssen und nicht jede Geschichte glauben dürfen, ist klar. Doch die Begründungen, mit denen manche dieser Asylbewerber abgewiesen werden, sind erschreckend und offenbaren, wie tief einige Klischees über Schwule und Lesben noch immer in unserer Gesellschaft verankert sind. Eines der schlimmsten Beispiele stammt aus unserem Nachbarland Österreich, wo ein Beamter allen Ernstes die Homosexualität eines Flüchtlings anzweifelte, weil ihm sein "Gehabe" nicht schwul genug war. Nach dem Motto: Wer sich nicht wie eine typische "Tunte" benimmt, der kann unmöglich schwul sein. Auch sonst ist es ja weit verbreitet, dass sich Menschen einbilden, sie könnten einem anderen Menschen seine Homosexualität am Kleidungsstil oder dem Verhalten anmerken. Auch aus Deutschland gibt es vergleichbare Fälle, wenn auch nicht mit ganz so haarsträubenden Formulierungen.

Es ist traurig, dass noch immer so viele Menschen diese Bilder im Kopf haben. Noch trauriger ist es, wenn diese Klischees zur Grundlage von Asylentscheidungen werden.

Dem im Landkreis Haßberge untergekommenen Ghanaer Prince Otsibu ist die Panik ins Gesicht geschrieben, wenn er sich ausmalt, was ihm blühen könnte, wenn er wieder zurück muss. Was er sagt ist glaubhaft und beklemmend. Wie kann es sein, dass jemand, der seine Geschichte von ihm selbst gehört hat, ihn noch zurückschicken möchte? Es wäre mit großer Wahrscheinlichkeit eine Abschiebung in den Tod.

So mancher denkt jetzt vielleicht: Er ist doch selber schuld, wenn er seine Homosexualität in einem Land auslebt, in dem das unter Strafe steht. Klar, die sexuelle Neigung sieht man einem Menschen nicht an. Wer sich gut unter Kontrolle hat und seine Wünsche unterdrückt, der kann überleben. Aber ist dieses Leben mit der Menschenwürde vereinbar? Falls Sie das Problem der Betroffenen nicht nachvollziehen können, stellen Sie sich doch mal eine Welt vor, in der Sie nicht mit dem Menschen zusammenleben dürfen, den Sie lieben. Und denken Sie, egal ob hetero-, homo- oder bisexuell, dabei an Ihren eigenen Partner oder Ihre Partnerin. Und fragen Sie sich: Wäre das lebenswert?

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