Haßfurt

Kommentar: Haßfurt rettet die Welt

Das Stadtwerk der Kreisstadt leistet gute Arbeit für die Energiewende. Doch wie bei fast jedem Projekt gibt es auch hier Gegenwind.
Stadtwerksleiter Norbert Zösch zeigt Besuchern (hier einigen Politikern der Freien Wähler) die Power-to-Gas-Anlage in Haßfurt. Bei den Projekten wollen Stadt und Stadtwerk die Bevölkerung "mitnehmen". Foto: Sabine Weinbeer

Mit der Aufnahme des Stadtwerks Haßfurt ins Weißbuch der Internationalen Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA) ist es wieder einmal bestätigt worden: Der kommunale Energieversorger spielt eine Vorreiterrolle bei der Energiewende. Eine so große Rolle, dass Stadtwerksleiter Norbert Zösch für seine Arbeit internationale Anerkennung bekommt. Und das vollkommen zu Recht, denn seit Jahren setzt er mit seinen Mitarbeitern zukunftsweisende Projekte um. Dabei arbeitet das Stadtwerk mit Forschungseinrichtungen zusammen, so dass in Haßfurt so manche neue Technologie erstmals im Realbetrieb getestet werden kann.

Damit beweist das Stadtwerk vor allem eines: Die Energiewende ist kein ferner Traum, der sich schön anhört, aber in der Praxis nicht umzusetzen ist. Nein, sie kann funktionieren, wenn es kluge Köpfe mit neuen Ideen gibt und wenn es ihnen gelingt, Partner zu finden, die sie bei der Umsetzung dieser Ideen unterstützen.

Auch der Stadtrat und der Bürgermeister haben ihren Anteil daran, denn ohne Unterstützung aus der Politik würde vieles davon nicht funktionieren. Offenbar scheint in Haßfurt etwas parteiübergreifend zu funktionieren, das in vielen anderen Städten nicht gelingt. Dabei hat die Stadt auch immer Wert darauf gelegt, die Bevölkerung "mitzunehmen". So gibt es Veranstaltungen wie das Bürgerenergieforum und immer wieder Führungen, bei denen sich die Menschen aus der Kreisstadt selbst Einrichtungen wie die Power-to-Gas-Anlage anschauen konnten.

"Die Bevölkerung steht dahinter", sagt Bürgermeister Günther Werner zu den Aktivitäten des Stadtwerks – zumindest mehrheitlich. Denn einige Kritiker haben die Projekte des Stadtwerks noch immer, und die sind auch ziemlich laut. Nach Aussage von Norbert Zösch war es sogar die Bürgerinitiative, die gegen den Windpark im Sailershäuser Wald kämpfte, die letztlich die bayerische Politik dazu inspirierte, die berüchtigte 10-H-Regel zu erlassen, die einen so großen Abstand zwischen Windrädern und Wohnorten vorschreibt, dass neue Anlagen praktisch unmöglich gemacht werden.

Dabei gäbe es viele gute Gründe, auf die Energiewende hinzuarbeiten, selbst für diejenigen, die entgegen aller Erkenntnisse der Wissenschaft am Klimawandel zweifeln und Greta Thunberg für eine hysterische Angstmacherin halten. Zu Recht weisen Norbert Zösch und der ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Josef Fell darauf hin, dass mit jeder Tankfüllung eines deutschen Autos irgendein Ölscheich immer reicher wird und mit diesem Geld möglicherweise Terroristen unterstützt. Es gibt Länder, von denen will man nicht abhängig sein.

Und selbst wenn uns die Abhängigkeit von Ländern mit einem zweifelhaften Verhältnis zu Menschenrechten nicht stört, ist Öl kein Rohstoff, der unbegrenzt nachwächst. Es gibt also eine Menge guter Gründe, nach Alternativen zu suchen. Das Stadtwerk Haßfurt ist dabei auf einem guten Weg. Und die Bevölkerung täte gut daran, stolz auf das Unternehmen aus der eigenen Region zu sein und es bei seinen Bestrebungen zu unterstützen.

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