Kreis Haßberge

Kommentar: Heilsbringer auf Umwegen

Mit seinem Verein "Heimat" will Oliver Kunkel die Welt vor der Klimakatastrophe retten. Es ist erstaunlich, wen er dafür als Unterstützer gewinnen konnte.
Mit seinem Verein "Heimat" will Oliver Kunkel (links) vor allem ein Netzwerk für Klimaaktivisten schaffen. Dafür nimmt er auch mal Bürger mit auf einen Waldspaziergang mit Förster Hans Stark. Foto: Harald Kuhn

Die Entstehungsgeschichte des Vereins "Heimat" klingt skurril. Vor einem Jahr las Gymnasiallehrer Oliver Kunkel, der vorher weder als Kommunalpolitiker noch als Klimaaktivist öffentlich in Erscheinung getreten war, einen Zeitungsartikel über den Klimawandel. Was er schildert, klingt wie ein "Erweckungserlebnis": Mit einem Mal wurde ihm die gesamte Wucht der Bedrohung klar und er beschloss, seine Tätigkeiten als Chorleiter hinzuschmeißen, um alle Zeit, die ihm neben dem Job als Lehrer bleibt, zu nutzen, um die Welt zu retten.

Dafür plante er zunächst, für die Grünen als Landrat zu kandidieren, um als Politiker in eine Position zu kommen, in der er etwas verändern kann. Er brachte sich in Stellung, gab Interviews, machte dann aber kurz vor einer möglichen Nominierung einen Rückzieher: Er wolle sich nicht vor irgendeinen Karren spannen lassen. Zunächst wollte er noch als einfacher Kreisrat kandidieren, doch auch hier zog er seine Kandidatur zurück.

Zu weit unten auf der Liste?

Warum? Darüber kann nur spekuliert werden, doch wenn man sich mit Grünen-Politikern unterhält, die bei der Kandidatenaufstellung dabei waren, entsteht leicht das Bild, dass Kunkel eingeschnappt war, weil er nicht so weit vorne auf der Liste hätte antreten dürfen, wie er gerne gewollt hätte. Klar, die vorderen Plätze sollten an verdiente Kommunalpolitiker gehen. Und an das prominente Neumitglied Norbert Zösch – den Stadtwerksleiter, der Haßfurt zu Weltruhm als Vorreiter der Energiewende geführt hat. Kunkel zog sich also bei den Grünen zurück und gründete seinen Verein zur Klimarettung.

An dieser Stelle könnte die Geschichte zu Ende sein. Oliver Kunkel, abgestempelt als Luftikus, der mit viel Herz aber wenig Sinn für die Realität für ein gutes Ziel kämpft, hätte in der Versenkung verschwinden können. Als Mann, der glaubte, er könne die Welt retten, dann aber erkennen musste, dass man in einer Demokratie nicht einfach auf der Bildfläche erscheint und automatisch von allen als Heilsbringer und Autorität anerkannt wird.

Charisma und realistische Ziele

Doch eben das ist nicht passiert. Stattdessen ist es Kunkel tatsächlich gelungen, zahlreiche bedeutende Personen für seinen Verein zu begeistern. Seriöse Politiker sowie namhafte Klimaschützer und sogar der bereits erwähnte Stadtwerksleiter Zösch sind mittlerweile dabei. Das mag zum einen an Kunkels Fähigkeit liegen, Menschen mitzureißen. Das berichten auch Musikfreunde, die ihn als Chorleiter erlebt haben.

Zum anderen dürfte der Erfolg des Vereins auch darin liegen, dass er trotz der skurrilen Vorgeschichte für vernünftige und realistische Ziele steht. Oliver Kunkel tritt nicht als "Guru" auf, der eine Sekte von Weltverbesserern um sich schart und im Alleingang die Welt retten will. Vielmehr will er ein Netzwerker sein, der etablierte Experten zusammenbringt. Die Landratskandidatur mag eine Schnapsidee gewesen sein, doch auf Umwegen hat Kunkel nun tatsächlich seinen Platz gefunden, an dem er seinen Beitrag gegen den Klimawandel leisten kann.

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