Haßfurt

Kommentar: Lustiges Parteihüpfen im Haßfurter Rathaus

So mancher Kommunalpolitiker hat in den letzten Jahren die Partei gewechselt; vor allem diejenigen mit Bürgermeisterambitionen. Und das Spiel geht munter weiter.
Vor der Wahl geht es rund. Mehrere Kommunalpolitiker haben in den letzten Jahren die Partei gewechselt. Foto: Sebastian Gollnow, dpa

Dass Kommunalpolitiker ihre Partei wechseln, ist in Haßfurt mittlerweile recht häufig. Erinnern wir uns an die denkwürdige Pressemitteilung der SPD, in der die Partei sich vor einigen Monaten darüber lustig machte, dass 2020 sowohl die WG mit Amtsinhaber Günther Werner als auch die CSU mit Volker Ortloff einen Ex-Genossen ins Rennen schicken. Mit dem Text, in dem SPD-Kandidat Stephan Schneider seine Partei als „Kandidatenschmiede“ bezeichnete, brachte die SPD tatsächlich gerade bei der CSU den Wahlkampf erst einmal ganz schön ins Schlingern – dabei hatte die SPD großes Glück, denn die PR-Aktion hätte leicht zum Eigentor werden können. Immerhin hätten WG und/oder CSU die Gegenfrage aufwerfen können, warum der SPD die Kandidaten weglaufen und erst bei einer anderen Partei Erfolg haben.

Was Werner und seinen Herausforderer Ortloff unterscheidet, ist wohl das Motiv für den Parteiwechsel. Ortloff hatte die SPD schon lange verlassen, als die Idee kam, für die CSU anzutreten. Der Parteiwechsel scheint also aus Überzeugung passiert zu sein. Bei Werner war es dagegen eher die Enttäuschung darüber, dass seine eigene Partei ihn nicht als Bürgermeister aufstellen wollte. Im Wahlkampf hatte er sogar öffentlich gesagt, dass er, trotz der Kandidatur für die WG, gern sein rotes Parteibuch behalten hätte, wenn er das gedurft hätte.

Beides sind keine verwerflichen Gründe. Ein Wechsel aus politischer Überzeugung spricht dafür, dass jemand bereit ist, seine eigene Meinung zu hinterfragen – grundsätzlich eine gute Eigenschaft. Und es ist ebenfalls verständlich, dass jemand, der Ideen für die Stadt hat, sich der Partei anschließt, die ihm die Gelegenheit gibt, diese umzusetzen.

Diesen Gedanken hatte nun wohl auch der Stadtrat Michael Spies, der von der CSU zur WG wechselt. Wir erinnern uns: Schon 2014 wollte Spies Bürgermeisterkandidat der CSU werden, doch die Partei entschied sich für Georg Hiernickel. Vor der Kommunalwahl 2020 unterlag er wieder im parteiinternen Auswahlverfahren, diesmal gegen Volker Ortloff.

Gerüchten zufolge hat ihm die WG nun ein Angebot gemacht, das er nicht ablehnen konnte: Wenn Günther Werner nach zwei Amtszeiten in den Ruhestand geht, könnte Spies der neue WG-Kandidat werden.

In diesem Fall wird Spies allerdings seine Taktik ändern müssen. Bisher fiel er ja vor allem dadurch auf, dass er sich mit lauter Kritik und einer ständigen Dagegen-Haltung gegen Bürgermeister Werner und dessen Partei in Stellung bringen wollte; auch so manches Mitglied der CSU schüttelte da den Kopf. Wird er als WG-Kandidat in spe das Gegenteil machen und bei jeder Gelegenheit seine alte CSU attackieren?

So lässt sich schon jetzt, vor der Wahl 2020, über die Kandidaten für 2026 spekulieren. Das wird wohl Spies für die WG sein, für die CSU könnte es Ortloff noch einmal probieren – sei es als „Titelverteidiger“ oder im zweiten Anlauf – und die SPD könnte wieder ihren Dauerkandidaten Stephan Schneider ins Rennen schicken – sei es als „Titelverteidiger“ oder im vierten Anlauf. Und vielleicht gibt es dann noch einen vierten Kandidaten: Wie wäre es denn mit einem Ex-CSU-, Ex-WG- oder Ex-SPD-Mitglied, das dann für die Grünen antritt, weil ihn die eigene Partei nicht aufstellen will?

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