Haßfurt

Kommentar: Nach der Wahl ist Mut und Gestaltungswille gefragt

Und egal, wer Gemeinderat, Bürgermeister oder Landrat ist: Es geht nicht um den einzelnen oder die Partei, sondern ums große Ganze.
Nach der Wahl heißt es wieder: Kräftig zupacken! Der Landkreis und seine Kommunen wollen gestaltet und fit für die Zukunft gemacht werden.
Nach der Wahl heißt es wieder: Kräftig zupacken! Der Landkreis und seine Kommunen wollen gestaltet und fit für die Zukunft gemacht werden. Foto: rené Ruprecht

Amtsinhaberbonus hin oder her, es war schon eine Überraschung, dass Wilhelm Schneider die Landratswahl mit so deutlichem Vorsprung vor Wolfgang Brühl gewonnen hat. Nichts anderes gilt für den Haßfurter Bürgermeister Günther Werner, der trotz zweier Herausforderer gleich im ersten Wahlgang durchmarschiert ist mit aufgerundet soliden 60 Prozent der Wählerstimmen.

Beide, Landrat und Kreisstadtbürgermeister, haben ein starkes Mandat für die kommenden Jahre. Und das ist auch gut so. Wer so viel Vertrauen seiner Wähler bekommt, erwirbt damit automatisch "die Lizenz zum Gestalten" - und genau genommen auch die Pflicht. Ob es um Arbeitsplätze oder den Klimawandel geht, die medizinische Versorgung, den ÖPNV oder bezahlbaren Wohnraum: Kreis und Kreisstadt stehen vor großen Aufgaben, hier wie dort wird es Entscheidungen und manche Richtungsänderungen geben müssen, die das Leben der Bürger verändern und nicht immer zum Bequemeren hin.

Schneider wie Werner müssen mutig neue Wege beschreiten. Dafür braucht der eine im Kreistag und der andere im Stadtrat Mehrheiten, über die keiner von beiden mittels der eigenen Partei oder Gruppierung verfügt. Der Bürger muss darauf vertrauen können, dass alle Räte und Fraktionen Projekte mittragen, von deren Sinn und Notwendigkeit sie überzeugt sind, und nicht Opposition um der Opposition willen betreiben. Hier ist Kooperation zum Wohle der Allgemeinheit gefragt, die nichts mit dem Abnicken von Entscheidungen zu tun hat.

Nicht anders ist dies natürlich in allen Kommunen des Landkreises, ob der Bürgermeister nun mit überwältigender Mehrheit gewählt worden ist wie in Königsberg. Hier hat Claus Bittenbrünn trotz eines Gegenkandidaten prozentual mehr Stimmen erhalten als die meisten Amtsinhaber, die "solo" in den Ring gestiegen sind. Oder ob es richtig knapp war wie in Stettfeld, wo Rathauschef Alfons Hartlieb vorläufig Kopf an Kopf mit Diana Galefske geendet ist: die Stichwahl wird es in 14 Tagen entscheiden.

Die Wahl hat Sieger und Verlierer hervorgebracht, es gibt gepinselte und verletzte Eitelkeiten, und auch nach dem Sonntag unterschiedliche Vorstellungen von richtig und falsch. Ab jetzt muss aber wieder die Devise lauten:  Es geht nicht um den einzelnen oder die Partei, sondern ums große Ganze auch im Kleinen, der Kommunalpolitik - sie ist die Basis der Demokratie. Und auch hier ist die nächste Legislaturperiode immer die wichtigste und schwierigste. 

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