HOFHEIM

Kommentar: Warum das zehnte auch das letzte BMW-Treffen ist

BMW-Treffen am Sonntag, 21. Juli, in Hofheim. Foto: Martin Schweiger

Wie weit geht meine persönliche Freiheit? Wie weit darf sie gehen? Die Antwort ist relativ einfach: Sie darf nicht die Freiheit eines anderen behindern, beeinträchtigen, stören. Wenn also ein ambitionierter Waffennarr zum Beispiel der Meinung ist, dass seine persönliche Freiheit beinhaltet, mit einem scharfen Gewehr auf dem Marktplatz von Haßfurt, Zeil, Hofheim herumballern zu dürfen, mit der Begründung: „Weil es mir Spaß macht und das ist mein Hobby“, dann könnte das Erwachen dieses Umnachteten unangenehm werden. Und es scheint da derzeit einen Trend in diese Richtung zu geben. Sich selbst alles rausnehmen dürfen, ohne Rücksicht auf Verluste, aber wehe der Nachbar...

In Hofheim gab es letzten Sonntag ein großes Treffen von BMW-Fahrern. Zum zehnten und letzten Mal übrigens, denn die Attraktivität der Veranstaltung hatte wohl in den letzten Jahren etwas gelitten. Die Organisatoren wollen auch den Grund dafür ausgemacht haben, warum nicht mehr so viele Autoliebhaber ihre herausgeputzten Kaleschen in der Haßbergmetropole ausstellen wollten. Die Polizei war wieder mal der Böse.

Die Vorwürfe sind konkret. Die Ordnungshüter haben doch tatsächlich ein Auge auf die Vehikel geworfen und diese beanstandet, wenn sie größere Mängel aufwiesen. Das passiert doch beim TÜV sowieso, wird sich Otto Normalautofahrer denken. Und damit hätte er nicht ganz Unrecht, wenn die BMW-Freaks dort mit ihren Autos in dem gleichen Zustand vorführen, wie sie dies in Hofheim tun – beziehungsweise taten.

Wie es sich für leidenschaftliche Tuner gehört, werden an den Autos alle möglichen und unmöglichen Veränderungen vorgenommen. Dass dadurch die Verkehrssicherheit leidet, kann man sich leicht vorstellen, die Polizei aber nicht tolerieren.

Bei den Kontrollen im Umfeld der Veranstaltung gab es laut Polizeibericht 30 Beanstandungen. Zwei Fahrzeugen mussten die Beamten die Weiterfahrt wegen erheblicher Mängel untersagen. Fünfmal kassierten die BMW-Freunde Bußgelder wegen Erlöschens der Betriebserlaubnis, zehn Piloten fielen bei Geschwindigkeitskontrollen wegen Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit auf. Zehn weitere Fahrer müssen die Beseitigung ihrer unzulässigen Mängel bei einer Polizeidienststelle nachweisen. In manchen Fällen gab es für die Hightechfahrzeuge die Auflage, dass zusätzlich der TÜV noch einmal die Beanstandungen begutachtet.

So hübsch manches Aufpeppen auch aussehen mag, es gibt Regeln, die eingehalten werden müssen. Der Straßenverkehr ist eine zu ernste Angelegenheit, um ihn der Eitelkeit von „Frisierern“ auszuliefern. Wenn solche Männer in ihren fliegenden Kisten andere Verkehrsteilnehmer plattmachen, nützt es diesen nur wenig, wenn auf ihrem Grabstein steht, dass sie von einem besonders schön verschraubten Hobel glattrasiert wurden.

Gerade die Automarke BMW hat in ihrer langen Geschichte eine Reihe von wunderschönen Modellen herausgebracht, die Automobilgeschichte geschrieben haben, wie zum Beispiel der im Motorsport sehr erfolgreiche 328, der wohl berühmteste Vorkriegs-BMW, der legendäre „Barockengel“ (bekannt aus der Fernsehserie „Isar 12“), die „Isetta“, der Roadster 507, der von Giugiaro designte „M1“, der „Z1“, von BMW als Image- und Technologieträger konzipiert, der „Z8“ von James Bond und nicht zuletzt auch dessen damals schon fast autonom fahrender 750i.

Alles traumhafte Fahrzeuge, die man sich vorstellen kann mit echten BMW-Freunden am Volant – als Macho vielleicht noch mit einem attraktiven Bondgirl auf der Kühlerhaube –, aber ganz sicher nicht mit einem angeschweißten Riesenflügel auf dem Autohintern.

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