HAßFURT

Kommentar: Warum wir das Feuerwerk abschaffen sollten

KINA - Weißt du es noch?
Bevor uns irgendwann die ganze Welt um die Ohren fliegt: Wäre es nicht besser, die ganze Silvesterknallerei abzuschaffen. Foto: Annette Riedl/dpa

Silvester ante portas, könnte man den drohend nahen Jahreswechsel frei nach Loriot benennen. Das heißt, ein neues Jahr steht vor der Tür, ein Jahr, in dem sich so manches verändern wird. Ein Wahljahr. In vielen Gremien werden Ratsmitglieder ausscheiden, neue dazukommen, die Sitzverteilung sich ändern.

Das sind aber nur Veränderungen im Kleinen. Auch die gesamte Gesellschaft ist einem Wandel unterworfen wie kaum seit dem Ende des letzten Krieges. Auf der einen Seite ist ein verabscheuungswürdiger Rutsch in ewig gestrige nationale Radikalpositionen zu verzeichnen. Die Greta-Generation andererseits will die Sünden ihrer Vorfahren nicht mehr kommentarlos hinnehmen, sich nicht den – teils ungeschriebenen – Gesetzen ihrer Eltern unterwerfen. Lustigerweise gab es einen ähnlichen Aufstand bereits vor rund fünf Jahrzehnten, als die 68er den „Muff von tausend Jahren unter den Talaren“ lüften wollten.

Aber wenn wir schon unser Leben von Grund auf und ohne teils lieb gewonnene Gewohnheiten neu gestalten wollen – Beispiel Ernährung mit weniger Fleisch, Fahren ohne Benzin- und Dieselmotoren, Fernseher braucht's nicht, Information vorwiegend über Social Media –, warum gehen wir nicht einen Schritt weiter und schneiden gerade jetzt noch ein paar weitere, wirklich nervige Zöpfe ab?

Gemeint ist das alljährliche Silvesterfeuerwerk. Es ist müßig aufzuzählen, dass Jahr für Jahr hier rund 150 Millionen Euro einfach in die Luft geschossen werden. Allein in Deutschland werden jedes Jahr fast 50 000 Tonnen Feuerwerksartikel verkauft. Etwa 5000 Tonnen Feinstaub werden in die Luft geblasen und treiben dort noch eine ganze Zeit lang ihr Unwesen. Regelmäßig müssen nach dem Jahreswechsel deutschlandweit 8000 Menschen mit Verletzungen durch Feuerwerk und Co. medizinisch behandelt werden. Von den leidenden Kreaturen im Wald und hinter dem heimischen Herd ganz zu schweigen.

Naturreligionen spielen in Zeiten, in denen sogar Austritte aus den christlichen Kirchen stetig zunehmen, keine Rolle, was für Götzen und Geister sollten also beim Jahreswechsel vertrieben werden? Gottseidank dagegen sind die Kanoniere von der Zeiler Wallfahrtskirche endlich vertrieben worden. Aber wäre es nicht besser, gleich das ganze überflüssige Geballere komplett abzuschaffen?

Mit gutem Beispiel geht hier ein Baumarkt in Haßfurt voran. Das Unternehmen hat sich dazu entschlossen, in diesem Jahr – im Gegensatz zu bisher – keine Feuerwerksartikel zu verkaufen. Wer ein Symbol für einen guten Neuanfang und ein glückliches neues Jahr haben möchte, kann sich dort mit Glücksklee und Weihnachtsstern versorgen. Natürlich kann die Schwalbe des guten Beispiels des Haßfurter Marktes allein noch keinen Sommer machen, aber getreu dem Greta'schen Prinzip und im Zeichen einer Grünisierung des Landkreises – man denke hier nur an die Anstrengungen des Stadtwerks Haßfurt, ab 2020 zu hundert Prozent regional erzeugten Strom anzubieten – ist die Verweigerung des Marktes mehr als ein erster Schritt in die richtige Richtung.

In Anlehnung an den legendären Wahlspruch „Göller statt Böller“, den eine Handvoll junge Leute vor etlichen Jahren im Landkreis Haßberge kreierte, sei dem Baumarkt hiermit das Silvestermotto verliehen: „Lieber Obi statt Gobi.“

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