ELTMANN

Kommentar: Wie Eltmann Zeil das Hallenbad abgekauft hat

Kommentar: Wie Eltmann Zeil das Hallenbad abgekauft hat
Neben dem bestehenden Eltmanner Freibad soll ein Hallenbad als Kombibad entstehen. Foto: René Ruprecht

Das Zeiler Bad ist Vergangenheit. Eine Expertenkommission hat sich inzwischen dafür ausgesprochen, ein mögliches – dringend notwendiges – neues Bad in Eltmann neben das bestehende Freibad zu bauen. Aber schon vor diesem Urteil war unübersehbar, dass zwar öffentlich gerne von einem Allianzbad gesprochen wird, eine solche Lösung aber wohl keine ernsthafte Option darstellt.

Das Beispiel Hofheim hinkt. Dort sind mehrere Kommunen rings um die Haßgaumetropole versammelt, die über kein eigenes Bad verfügen, also kein solches unterhalten müssen. Zudem gehört das Hofheimer Hallenbad dem Landkreis, was die Sache deutlich erleichtert.

In Zeil sieht das anders aus. Die ehemalige Zuckerstadt ist nahezu pleite, musste mangels Finanzkraft Stabilisierungshilfen vom Freistaat Bayern beantragen: 2017 etwa eine Million, 2018 rund 500 000 Euro. In den nächsten zwei bis drei Jahren hätte die Stadt Zeil in das bisherige Hallenbad zwischen 600 000 und 700 000 Euro für den laufenden Betrieb investieren müssen. Zuletzt musste die Stadt jährlich ein Defizit von bis zu 250 000 Euro ausgleichen. Was beinahe einer Harakiri-Aktion gleichkam, denn als durch Stabilisierungshilfen unterstützte Stadt durfte Zeil eigentlich keine sogenannten „freiwilligen Leistungen“ übernehmen.

So verwunderte es auch nicht, dass die Stadt Zeil vielleicht einen Neubau – auch als etwaiges Allianzbad mit den anderen neun Kommunen der „Lebensregion plus“ Sand, Knetzgau, Rauhenebrach, Eltmann, Oberaurach, Ebelsbach, Stettfeld, Kirchlauter und Breitbrunn – in Zeil nicht mit letzter Konsequenz verfolgte, denn letztlich wäre der teure Unterhalt wieder an ihr hängen geblieben – und das kann Zeil eben nun mal nicht bezahlen.

Zudem hatte Eltmanns Bürgermeister von Anfang an signalisiert, wenn er für ein Allianzbad in Zeil zahlen sollte, müsste auch sein Freibad entsprechende Unterstützung von einer Allianz erhalten, da das Eltmanner Bad ja ebenfalls von den Bürgern der umliegenden Gemeinden genutzt wird. Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Wenn Zeil Geld aus Eltmann bekäme, um sein Bad bezahlen zu können, es andererseits Geld nach Eltmann zahlen sollte, könnte Zeil es doch gleich wieder selber versuchen. Was aber wohl durch eine Art finanzielle Entmündigung von der Aufsichtsbehörde ohnehin unterbunden würde.

Potenzielle Alliierte wie Knetzgau und Haßfurt sind mit ihren eigenen Anlagen beschäftigt. Knetzgau ist ebenfalls sanierungsbedürftig. Die Stadt Haßfurt wendet jedes Jahr einen siebenstelligen Betrag für den Ausgleich des Defizits seines Freizeitzentrums auf. Außerdem muss demnächst das Haßfurter Freibad mit einem Aufwand von rund acht Millionen Euro renoviert werden. Die Fördersituation ist hier nicht gerade rosig. Es sieht also nicht gut aus mit einer Gemeindeallianz für ein Allianzbad Eltmann.

Zwar wäre es Sache des Landes und in gewisser Weise auch des Landkreises, die für den Schulsport im Lehrplan vorgeschriebenen Schwimmanlagen zu schaffen. Aber – siehe oben – der Kreis hat nach seinem jüngsten Badneubau in Ebern nun auch noch Hofheim an der Backe. Und das bei den ohnehin gewaltige Belastungen durch Schulen, Krankenhäuser und mehr.

Eltmanns Bürgermeister weiß also deshalb insgeheim wohl schon, dass die Lasten eines unbedingt erforderlichen Kombibades aus Frei- und Hallenbad allein an seiner Stadt hängen bleiben werden.

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