KOTTENBRUNN

Kottenbrunn: Dorferneuerung ist nach 40 Jahren abgeschlossen

Zum Abschluss der Dorferneuerung feierten die Bürger in Kottenbrunn ein Dorffest. Foto: Gerold Snater

„Was lange währt, wird schließlich gut!“, so könnte man die Dorferneuerung von Kottenbrunn, dem kleinsten Stadtteil von Königsberg beschreiben. Denn das Verfahren wurde vor 40 Jahren, 12. Juli 1979 angeordnet. Dreizehn Jahre dauerte es anschließend bis zur Planfeststellung. Weitere neun Jahre gingen ins Land, bis die Neuverteilung der Grundstücke mit Besitzeinweisung erfolgte. Offen gelegt wurde der Plan 2008, der neue Rechtszustand 2010 erreicht.

Es verstrich insgesamt viel Zeit. Doch die wurde sinnvoll genützt. Denn in Kottenbrunn wurde erstmalig auch eine Flurneuordnung durchgeführt, die mit Dorferneuerungsmaßnahmen erweitert wurde. Die Grundstücke wurden nach neuen Bewirtschaftungskriterien zusammengelegt und alle Grundstücke wurden durch neue ausgebaute Wege erschlossen. Besitzverzahnungen mit der Nachbargemarkung Dörflis konnten durch Flächenüberweisungen aufgelöst werden. Die Verfahrensfläche betrug insgesamt 124 Hektar, verteilt auf 190 Flurstücke, im Besitz von 22 Eigentümern.

Die Baumaßnahmen verschlangen insgesamt 1,5 Millionen Euro, wurden aber mit 1,2 Millionen Euro gefördert. Der Fördersatz in der Flur betrug 97,2 Prozent. Im Dorf selbst wurden die Maßnahmen mit rund 50 Prozent gefördert.

Grundstücke genau vermessen

Im Ortsbereich wurden die Grenzen mit den Grundstückseigentümern neu geregelt und genau vermessen. Alle landwirtschaftlichen Hofgrundstücke erhielten durch die Ortsringwege eine rückwärtige Erschließung.

Somit liegen nun neben den öffentlichen Zufahrten auch genaue Flächen und Grenzangaben vor, was langfristig der Rechtssicherheit und dem Dorffrieden dient.

Zudem wurden im Dorf das Rathaus, das ehemalige Brauhaus und der Kinderspielplatz neu gestaltet und wurden private Baumaßnahmen finanziell gefördert. Zum Abschluss der Dorferneuerung wurde 2019 der Dorfplatz neu gestaltet und der Feuerlöschteich naturnah umgebaut und der historische Dorfbrunnen reaktiviert.

Auch für den Naturschutz wurde etwas getan. So wurden rund 1,7 Hektar als Obstbaumstreifen und Heckenstreifen in der Feldflur und zur Ortseingrünung angelegt.

Dass die Dorferneuerung das Aussehen und den Anblick von Kottenbrunn äußerst positiv verändert hat, davon konnten sich am Sonntag viele Gäste selbst überzeugen. Begonnen wurde der Festtag mit einem von Pfarrer Dieter Grimm gehaltenen Gottesdienst, den der Posaunenchor Köslau-Dörflis mit ausgestaltete. Der Geistliche stellte seine Predigt, passend zum Anlass des Gottesdienstes, unter das Thema „Brunnen“ und hatte entsprechende Liedtexte ausgewählt. Nach der Begrüßung der Gäste durch Raimund Wendel vom Amt für Ländliche Entwicklung und Vorsitzender des Vorstands der Teilnehmergemeinschaft Kottenbrunn segnete der Geistliche den neuen Dorfbrunnen.

In der darauf folgenden Rede beschäftigte Baurat Raimund Wendel sich mit der Gestaltung des Dorfplatzes, bei dem kleine, aber doch auch komplizierte Probleme auf kurzem Wege mit den Bürgern gelöst wurden. Er endete mit dem Wunsch, dass die Bürger von Kottenbrunn am neuen Dorfbrunnen zu vielen Gesprächen und vielen gemeinsamen Stunden zusammen kommen, „wo man sich vielleicht auch mal streitet, aber zum Schluss immer wieder zusammenfindet“.

Wirtschaftsstruktur im Wandel

Bürgermeister Bittenbrünn machte sich unter anderem Gedanken über den Wandel der Zeit in der Dorfentwicklung auch hinsichtlich Kottenbrunn: „Unsere schnelllebige Zeit macht auch vor einem idyllischen Dorf nicht Halt. Im Gegenteil. Gerade der ländliche Raum hat in den vergangenen Jahrzehnten erfahren, wie schnell und gravierend sich Wirtschafts- und Sozialstrukturen wandeln können. Dieser Herausforderung haben wir uns gestellt.“ Die Dorfbewohner seien nicht mehr alle, zum Teil sogar nicht einmal mehrheitlich in der Landwirtschaft tätig. Während es früher die Landbewohner in die Städte gezogen habe, ziehen heutzutage wieder Städter aufs Land, um hier ruhiger, preisgünstiger und vor allem wesentlich nachhaltiger und in einer kinderfreundlichen Umgebung zu wohnen.

Für den Bürgermeister folgt daraus, dass Orte im ländlichen Raum neue Angebote brauchen, um attraktiv für Bewohner und Investoren zu bleiben. „Langer Rede kurzer Sinn: Um im Wettbewerb zwischen den Dörfern zu bestehen und um dem demografischen Wandel bei uns dem Rückgang der Bevölkerungszahlen zu begegnen, muss ein Ort in die Dorferneuerung investieren.“

Bürger wirkten mit

Der wichtigste Faktor für Bittenbrünn bei der Umsetzung der Dorferneuerung in Kottenbrunn war dabei die Mitwirkung der Bürger: „Nur wenn die Bürgerinnen und Bürger das Projekt akzeptieren und mittragen, kann es gelingen. Die Dorferneuerung, die wir heute feiern, ist deshalb Ihr Werk, liebe Kottenbrunner Mitbürgerinnen und Mitbürger.“ Sein besonderer Dank galt in diesem Zusammenhang besonders Ortssprecher Hermann Stubenrauch, der „sich beispiellos in die Sache eingebracht und sich für Kottenbrunn große Verdienste erworben hat.“ Er vergaß aber nicht den Projektleiter Raimund Wendel, „der diese Dorferneuerung mit viel Enthusiasmus und Engagement mit Herz durchgeführt hat.“

Weitere Ansprachen kamen von stellvertretendem Landrat Oskar Ebert, MdL Steffen Vogel und Ortssprecher Hermann Stubenrauch. Ebert ging darin auch auf die Bedeutung einer Dorferneuerung ein. Für ihn sei der wichtigste Erfolg die Tatsache, dass sich die Menschen bei einer Dorferneuerung zusammen setzen und sich gemeinsam Gedanken machen, wie sich ihr Dorf weiter entwickeln soll.

Landtagsabgeordneter Steffen Vogel bedankte sich beim Amt für ländliche Entwicklung, das wunderbare Arbeit leiste und gut mit den Bürgern zusammen arbeite. Er sieht das Geld in Dorferneuerungen sehr gut angelegt, denn dann gehe es dem ländlichen Bereich besser. „Der Staat lässt kleine Orte nicht im Stich!“, so seine Aussage.

Konsequent durchgezogen

Ortssprecher Stubenrauch bedankte sich zu Beginn seiner Ausführungen zunächst bei der den Bau ausführenden Firma Koch aus Hellingen für die fast kameradschaftliche Zusammenarbeit in den letzten zwei Jahren, vergaß dabei aber nicht das Amt für ländliche Entwicklung und den Stadtrat von Königsberg mit Bürgermeister Bittenbrünn an der Spitze, die nach langem Hin und Her unter der Leitung von Raimund Wendel die Dorferneuerung überplant und konsequent durchgezogen haben.

Zum Schluss hatte Stubenrauch noch eine Überraschung parat. Er präsentierte das von Kreisheimatpfleger Günter Lipp entworfene neue Dorfwappen für Kottenbrunn. Als zentrales Bild zeigt es einen Brunnen. Die Lanze ist dem Entdecker der Quelle Kotto gewidmet. Die blaue Leinenblüte ist der Hinweis auf einen früheren Leinenweber. So gibt es in Kottenbrunn den Hausnamen “Leinaweber“. Das Gelb des Hintergrundes deutet auf die Getreidefelder hin, die dem Beobachter ins Auge stechen, wenn er im Juli, von Königsberg kommend, den Wald verlässt.

Es schloss sich das Dorffest an, bei dem sich alle Kottenbrunner viel Mühe gaben, ihre zahlreichen Gäste mit kulinarischen fränkischen Genüssen und passenden Getränken zu versorgen.

Dass der Pumpbrunnen funktioniert, davon wurde sich gleich überzeugt. Foto: Gerold Snater

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