HOFHEIM

Krankenhausschließung schwächt Hofheim

Aus und vorbei: Ende Juni 2017 endet die Krankenhaus-Ära in Hofheim. Foto: Alois Wohlfahrt

„Dies ist kein erfreulicher Tag für Hofheim“. Mit diesen Worten kommentierte Bürgermeister Wolfgang Borst die Schließung des Hofheimer Krankenhauses zum 30. Juni während der Infoveranstaltung am Montagabend im voll besetzten Pfarrheim. Er war damit einer Meinung mit den meisten Anwesenden.

Der Vorstandsvorsitzende der Haßbergkliniken, Stephan Kolck, nannte Zahlen: 45 Prozent der Krankenhäuser in Bayern schreiben rote Zahlen. Seit dem Jahr 2003 mussten 73 Krankenhäuser in Deutschland schließen. Zwischen 2003 und 2013 haben in Bayern elf Krankenhäuser geschlossen, 74 Prozent davon in ländlichen Gebieten. „Wenn nichts passiert, erwirtschaften wir im Jahr 2021 ein Minus von jährlich 5,22 Millionen Euro“ sagte Kolck.

Zehn Jahre lang Gewinn gemacht

Wolfgang Borst betonte, dass das Hofheimer Krankenhaus nach der Umstrukturierung im Jahr 2004 zehn Jahre lang Gewinne gemacht habe. Der Trend gehe jedoch immer mehr zur ambulanten Behandlung. Die stationären Belegzeiten reduzieren sich. Erfreulich sei, dass nun die ambulante Versorgung ausgebaut werde.

Drastische Worte fand Günther Geiling aus Eichelsdorf, der im Jahr 2004 noch maßgeblich bei der Rettung des Krankenhauses beteiligt war: „Hofheim wird beerdigt“, urteilte er unter dem Applaus des Publikums. Die Schließung des Krankenhauses sei „ein schmerzhafter Standortverlust ohne Ende“ und „politisch falsch“.

Landrat Wilhelm Schneider erwiderte, dass die 25 Betten in Hofheim nicht zu halten seien. Wesentlich sei aber, dass die medizinische Versorgung im ganzen Landkreis gestärkt werde. Der Verbleib der Kardiologie in Hofheim sei gesichert und nicht nach Schweinfurt abgewandert, so Schneider.

„Hofheim wird geschlachtet“

Maximilian Freiherr Truchseß von Wetzhausen kritisierte die „mangelnde Durchsichtigkeit“. Die Klinik in Haßfurt mache ein „Riesendefizit“. Dies ändere sich aber nicht, indem man Hofheim schließt, sagte er und erntete Beifall. „Wenn ich in Zukunft krank bin und aus dem nördlichen Landkreis komme, dann fahre ich gleich nach Schweinfurt und nicht nach Haßfurt“, meinte der 89-Jährige. „Hofheim wird geschlachtet“. Es sei erschreckend, dass erst ein Defizit anwachsen müsse, bevor man merkt, dass man „auf dem falschen Dampfer ist“.

Kolck erwiderte, dass man mit dem Ausbau der Ambulanz, der Altersmedizin und dem dezentralen Arbeiten sehr wohl ein Konzept habe. Ein Defizit sei erstmals im Jahr 2014 aufgetreten, sodass man nicht zu spät reagiert habe.

Kein Personalabbau

Gerhard Koch vom FUKS (Förderkreis zur Unterstützung des Hofheimer Krankenhauses) sagte, die Politik „bis nach Berlin“ habe versagt. Er fragte, was aus dem Personal werden soll. Kolck versprach, dass alle Arbeitskräfte, die im Hofheimer Krankenhaus gearbeitet haben, in den beiden anderen Häusern in Ebern und Haßfurt gebraucht würden. Es sollen keine Arbeitskräfte entlassen werden. Der Personalabbau solle durch Fluktuation erfolgen. Hebammen hätten nach einem Wegfall der Geburtshilfe gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt, da es sich um einen Mangelberuf handle.

Heinrich Brückner aus Hofheim warf ein, dass 50 Prozent der Krankenhäuser kein Defizit machen. „Bamberg macht 200 Betten neu, wir machen zu.“ Was machen die besser, wollte er wissen. Wolfgang Borst antwortete, dass es sich dabei um überregionale Kliniken wie das Leopoldina in Schweinfurt oder das Bezirkskrankenhaus in Werneck handle, die neben der Allgemeinversorgung auch spezifische Abteilungen für Hüft-OP und andere haben, mehr Betten haben und daher besser aufgestellt sind.

Der Krankenhausseelsorger, Diakon Manfred Griebel, appellierte, dass Schuldzuweisungen zu nichts führen. Gemeinsam sollte eine neue Chance ergriffen werden.

Der ehemalige Hausarzt Dr. Wolfgang Theißen aus Kleinmünster schlug vor, zusammen mit der Hofheimer Praxis „Schmerz-Weg“ Betten im Reha-Bereich halten zu können. Landrat Schneider sagte, dass diese Leistungen von den Krankenkassen nur schlecht bezahlt würden.

Ernüchternde Zahlen nannte Jochen Baierlein vom beauftragten Gutachterbüro. Demnach würde nicht einmal jeder zweite Landkreisbewohner im Krankheitsfall eine der drei Haßbergkliniken aufsuchen.

Patienten wandern ab

Nur 41 Prozent würden sich dort behandeln lassen. 59 Prozent gingen gleich in andere Krankenhäuser außerhalb des Landkreises. Die Entfernung zum Krankenhaus sei sekundär geworden. „Es geht nur um Qualität“ betonte Baierlein. Deshalb seien klare Strukturen in den Kliniken des Landkreises nötig.

Ein bitteres Resümee zog Dr. Sabine Leucht, die auch weiterhin ihre Praxis im Hofheimer Krankenhaus-Gebäude betreibt. Drei Konzepte habe sie erarbeitet. Keines sei umgesetzt worden. „Mein Baby stirbt“ meinte sie, betonte aber gleichzeitig: „Wir tragen die politische Entscheidung mit.“

Die Infoveranstaltung zur Schließung des Hofheimer Krankenhauses und zur Neuausrichtung der Haßbergkliniken fand im sehr gut besuchten Pfarrheim am Montag statt. Foto: Martin Schweiger

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