KREIS HASSBERGE

Kreistag zeigt Kante gegen Stromtrassen

Solange Strommasten nicht massenhaft die Landschaft beinträchtigen, haben sie durchaus ihren Reiz, wenn man sie ins rechte Licht rückt, wie hier zwischen Eltmann und Limbach. Doch der Bau zusätzlicher Stromtrassen stießen im Kreistag am Montag auf eine klare Ablehnung.
Solange Strommasten nicht massenhaft die Landschaft beinträchtigen, haben sie durchaus ihren Reiz, wenn man sie ins rechte Licht rückt, wie hier zwischen Eltmann und Limbach. Doch der Bau zusätzlicher Stromtrassen stießen im Kreistag am Montag auf eine klare Ablehnung. Foto: Ralf Naumann

Am Montag nutzte der Kreistag den letztmöglichen Termin, um einstimmig eine Resolution gegen die möglichen Stromtrassen P43 und P44 abzugeben. Dass der Landkreis Haßberge sich gegen das drohende Szenario zusätzlicher Trassen riesiger Strommasten wendet, die die Naturlandschaft in den Haßbergen verschandeln könnten, ist nicht neu. Es gab bereits mehrere entsprechender Verlautbarungen. Dabei ist die Frage, ob die Trassen mit Endknotenpunkt in Grafenrheinfeld/Bergrheinfeld tatsächlich verwirklicht werden, noch offen, wie Landrat Wilhelm Schneider eingangs der Diskussion erinnerte.

Der Netzentwicklungsplan (NEP) 2030 sieht weiter eine zentrale Erzeugung von Strom vor, was bedeutet, dass der Strom über weite Strecken hinweg verteilt werden muss. Da ein Nord-Süd-Gefälle zwischen der Erzeugung des Stroms (vor allem im Norden) und dem Bedarf (im Süden) besteht, dürfte dies unweigerlich zum Bau zusätzlicher Leitungen führen, in Form großer Freileitungen, oder als unterirdisch verlegte Kabel, die jedoch deutlich teurer kämen.

Bekannt sind bislang nur die Korridore bekannt, in denen neue Strommasten entstehen könnten. Sollte P44 kommen, wäre der Haßbergkreis aber wohl betroffen, meinte Michael Rahn, der Büroleiter des Landrats, der das Thema im Kreistag vorstellte. Denn es würde sich anbieten, die Stromtrasse entlang der bestehenden B 303 in Richtung Schweinfurt zu führen. „Es sei davon auszugehen“, so Rahn, „dass ein vorgesehener Trassenneubau unweigerlich durch unseren Landkreis führen wird.“

Das laufende Konsultationsverfahren zum NEP 2030 gab Einwohnern und Kommunen bis zum 16. Oktober die Chance, zu den Stromtrassenplänen Stellung zu beziehen. Die ablehnende Haltung hierzu war im Kreistag kein Thema – darüber war man sich fraktionsübergreifend einig, da jeder nicht hinnehmbare Beeinträchtigungen durch den Neubau von möglichen 380-Kilovolt-Hochspannungsmasten, insbesondere durch P44, befürchtet.

Dennoch nutzte Rainer Baumgärtner (ÖDP) seinen weit ausholenden Redebeitrag in der Kreistagssitzung am Montag, um seinen Standpunkt sehr ausführlich und grundsätzlich darzulegen – so ausschweifend, dass Landrat Schneider ihn bat, seine Redezeit nicht über Gebühr zu dehnen. Baumgärtner betonte, dass der Landkreis Haßberge bereits vor mehreren Jahren ein „beispielhaftes Konzept“ entwickelt habe, wie er eine lokale, dezentrale Energiewende bewerkstelligen könnte, mit regenerativ erzeugtem Strom aus Biogasanlagen, Photovoltaik-Flächen, Windkraftanlagen und Wasserkraft am Main. Doch dann hätten landes- und bundespolitische Entscheidungen (Stichwort: 10-H-Regelung) die Pläne zur Energiewende auf Kreisebene mehr oder weniger schachmatt gesetzt, zumindest jedoch stark eingeschränkt.

Aus dieser Argumentation heraus meinte Baumgärtner, dass es für den Landkreis nicht damit getan sein dürfte, wenn er sich in einer Resolution gegen den Bau neuer Stromtrassen wende, die in erster Linie Windstrom von Offshore-Anlagen in der Nord- und Ostsee nach Süddeutschland transportieren soll – zu weit höheren Kosten, als dies durch dezentrale Stromerzeugung und -speicherung vor Ort möglich wäre.

Der Haßbergkreis müsste ein Konzept dezentraler Ökostromerzeugung erarbeiten, das von der Politik unterstützt wird, forderte der ÖDP-Mann, stieß damit bei seinen Kreistagskollegen jedoch auf verhaltendes Echo.

Als „ein wenig scheinheilig“ bezeichnete Matthias Lewin (Grüne) die Haltung, sich in der Resolution gegen Stromtrassen auszusprechen, zugleich aber den Bau zusätzlicher Photovoltaikanlagen nicht zu propagieren. Dies gelte nicht für den Landkreis Haßberge, entgegnete dem Landrat Schneider, der darauf verwies, dass die Resolution nicht nur er als Vertreter des Haßbergkreises unterschrieben hat, sondern auch eine ganze Reihe weiterer mainfränkischer Kommunal- und Landespolitiker ihre Unterschrift darunter gesetzt haben.

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