KREIS HASSBERGE

Kritik an Großbäckerei reißt nicht ab

Kritik reißt nicht ab

Die Vorwürfe gegen eine Bäckerei aus dem Haßbergkreis, die Filialen in mehreren Landkreisen hat, häufen sich. Nach dem in der vergangenen Woche in dieser Zeitung veröffentlichten Artikel, in dem Gewerkschaft und Mitarbeiter von massiven Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz und Steuerhinterziehung durch Schwarzarbeit im Unternehmen berichten, hat die Redaktion 15 weitere Hinweise erhalten, teils per E-Mail, teils per Internetkommentar unter www.mainpost.de. Sie alle bestätigen untragbare Zustände in dem Betrieb. Mitarbeiter würden ausgebeutet, schikaniert und unter Druck gesetzt.

Ein Vater beispielsweise berichtet von seiner Tochter, die nach zwei Jahren ihre Ausbildung in der Bäckerei geschmissen hätte, weil sie regelmäßig von 6 bis 21 Uhr arbeiten musste. „Die Arbeitszeit von acht Stunden existierte nur auf dem Papier“, sagt er. Eine Mutter erzählt von ihrer Tochter, deren Halbjahresvertrag, den sie nach ihrer Ausbildung erhalten hatte, nicht verlängert wurde, weil sie sich drei Wochen vor Vertragsende einer Operation unterziehen musste. Es sei unverschämt, wie die Firmenleitung mit ihren Angestellten umspringt. Die Frau behauptet: „Keiner der Angestellten kann sich eine Beschwerde leisten. Alle bibbern um ihren Job.“

Ein Mann berichtet per Internetkommentar, dass seine Lebensgefährtin in dem Betrieb wöchentlich die zulässige Arbeitszeit überschreiten musste. Circa 18 unbezahlte Stunden hätte diese als Verkäuferin pro Woche geleistet, fünf Jahre lang. Ein Mitarbeiter schreibt: Im Betrieb passiert einiges, was nicht legal ist, „in der Backstube, im Versand und in den Filialen“.

Mehrmals wird von Mobbing gesprochen, dem Mitarbeiter ausgesetzt seien. Ibo Ocak, Regional-Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten), erzählt, dass der Geschäftsführer der Bäckerei eine Mitarbeiterin, die sich an diese Zeitung gewandt hat, massiv unter Druck setzt. In den vergangenen Tagen hätten sich verstärkt Mitarbeiter bei der NGG über die Zustände im Betrieb beschwert.

Ein Internetkommentator drückt seine Achtung vor allen Mitarbeitern aus, die sich gewehrt haben. Er fordert diese Zeitung auf, den Namen der Bäckerei zu veröffentlichen. Diesem Wunsch kann nicht entsprochen werden, bis Ermittler konkrete Gesetzesverstöße im Unternehmen festgestellt haben. Beim Hauptzollamt Schweinfurt heißt es weiter: Die Auswertung von Informationen, die im Rahmen einer Kontrolle von Bäckereien zu Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen gesammelt wurden, werde noch ausgewertet.

Mobbing ist für den Geschäftsführer der Bäckerei ein „dehnbarer Begriff“. Gegenüber dieser Zeitung weist er jeden Vorwurf zurück. Es gebe nur Streit mit zwei ehemaligen Mitarbeiterinnen. Vorschriften zu Arbeitszeiten würde der Betrieb einhalten und Beiträge zur Altersvorsorge der Mitarbeiter gesetzeskonform einzahlen und verwalten. Ein Rechtsanwalt der Firma habe dies der Gewerkschaft schriftlich mitgeteilt und spricht von Verleumdungen. Die NGG hält dagegen daran fest, dass es in der Bäckerei zu Unregelmäßigkeiten kommt.

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