LANDKREIS HASSBERGE

„Kunden wollen eine persönliche Beratung“

Eine Nachricht im Fenster der Hofheimer Filiale der Hypo-Vereinsbank. Foto: HT-Schmieder

Die Erfindung des Internets brachte viele Veränderungen für die Menschen mit sich. Mittlerweile können die Menschen online einkaufen und sich alles Mögliche aus der ganzen Welt liefern lassen. Wer Freunde finden und mit ihnen in Kontakt bleiben will, kann das weltweit tun, ohne zwei Wochen auf den nächsten Brief warten zu müssen. Und auch Bankgeschäfte erfordern keine persönliche Anwesenheit mehr. Beim Onlinebanking kann der Bankkunde bequem vom heimischen Rechner aus große Summen überweisen.

Doch nicht jeder kommt mit dieser neuen Technik zurecht. Gerade ältere Menschen, die sich nicht mehr so leicht auf neue Lebenssituationen einstellen können, bevorzugen eben doch den Einkauf in einem Laden, in dem sie sich beraten lassen können, oder den freundlichen Bankberater, der bei der Überweisung behilflich ist. Nicht jeder kommt mit einem Computer oder mit jeder Internetseite zurecht.

Gerade diese Menschen leiden darunter, wenn immer mehr Filialen verschwinden, da es nicht mehr wirtschaftlich wäre, sie weiter zu betreiben. Genau das steht in Kürze auch der Hypo-Vereinsbank in Hofheim bevor. Im Fenster des Gebäudes hängt ein Schild mit der Aufschrift: „Wir ziehen um.“ „Ich kann bestätigen, dass wir die Filiale in Hofheim mit der in Haßfurt zusammenlegen“, sagt Pressesprecher Markus Block. Worte wie „schließen“ oder „Schließung“ kommen in seinen Ausführungen nicht vor.

Auch die beiden Mitarbeiter, die momentan in Hofheim arbeiten, werden nicht entlassen, sondern nach Haßfurt versetzt, „und werden von dort aus die rund 1100 Kunden betreuen“, berichtet Block. Für die Kunden macht das allerdings keinen Unterschied zu einer Schließung. Fakt ist: Hypo-Kunden aus Hofheim und Umgebung müssen ab dem 13. Oktober nach Haßfurt fahren, wenn sie persönlichen Kontakt zu einem Bankberater suchen.

Dafür ist in Haßfurt eine umfassende Neugestaltung geplant. Der Landkreis Haßberge steht damit nicht alleine da. Die Hypo-Vereinsbank plant deutschlandweit derartige Umgestaltungen und eine massive Reduzierung der Zahl an Filialen. Insgesamt werden 240 von derzeit 580 geschlossen oder mit anderen zusammengelegt, an 50 davon bleibt eine Selbstbedienungszone erhalten.

„Ziel ist es, bis Ende 2015 einen modernen Mix aus klassischen Filialen und alternativen Beratungs- und Servicewegen zu schaffen, der sich am Kundenverhalten und der Nachfrage orientiert und dem technischen Fortschritt durch die digitale Revolution Rechnung trägt“, heißt es in einem Pressetext der Bank. Weiter gibt die Bank an, künftig die Möglichkeiten im Onlinebereich erhöhen zu wollen.

Auch wenn im Landkreis Haßberge vorerst niemand seinen Job verlieren soll, geht es bundesweit nicht ohne Entlassungen. Rund 1500 Vollzeitstellen sollen der Modernisierung zum Opfer fallen.

Gerade im ländlichen Raum stellt sich natürlich auch den Kunden der anderen Banken die Frage, ob sie eine ähnliche Entwicklung befürchten müssen. Flessabank, Raiffeisen und Sparkasse geben in dieser Frage Entwarnung. „Bei uns wird nichts geschlossen. Wir legen Wert auf Kundennähe“, heißt es aus der Flessabank. So habe man in den letzten Jahren sogar eher noch neue Filialen eröffnet, als alte zu schließen.

„Der Trend ist auf jeden Fall da“, sagt Christian Schwab von der Raiffeisenbank in Haßfurt über die Abnahme von Kundenkontakt und die zunehmende Nutzung des Onlineangebots. „Trotzdem haben wir noch eine hohe Frequentierung der Filialen, die verstehen wir als unser Hauptgeschäft und werden auch an ihnen festhalten.“

Ähnlich sieht es auch bei der Sparkasse aus. Mit deutschlandweit 417 Sparkassen und 15 000 Filialen besitzt das dichteste Netz an lokalen Anlaufstellen aller Banken in Deutschland. „Das wird auch so bleiben“, betont Pressesprecher Stefan Marotzke. „Natürlich gibt es heute unterschiedliche Wege, eine Bank zu erreichen“, sagt er, „und wir müssen den Kunden da abholen, wo er das will“. Die Sparkasse lege wert darauf, dass Kunden immer in Kontakt mit dem ihnen zugewiesenen Bankberater stehen können, und das nicht nur beim direkten Kundengespräch, sondern auch im Onlineangebot. Auch die Möglichkeit der Videoberatung solle künftig ausgebaut werden. Dennoch sei es der Sparkasse wichtig, trotz eines Ausbaus der modernen Kommunikationswege auch den klassischen Kundenkontakt aufrechtzuerhalten.

Natürlich müsse man den demografischen Wandel im Auge behalten und so könne es die eine oder andere Filiale treffen, „aber unser dichtes Filialnetz ist uns wichtig“, betont der Pressesprecher.

Ähnlich sieht es auch Andreas Linder, Vorstandsmitglied der Sparkasse Ostunterfranken. „Kurzfristig sind bei uns keine Schließungen geplant“, berichtet er. So sei es der Sparkasse wichtig, mehrgleisig zu fahren. „Multikanalstrategie“ nennt sich dieses Vorgehen, bei dem sowohl die klassische Kundenberatung als auch moderne Onlineangebote zur Verfügung stehen. „Unsere Kunden wollen eine persönliche Beratung“, hebt Linder hervor.

Natürlich sei nicht jede Dorffiliale langfristig zu halten: „Das hängt vom Kunden ab. Wenn der letzte Bäcker und der letzte Metzger weg ist, muss sich die Sparkasse natürlich auch Gedanken machen.“ Massenhafte Filialschließungen wie bei anderen Banken sieht er auf die Sparkasse aber nicht zukommen. „Diesen radikalen Schritt finde ich übertrieben.“

Bald wird es sie nicht mehr geben: Die Filiale der Hypo-Vereinsbank in Hofheim. Foto: HT-Schmieder
Wer zahlt noch mit Bargeld? Im Internetzeitalter gehen immer weniger Menschen in die lokalen Bankfilialen. Foto: HT-Schmieder

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