RÜGHEIM

Lazy Gardening: Naturnähe reduziert Aufwand

„Lazy Gardening“ liegt im Trend: Doch Gartenberater sehen auch Auswüchse und haben Tipps, wie es besser geht. In Rügheim gibt es am kommenden Sonntag einen „Lazy Garden“ zu besichtigen.
Silvia und Dieter Kuhn in ihrem Garten in Rügheim.
Silvia und Dieter Kuhn in ihrem Garten in Rügheim. Foto: Michael Mößlein

Wer den englischen Begriff „Lazy Gardening“ wörtlich übersetzt, der kommt leicht auf „Gartenarbeit für Faulpelze“. Doch das muss nicht stimmen. Denn der Begriff bezeichnet zwar den Trend, Gärten so zu gestalten, dass sie möglichst wenig Arbeit machen. Doch dies muss noch lange nicht zum Niedergang der Gartenkultur führen.

Diese droht aber dann, wenn Gartenbesitzer unter Arbeitsreduzierung das Verdrängen der Pflanzenvielfalt verstehen, warnen die Gartenberater des Landratsamtes. Sie werben für naturnahe Gärten. Diese kommen mit weniger Pflege zurecht und sind ein Gewinn für alle – für Menschen, Pflanzen und Tiere.

Guntram Ulsamer und Johannes Bayer haben durchaus Verständnis dafür, dass immer mehr Menschen den Aufwand für ihre Gärten verringern möchten. Älteren fällt die Gartenarbeit schwerer als in jungen Jahren, und viele Jüngere möchten sich in ihrer Freizeit nicht unbedingt um Gemüse- oder Staudenbeete kümmern, zumal kaum noch jemand auf Nutzgärten zur Selbstversorgung angewiesen ist, wenn er das nicht möchte; Supermärkte bieten alles im Übermaß.

Kein Verständnis haben die beiden Gartenberater des Landkreises Haßberge jedoch dafür, wenn Gartenbesitzer hergehen und Pflanzen rigoros zurückdrängen und etwa durch Kiesflächen ersetzen, oder statt Hecken auf einen Sichtschutz setzen, der nicht aus Pflanzen besteht.

Ähnlich problematisch sind aus ihrer Sicht Gärten, die schon auf den ersten Blick picobello aussehen, mit großflächigem, stets zentimeterkurz rasiertem Rasen, mit wenigen, fast einheitlichen Pflanzen, zwischen denen Unkrautvernichter jede andere, als Unkraut verteufelten Art, den Garaus macht. „Im Garten muss nicht alles aussehen wie im Wohnzimmer“, sagt Ulsamer und ermutigt dazu, der Natur im Garten Raum zu geben, sich so auszubreiten, wie sie es möchte.

Dass damit kein unansehnlicher Wildwuchs gemeint ist, lässt sich gut bei Silvia und Dieter Kuhn in Rügheim beobachten. Deren Garten, direkt im Ortskern, neben dem Martin-Luther-Haus, ist einer von 15 Gärten in der Ortschaft, die an diesem Sonntag, 25. Juni, am „Tag der offenen Gartentür“ für Besucher geöffnet haben.

Wer den Garten neben der zum Wohnhaus umgebauten alten Scheune betritt, fühlt sich sofort wohl: Schattige und sonnige Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen ein – je nachdem, wie die Außentemperatur ist. Obstbäume, eine Kastanie und eine Eberesche sorgen für Abwechslung und Schatten, Bruchsteinmauern und schmale Pflasterwege schaffen unterschiedliche Bereiche und geben dem Garten ein Höhenprofil. Vorm Haus, wo mehr Sonne hinkommt, ist ein Nutzgarten mit Gemüse und Kräutern angelegt, „alles, was meist gleich gebraucht wird“, wie Dieter Kuhn erklärt.

Er zählt den Garten zur Freizeitgestaltung. „Das hat manchmal den Anschein von Arbeit, ist aber keine für mich, sonst würde ich es auch nicht machen“, sagt er. Seine Ehefrau bezeichnet den Garten als „grüne Oase“. Wie ihr Mann setzt sie dort gerne neue Ideen um. Beide bezeichnen sich als „tolerant“: In ihrem Garten darf vieles so wachsen, wie es will. Wenn Unkraut auftaucht, dann greifen sie nicht zur chemischen Keule, Brennnessel dürfen aus der Hecke herausspitzen.

„Die Pflanzen suchen sich bei uns ihren Platz“, sagt Silvia Kuhn. Sie gibt Hobbygärtnern den Tipp, Bereiche festzulegen, in denen man die Natur einfach gewähren lässt. Und wenn man Gartenarbeit portioniert, und so wie er jeden Tag, wenn er von der Arbeit heimkommt, eine halbe Stunde, oder auch mal eine Stunde im Garten aktiv ist, „dann ist es immer leichter“, rät Dieter Kuhn.

Auch Gartenberater Bayer gibt gerne Hinweise, wie Gärtner sich das Leben erleichtern: Hochbeete sind – besonders für Ältere, die sich nur schwer bücken können – leicht zu pflegen. Bodendecker-Pflanzen sehen gut aus und halten Unkraut in Schach, ebenso wie Mulch, der zudem das Wasser im Boden hält. Kräuterschnecken aus Natursteinen sind nicht nur praktisch, sondern zugleich ein Gestaltungselement. Naturhecken müssen nur alle zwei, drei Jahre gestutzt werden, und eine Blumenwiese ist nicht nur eine Augenweide und eine Schatzkiste für Bienen und Insekten, sondern verlangt auch nur eine Mahd im Sommer.

Der Einsatz von Technik – solange er mit Augenmaß erfolgt – erleichtert die Gartenarbeit ebenfalls, meint der Fachberater und erwähnt Mähroboter, akkubetriebene Gartengeräte oder automatische Bewässerungsanlagen, für die möglichst Regenwasser verwendet werden sollte.

Seit über 20 Jahren probiert Elfi Reichert in ihrem Garten viel aus, wie sie sagt. Als sie und ihr Mann das Haus mit Grundstück in der Rügheimer Neubausiedlung Ende 1993 gekauft haben, standen in dem etwa 600 Quadratmeter großen Garten, der zwei Seiten des Hauses umschließt und der am „Tag der offenen Gartentür“ ebenfalls zu besichtigen ist, schon einige Stauden.

Wer sich dort umsieht, der erkennt sofort, dass sich dort einiges getan hat. Im Nutzgarten hinterm Haus wachsen nicht nur Gemüse und Kräuter, sondern auch Beerensträucher. „Bei mir darf genascht werden“, sagt die Gartenbesitzerin. Das gilt auch für die Besucher, die am Sonntag kommen.

Die Staudenbeete sind liebevoll gepflegt, und Gehölze rahmen das Grundstück zur Straße hin ab. Dekorative Elemente, wie alte Balken, werten die Staudenbeete zusätzlich auf. Eine Sitzecke hat einen praktischen Nutzen, ist aber auch ein Blickfang. Ein Rosenstrauch betont als Spalier den Bogen eines Durchgangs, der den vorderen und den hinteren Bereich des Gartens trennt. „Der Garten sagt etwas über mich aus“, meint Elfi Reichert. Deshalb sind ihr die geschwungenen Linien wichtig, weil auch das Leben selten geradlinig verlaufe.

Unkraut beseitigt sie mit der Harke, ohne chemische Mittel. „Wenn man die Beete dicht bepflanzt, dann kommt wenig Unkraut durch“, lautet ihre Erfahrung. Auch deshalb sei es wichtig, genau auf die Auswahl der richtigen Pflanzen zu achten, welche Pflanzen Sonne vertragen und welche für Schattenplätze geeignet sind. Wer sich unsicher ist, sollte einen Gärtner oder Landschaftsgärtner fragen, rät Elfi Reichert. Das sei allemal besser, als Gartenflächen in Steinwüsten zu verwandeln.

Grundbesitzer können laut Fachberater Ulsamer auch kleine Gärten mühelos naturnah gestalten. Doch einer Illusion sollte sich niemand hingeben: Naturnahe Gärten könnten nicht die in den vergangenen Jahrzehnten auf den Feldern und Fluren verloren gegangene Pflanzenvielfalt kompensieren. Auf den „sauber gespritzten“ Feldern, auf denen oft neben der angebauten Frucht nichts anderes mehr wächst, fänden etwa Bienen, aber auch Insekten und damit Vögel kaum noch ausreichend Nahrung und Lebensräume. Gartenbesitzer haben es in der Hand, diese Fehler auf ihrem Grund und Boden zu vermeiden.

Am unterfrankenweiten „Tag der offenen Gartentür“ am Sonntag, 25. Juni, haben im Landkreis Haßberge in Rügheim 15 Gärten von 10 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Parkplätze sind ausgeschildert. Flyer werden vor Ort ausgegeben.

„Die Pflanzen suchen sich bei uns ihren Platz.“
Silvia Kuhn, Hobbygärtnerin aus Rügheim

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