HAßFURT

Leser-Forum: „Power-To-Gas: das Zauberwort heißt Regelenergie“

Folgender Leserbrief erreichte unsere Redaktion zu „Überschüssiger Strom lässt sich speichern“:

Herr Müller moniert einen angeblich falschen Faktencheck und wünscht sich eine faire Debatte. Eine „echte“ Debatte würde ich mir auch wünschen, aber seine Stellungnahme ist weder fair noch inhaltlich korrekt.

Eine Power-To-Gas-Anlage erzeugt Wasserstoff- oder Methan-Gas. Dieses kann gespeichert und für Wärmeerzeugung oder Stromerzeugung genutzt werden. Da Wasserstoffgas nur in sehr kleinen Mengen dem Gasnetz zugeführt werden kann, ist ausschließlich Methangas für einen Langzeitspeicher einsetzbar. Das Problem dieser Technologie ist der sehr schlechte Wirkungsgrad, der physikalische Gründe hat. Bei einer Stromrückgewinnung muss man mit etwa 66 Prozent Verluste rechnen (Angabe laut Prof. Dr. Johannes Paulus).

Damit man eine solche Anlage wirtschaftlich sinnvoll betreiben kann, reicht es nicht, billigen subventionierten Industriestrom zu verwenden. Selbst geschenkter Strom wäre zu teuer. Man muss Geld dafür erhalten, Strom zu verbrauchen. Das erscheint zunächst unsinnig, aber mit genau diesem Geschäftsmodell wird die Haßfurter Anlage betrieben.

Das Zauberwort heißt Regelenergie. Man benötigt sie, um die Schwankungen im deutschen Stromnetz auszugleichen. Diese haben mit der Energiewende dramatisch zugenommen. Um das Problem in den Griff zu kriegen, benötigt man „Regelenergie“, die man als Energiereserve betrachten kann. Schon die Bereitstellung wird gut bezahlt.

Richtig lohnen, tut es sich, wenn man die Leistung schnell zur Verfügung stellen kann. Power-To-Gas-Anlagen „liefern“ negative Regelenergie und können sehr schnell reagieren.

Nun suggeriert Herr Nils Müller, dass der Windpark Sailershäuser Wald eine erhebliche Menge überschüssigen Strom produziert, der von der Haßfurter Power-To-Gas-Anlage abgenommen werden soll. Das ist eindeutig falsch.

Zum einen erfolgt die Bezahlung der negativen Regelenergie um das gesamte deutsche Stromnetz zu stabilisieren und nicht, um Überschüsse eines lokalen Windparks zu verbraten.

Zum anderen fragt man sich, wie man bis jetzt reagiert hat. Wurde der Windpark häufig abgeschaltet, weil man zuviel produzierte? Das ist nicht der Fall. Ich kenne eine klare Aussage von Herrn Norbert Zösch, dem Geschäftsführer des Stadtwerks Haßfurt, dass solche Zustände sehr selten sind.

Die Kosten für die Stromnetzstabilisierung werden auf den Verbraucher umgelegt. Sie betrugen im Jahr 2015 laut der Bundesnetzagentur „mindestens eine Milliarde Euro“.

Anhand dieses konkreten Beispiels sollte einem klar werden, warum die Stromkosten ständig steigen. Eine Power-To-Gas-Anlage, von denen unser Land eigentlich tausende bräuchte, ist ein Grund dafür. Doch wer A sagt, muss auch B(e)zahlen.

Reiner Pracht, 91099 Poxdorf

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