Altenstein

Lieder der Hoffnung singen

Stefan Köttig, Pfarrer in Altenstein.
Stefan Köttig, Pfarrer in Altenstein. Foto: Roland Holzheid

Jeden Morgen weckt mich ein Vogel. Er sitzt im Baum vor meinem Schlafzimmerfenster und singt sein Lied. Die zarte, fröhliche Stimme lässt sich weder von frostigen Temperaturen noch von dem kalten Wind abhalten, der ums Haus weht.

Dieser kleine gefiederte Freund macht mir mit seinem Gesang so viel Freude. Wie gut das tut, gerade in diesen Zeiten. Da gibt es so vieles, was mir Angst macht oder mich betrübt: zum Beispiel die Berichte über das Corona-Virus und die Folgen seiner Ausbreitung in unserem Land, die Fernsehbilder von verzweifelten Menschen im Niemandsland zwischen Griechenland und der Türkei oder die Sorge um das Weltklima.

Doch dann höre ich diese kräftige Vogelstimme am frühen Morgen. Sie singt gegen alles Dunkle und Unheimliche an und erinnert mich daran, dass der Tag anbricht. Dazu fällt mir ein Satz des bengalischen Dichters Rabindranath Tagore (1861 bis 1941) ein, der auch in unserem Evangelischen Gesangbuch steht: „Glaube ist wie ein Vogel, welcher singt, wenn die Nacht noch dunkel ist…“ (S.45)

Das Lied dieses kleinen Vogels macht mir Mut und ebenso der vierte Sonntag in der Fastenzeit. Er trägt den lateinischen Namen „Lätare“. Das bedeutet: „Freuet euch!“ Worüber können oder dürfen wir uns denn freuen, gerade in diesen Zeiten? Vielleicht gibt das Lied darauf eine Antwort, das an diesem Sonntag in vielen Kirchen gesungen wird: „Jesu, meine Freude!“ (Nr. 396) Da heißt es in der zweiten Strophe: „Unter deinen Schirmen bin ich vor den Stürmen / aller Feinde frei… Ob es jetzt gleich kracht und blitzt, ob gleich Sünd und Hölle schrecken, Jesus will mich decken.

Wenn wir Angst haben, wissen wir, an wen wir uns wenden können, wo wir Zuflucht und Trost finden, Schutz und Geborgenheit. Machen wir es dem kleinen Vogel nach. Singen wir unsere Lieder der Hoffnung. Singen wir, wenn es noch dunkel ist. Der Sonntag Lätare erinnert daran: wir gehen nicht dem Untergang entgegen, sondern österlichen Zeiten!

Der Autor: Stefan Köttig
Maroldsweisach/Altenstein

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