EBERN

„Lindern, begleiten, leben“

Segnung: Der Palliativmedizinische Dienst am Haus Ebern der Haßbergkliniken hat seine Arbeit aufgenommen. Diakon Manfred Griebel (li.) und Pfarrer Stefan Köttig segneten am Wochenende die Räume. Foto: Dahinten

Schwerkranke und deren Angehörige wohnortnah zu betreuen – - das ist das Angebot des Palliativmedizinischen Dienstes am Haus Ebern der Haßbergkliniken, der nun seine Arbeit aufgenommen hat. Am Wochenende wurden die neuen Räume eingeweiht. Die Feierstunde war geprägt von der Hoffnung und Zuversicht, dass würdevolles Leben möglich ist auch im Angesicht des Todes.

Palliativmedizin – der etwas sperrig klingende Fachbegriff ist ein ausdrucksstarkes Bild, mit dem das eigens gebildete Team in einer Broschüre seine Arbeit beschreibt: Pallium kommt demnach aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie Mantel. „Bildlich gesehen sollen belastende körperliche und seelische Merkmale wie mit einem schützenden Mantel umhüllt werden, um die Beschwerden des Patienten zu lindern und seine Lebensqualität zu verbessern.“

Zu diesem Zweck arbeiten besonders geschulte Pflegefachkräfte, Ärzte mit Zusatzausbildung, Therapeuten, Sozialdienst, Seelsorger und die ehrenamtlichen Helfer der Hospizgruppe des Malteser-Hilfsdienstes Hand in Hand, wie Landrat Rudolf Handwerker erläuterte. Zudem ist eine Zusammenarbeit mit der ambulanten Palliativversorgung des Klinikums Bamberg angebahnt. „Lindern, begleiten, leben“ lautet das Motto, das sich der Dienst selbst gegeben hat. „Das Team und der Krankenhausträger wollen im Krankenhaus Ebern Lebensräume schaffen“, betonte Handwerker. Der Umgang mit Sterbenden sei eine Herausforderung „für uns als Individuen, aber auch als Gesellschaft“. Das hatte auch Melanie Huml, Staatssekretärin im Bayerischen Gesundheitsministerium, in ihrem schriftlichen Grußwort zum Ausdruck gebracht, das Vorstandsvorsitzender Stephan Kolck verlas: Krankheit und Tod seien heute für viele Tabuthemen, die häufig aus der gesellschaftlichen Mitte verdrängt würden. Huml sprach die Ängste vieler Menschen vor unerträglichen Schmerzen, vor einem Sterben in Einsamkeit und dem Verlust der Selbstbestimmung an. „Solchen Gefühlen begegnen Palliativmedizin und Hospizarbeit mit ihrer Perspektive der menschlichen Fürsorge.“ Drei Plätze stehen für den neuen Dienst am Haus Ebern zur Verfügung. Im Unterschied zu einer Hospizstation werden hier schwerkranke Patienten aufgenommen, die akut eine medizinische Behandlung benötigen. Fünf Anmeldungen gibt es bereits, sagte Stephan Kolck am Rande der Eröffnung. Der Bedarf sei also gegeben. Den finanziellen Aufwand für die Räume selbst bezifferte er auf 50 000 Euro, und betonte, man habe „vor allem in Fortbildung investiert“.

Die Vorgeschichte des Projekts ließ Chefarzt Dr. Ants Lohmus Revue passieren. Die Idee war in Gesprächen mit Oberarzt Dr. Andreas Engelhardt entstanden, der vor einigen Jahren aus Schweinfurt gekommen war. Engelhardt ist nun auch der Leiter des neuen Dienstes. Die Bedürfnisse der schwerkranken Menschen und auch die der Angehörigen stünden im Mittelpunkt, erläuterte der Mediziner. Dass der Schmerz etwa bei Krebspatienten nicht nur eine körperliche, sondern auch psychologische und spirituelle Dimension hat, betonte Engelhardts Kollege Dr. Jakob Perzl, Anästhesist und Schmerztherapeut.

Personalratsvorsitzender Volker Utzmann wünschte sich angesichts der „Herausforderung und Chance“ des neuen Angebotes: „Mögen sich die unterschiedlichen Berufsgruppen so bereichern und ergänzen, dass sich die Patienten in unserem Haus geborgen fühlen.“ Eberns Bürgermeister Robert Herrmann würdigte das Engagement aller Beteiligten und sprach von einem „ganz wichtigen Beitrag für ein besseres, mitmenschliches Miteinander“. Zeichen der Hoffnung und des Trostes, Zeichen des Lebens setzten nicht zuletzt Diakon Manfred Griebel, Krankenhausseelsorger an den Haßberg-Kliniken, und Pfarrer Stefan Köttig in ihren Worten zur Segnung der Räume.

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